Unsere FunktionärInnenkonferenz in Essen

Mit einem leisen „Klack“ fällt das Namensschild von Tülay Durdu aus dem Kartendrucker am Empfang. Gemeinsam mit ihrer Tochter ist die 44-Jährige an diesem Samstag nach Essen gereist – ebenso wie über 300 andere Funktionärsträgerinnen und Funktionärsträgern aus der NRWSPD. Während draußen der Regen an die Scheiben prasselt will Tülay in den warmen Messe-Räumen über die wichtigen Zukunftsthemen der NRWSPD diskutieren – gemeinsam mit OV- und UB-Vorsitzenden, Bürgermeistern, Ratsmitgliedern und Abgeordneten aller Ebenen. Wie geht es weiter mit der Arbeit im digitalen Zeitalter? Wie garantieren wir Aufstiegschancen für jede und jeden? Und was heißt es, für eine solidarische Gesellschaft in der Zukunft zu streiten? „Ich bin gespannt was mich erwartet und hoffe vor allem auf viele gute Informationen für den Europawahlkampf, um hier gerüstet zu sein“, freut sich Tülay, die das erste Mal bei solch einer Konferenz ist.

Erste Station: Plenum im zweiten Stock. „Ihr werdet gebraucht!“, begrüßt Generalsekretärin Nadja Lüders die Anwesenden. „Ihr werdet gebraucht, weil wir wieder ein Profil für die NRWSPD bilden müssen.“ In welche Richtung dieses Profil gehen soll, da hat Sebastian Hartmann schon ein klares Bild vor Augen: „Weniger Fähnchen und Hütchen – mehr Rot pur, das brauchen wir in Nordrhein-Westfalen“, stimmt der Vorsitzende der NRWSPD die Funktionärinnen und Funktionäre auf den intensiven Workshoptag ein und macht seine Forderung gleich an einem Beispiel konkret: „Wir dürfen nie wieder das so wichtige Thema Bildung sieben Jahre dem grünen Koalitionspartner überlassen!“

Und dann geht es auch schon los. In sechs Gruppen wird diskutiert – intensiv und durchaus auch mal kritisch. Über soziale Sicherheit, die solidarische Gesellschaft und die Zukunft der Arbeit ebenso wie über die Kernbotschaften zur Europawahl und den Weg zum Kommunalwahlprogramm. Mittendrin Anja Weber, die Vorsitzende des DGB NRW und Prof. Dr. Christoph Butterwegge, die gemeinsam mit den Genossinnen und Genossen um den besten Weg streiten.

FunktionärInnnenkonferenz der NRWSPD in Essen auf Youtube

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Auch Tristan Richter ist an diesem Samstag nach Essen gekommen und hat die Kommunalwahl in seiner Heimatstadt Lünen schon fest im Blick. Da kam der Workshop zum Kommunalwahlprogramm gerade richtig. „Wir sollten uns nicht mehr Gedanken machen, was man alles umsetzen muss, sondern eher, was die Bürgerinnen und Bürger vor Ort wollen und wie wir ihnen helfen können. Also keine langen Programme, sondern mehr konkrete Positionen“, findet der 32-Jährige Gefallen an dem Ansatz des Workshops. „Ich hoffe, dass ich einiges davon auch bei uns in Lünen einbauen kann.“

Zwei Räume weiter wird intensiv über Soziale Sicherheit diskutiert. In jeder Ecke steht eine Stellwand, darauf jeweils eine zentrale These. „Wir werden die umlagefinanzierte Rente zukunftssicher und auskömmlich aufstellen und die Riester-Rente abschaffen“, steht auf der einen Wand – „Wir werden Hartz IV zu Gunsten einer echten Arbeitsversicherung abschaffen“, auf einer anderen. In Kleingruppen werden die Thesen besprochen, das Für und Wider abgewogen und dort, wo nötig, Veränderungen vorgenommen. Am Ende stehen zu jedem der vier Leitthemen (Zukunft der Arbeit, Aufstiegschancen, soziale Sicherheit und solidarische Gesellschaft), welche die NRWSPD als Schwerpunkte definiert hat, fünf bis sieben Thesen. Diese werden in den kommenden Monaten in den Unter- und Stadtbezirken weiter diskutiert – innerhalb der Partei genauso wie mit Gewerkschaften, Sozialverbänden, Religionsgemeinschaften oder Vertretern der Wissenschaft. Am Ende des Prozesses bilden die Ergebnisse dieser Diskussionen den Leitantrag zum Parteitag im September.

Nach den intensiven Diskussionen über den künftigen inhaltlichen Kurs der NRWSPD steht am Nachmittag der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt: Vor den Workshopräumen stellen Genossinnen und Genossen aus Arnsberg ihren erfolgreichen Bürgermeisterwahlkampf 2018 vor, mit dem sie in ihrer CDU-dominierten Stadt einen SPD-Bürgermeister durchsetzen konnte. Am Nachbarstand gibt die SPD Münster Einblicke, wie ein effizienter Social-Media-Wahlkampf mit Hilfe einer ehrenamtlichen Onlineredaktion gestaltet werden kann. Und wenige Meter weiter erklären Kölner Genossinnen und Genossen ihre Kampagne „Wohnen.Bezahlbar.Machen“. Daneben bekommen die Teilnehmenden der FunktionärInnenkonferenz Einblicke in den Aufbau und die Pläne der neu gegründeten Parteischule und erfahren einen Raum weiter, wie die Arbeitsgruppe „Digitale Partei“ die NRWSPD zur digitalen Speerspitze unter den Parteien machen will.

„Man hat das Gefühl es geht voran“, zieht Tristan sein Fazit nach einem intensiven Workshoptag. „Der Landesvorstand macht in ganz vielen Bereichen wichtige Schritte – sich nicht nur fünf Jahre lang erneuern, sondern einfach auch mal machen.“ Auch Tülay ist zufrieden: „Wir waren im Workshop Europa“, erzählt die Mutter aus Rösrath. „Ich fands klasse, ich bin gut vorbereitet und werde die Informationen und Eckpunkte noch mal mit den Genossen im Ortsverein besprechen.“