Wir wollen die beste Bildung für jeden von Anfang an.

Beste Bildung, unabhängig von der Herkunft und vom Geldbeutel der Eltern, ebnet den Weg in ein selbstbestimmtes Leben und zu sozialem Aufstieg. Unser Ziel deshalb auch für die nächsten Jahre und verstärkt: Kein Kind und keinen Menschen zurücklassen. Kein Kind soll die Schule ohne einen Abschluss verlassen. Jedes Kind soll entsprechend seiner Talente und Begabungen gefördert werden. Und deshalb beginnt beste Bildung im frühen Alter und sorgt im Lebenslauf dafür, dass alle Menschen, immer dann, wenn es notwendig ist, eine weitere Chance erhalten. Wir haben ein umfassendes Bildungsverständnis und wollen alle Bildungsinstitutionen von der Kita bis zur Weiterbildung weiter stärken.

Dafür haben wir in den vergangenen Jahren die Grundlage gelegt: Allein seit 2015 werden über 6.000 neue Lehrerinnen und Lehrer und rund 1.500 Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter vom Land zusätzlich finanziert. Damit verbessern wir die Unterrichtsversorgung und sorgen dafür, dass die wachsenden Herausforderungen an unseren Schulen besser bewältigt werden können. Mit dem Schulkonsens haben wir mehr als 220 neue Schulen des längeren gemeinsamen Lernens geschaffen und die Inklusion auf den Weg gebracht. Anders als in anderen Bundesländern setzen wir dabei auf die Wahlfreiheit der Eltern, ihr Kind inklusiv auf einer allgemeinbildenden Schule unterrichten und fördern zu lassen oder auf einer Förderschule. Den Lernort bestimmen in Nordrhein-Westfalen die Eltern nach umfassender kompetenter Beratung, bei der das Kindeswohl handlungsleitend ist.

Durch das Programm Kein Abschluss ohne Anschluss haben wir als erstes Flächenland eine verbindliche und strukturierte Berufs- und Studienorientierung an allen Schulen eingeführt. Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 setzen alle allgemeinbildenden Schulen in unserem Land dieses Programm verpflichtend um und im Schuljahr 2018/2019 werden dann alle circa 500.000 Schülerinnen und Schüler Nordrhein-Westfalens der Jahrgangsstufen 8 bis 10 von dieser frühzeitigen Unterstützung bei der Berufswahl und beim Eintritt in die Berufsausbildung profitieren. Durch die Anstrengungen des Ausbildungskonsenses NRW, der regionalen Ausbildungskonsense und der berufspraktischen Erprobungen haben wir in vielen Regionen Verbesserungen am Ausbildungsmarkt erreicht. Durch das Programm Talentscouting und zusätzliche Masterstudienplätze ermöglichen wir beste Abschlüsse. Mit Erfolg: Kein anderes Bundesland hat die Zahl der Schulabbrecher so konsequent reduzieren können, und in keinem anderen Land studieren so viele junge Menschen wie in NRW.

Mit der von uns vorgenommenen Änderung des Arbeitnehmerweiterbildungsgesetzes erhalten Auszubildende das Recht auf bezahlten Bildungsurlaub. Und wir haben die Weiterbildungsförderung sowohl strukturell als auch für einzelne Themen deutlich erhöht.

Wir machen unsere Schulen fit für die Zukunft.

Die Anforderungen an die Schulen werden weiter steigen: Integration von Zugewanderten, individuelle Förderung und Exzellenz, Inklusion und die Vorbereitung auf Ausbildung und Beruf wie auch das Lernen im digitalen Wandel werden weiter große Kraftanstrengungen erfordern. Hierzu bedarf es mehr Förderung schon in der Kita und mehr Lehrerinnen und Lehrer insbesondere in den Schulen in sozial schwierigen Quartieren.

Der Schulkonsens ist dafür eine gute Grundlage, aber er reicht nicht aus. Mit unserem Manifest Gute Schule. Beste Bildung. haben wir daher einen umfassenden Maßnahmenplan vorgelegt, individuelle Förderung und längeres gemeinsames Lernen zu ermöglichen, Bildungsübergänge zu vereinfachen und die schulische Inklusion zum Erfolg zu führen. Unser Investitionsprogramm Gute Schule 2020 sorgt gleichzeitig mit zwei Milliarden Euro Investitionsvolumen bis 2020 dafür, dass die Schulgebäude wieder auf Vordermann gebracht werden. Mit unserem Leitbild Lernen im Digitalen Wandel haben wir Leitplanken für die Zukunft von Bildung in Zeiten der Digitalisierung gesetzt. Die Teilhabe am digitalen Leben, Bildungsqualität, Bildungsgerechtigkeit, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit sowie mehr Fachkräfte für den digitalen Wandel haben wir dabei als Ziele definiert. Digitale Kompetenz und kritische Mediennutzung sind wichtige Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben.

Wir werden deshalb:

  • Für gelingende Unterrichtsbedingungen sorgen. Die Schüler-Lehrer-Relation ist entscheidend für eine gute Unterrichtsversorgung. Wir werden sie an allen Schulen weiter verbessern und Transparenz über Unterrichtsausfall und seine Ursachen herstellen. Um Unterrichtsausfälle, insbesondere bei langfristigen Abwesenheiten von Lehrkräften, wirksam zu vermeiden, werden wir den Einsatz von Vertretungskräften erleichtern. Gleichzeitig werden wir den Schulen, in Anlehnung an die Möglichkeiten der Selbstständigen Schule, mehr Möglichkeiten für eine eigenverantwortlichere Stellen­bewirtschaftung geben. Über einen Sozialindex wollen wir künftig die Zuweisung von Personalressourcen auch daran orientieren, wo besonders viele Kinder und Jugendliche mit Förderbedarfen oder in besonderen Lebenslagen unterrichtet werden. Zusätzlich werden wir durch besondere Anreize Lehrkräfte für die Arbeit in diesen Stadtteilen honorieren. Wir werden ebenso prüfen, ob die vorhandenen Kapazitäten in den Lehramtsstudiengängen an den Hochschulen für den mittelfristigen Bedarf an Lehrkräften, Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeitern, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen und Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen ausreichend sind. Große Schulen wollen wir in Abstimmung mit den Kommunen durch eine Verwaltungs­kraft gezielt entlasten. Mit uns ist klar: Das Programm zur sozialen Arbeit an Schulen wird fortgesetzt. Bei der Finanzierung werden wir gleichzeitig weiter darauf bestehen, dass es zu einer hundertprozentigen Refinanzierung durch den Bund kommt, der diese Leistung in Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets zugesagt hat. Zugleich werden wir die schulische Arbeit in multiprofessionellen Teams ausbauen. Mit unserem Programm Gute Schule 2020 sorgen wir weiter dafür, dass der Investitionsstau in den Klassenzimmern endlich aufgelöst wird.
  • Mehr längeres gemeinsames Lernen ermöglichen. Die direkte Umwandlung bestehender Haupt- und Realschulen werden wir ermöglichen. Gymnasien soll die Umwandlung in Gesamtschulen zumindest dann ermöglicht werden, wenn sie die einzige weiterführende Schule am Ort sind. Dazu gehört im ersten Schritt, dass ein Gymnasium alle Abschlüsse vergeben kann, um ein diskriminierendes ‚Abschulen‘ von Kindern zu verhindern. Wir folgen dabei dem Grundsatz, dass jede weiterführende Schule die Verantwortung für die Kinder bis zum Abschluss übernimmt, die sie aufgenommen hat. Wir streben einen bundesweit einheitlichen Sekundarabschluss nach Klasse 10 an, der differenzierte Optionen für die weitere Schullaufbahnen ermöglicht. Es ist unser Ziel, gerade im ländlichen Raum eine ortsnahe Bildung sicherzustellen und ein gutes qualitatives Schulangebot vorzuhalten. Im Rahmen der Weiterentwicklung des Schulkonsenses wollen wir deshalb prüfen, ob eine Zweizügigkeit für die Gründung und den Fortbestand einer Sekundarschule als ausreichend betrachtet werden kann, insbesondere wenn es sich um die einzige weiterführende Schule im Ort handelt.
  • Ein modernes Abitur an den Gymnasien einführen. Die von CDU und FDP eingeführte generelle Schulzeitverkürzung am Gymnasium (G8) ist gescheitert. Unser Ziel ist, den Kindern wieder mehr Zeit zum Leben und Lernen zu geben. Dazu werden wir die Sekundarstufe I an Gymnasien wieder auf sechs Jahre verlängern. So reduzieren wir die Belastung der jüngeren Schülerinnen und Schüler und ermöglichen wieder einen qualifizierten mittleren Abschluss am Gymnasium. Durch eine Reform des gymnasialen Bildungsgangs führen wir die Wahlfreiheit für Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern ein. Sie entscheiden durch die Belegung von zusätzlichen Kursen in der Klasse 10, ob sie das Abitur nach 12 Jahren machen wollen oder sich alternativ durch ein zusätzliches Orientierungs- und Vertiefungsjahr 13 Jahre Zeit lassen wollen. Unser flexibles Modell ermöglicht jedem Schüler und jeder Schülerin einen individuellen Weg zum Abitur. Jedes Kind bekommt mit uns die Zeit, die es braucht.
  • Die Grundbildung und die Qualität von Schulen stärken. Im gesamten schulischen Bildungsverlauf werden wir der Sprachbildung, Sprachförderung und der Grundbildung eine hohe Priorität einräumen. Die digitale Grundbildung wird dabei in Zukunft selbstverständliches Mittel zur Aneignung unterschiedlichster Inhalte. Die Lernstanderhebungen müssen kritisch ausgewertet werden, um die Qualität von Schulen systematisch weiterzuentwickeln. Wo nötig, wollen wir die Schulen durch gezielte Qualitätsentwicklung unterstützen. Dazu ist es erforderlich, dass die Schulaufsicht entsprechend qualifiziert wird. Gezielte schulinterne Fortbildungen sind ein wesentliches und erfolgreiches Instrument zur Qualitätsentwicklung einer Schule. Diese wollen wir personell und sachlich weiterhin fördern und unterstützen. Die bestehenden ehrenamtlichen Projekte zur Leseförderung werden wir ausbauen und ein Landes­pro­gramm zur Verbesserung der Lesekompetenz auflegen. Um die Potenziale aller Schülerinnen und Schüler zu fördern, müssen sowohl diejenigen, die es aufgrund ihrer Herkunft schwer haben, als auch die besonders begabten Schülerinnen und Schüler, gesondert in den Blick genommen werden. Die Förderstunden im System wollen wir deshalb ausbauen. Wir unterstützen Programme zur Verhinderung von Schulabbrüchen und geben allen, die trotz vielfältiger Unterstützung den Abschluss nicht geschafft haben, neue außerschulische Chancen zum Abschluss. Die Verantwortung der öffentlichen Jugendhilfe für gelingende Bildungsbiografien wollen wir stärken.
  • Ein individuelles Schuleingangsalter prüfen. Dem individuellen Entwicklungsstand der Kinder soll auch beim Schuleingangsalter Rechnung getragen werden.
  • Für einen verlässlichen Offenen Ganztag (OGS) sorgen. Der hohe Zuspruch der Eltern zur Offenen Ganztagschule unterstreicht Bedarf und Attraktivität dieses Bildungs­angebotes gleichermaßen. Die Eltern in unserem Land können sich darauf verlassen, dass das Land auch weiterhin jeden zusätzlich beantragten Platz mitfinanzieren wird. Gleichzeitig wollen wir gemeinsam mit Schulen, Kommunen und Trägern den Offenen Ganztag qualitativ weiterentwickeln. Hierzu zählen auch die qualifizierte Aus- und Weiterbildung sowie die Durchsetzung des Prinzips der Guten Arbeit für alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir werden so für einen verlässlichen Offenen Ganztag mit der Möglichkeit des Wechsels zwischen Lern- und Ruhephasen sorgen. Bessere Fördermöglichkeiten für Schülerinnen und Schüler und die Verbesserung der Flexibilität der Angebote stehen dabei im Mittelpunkt.
  • Dafür sorgen, dass der digitale Wandel in unseren Schulen ankommt. Auf Grundlage unseres Leitbildes Lernen im Digitalen Wandel werden wir die Ausstattung der Schulen verbessern und die Aus- und Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer konsequent ausbauen und für einen ausreichenden Datenschutz sorgen. Unser Ziel: Zum Schuljahr 2021/2022 haben alle Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler jederzeit an jedem schulischen Ort einen pädagogischen Zugang zum Internet. Hier ist auch die Bundes­regierung gefordert, die ihrer gesamtstaatlichen Verantwortung nachkommen muss.
  • Für eine gelingende Inklusion und Integration sorgen. Wir bekennen uns zum Recht auf inklusive Beschulung. Um die schulische Inklusion zum Erfolg zu führen, brauchen wir mehr multiprofessionelle Teams, um den gezielten Einsatz von Doppelbesetzungen und Phasen der individuellen Förderung zu ermöglichen. Dazu gehören gleichermaßen Sonderpädagogen wie nichtlehrendes Personal aus der Schulsozialarbeit, der Schul­psychologie und der Integrationshilfe. Wir verfolgen den Prozess der Inklusion reflektiv weiter. Wir setzen uns dafür ein, Schulen und Kommunen alle Möglichkeiten aufzu­zeigen, die dem jeweiligen Kind einen guten Lernort ermöglichen. Für die Integrations­hilfe gilt es, Poollösungen rechtlich abzusichern. Für Jugendliche mit besonders großen Lern- und Verhaltensproblemen werden wir gezielte Unterstützungsstrukturen auch im Verbund mit der Jugendhilfe aufbauen. Wir werden die Schulen weiterhin angemessen bei ihrer wichtigen Aufgabe der Integration von Zuwanderern unterstützen. Die Bildung von Sprachfördergruppen bleibt notwendiges Mittel, um ein intensives Erlernen der deutschen Sprache zu gewährleisten. Deshalb wollen wir auch die Angebote des Unterrichts in der natürlichen Muttersprache an den Schulen wo möglich ausbauen. Wir stehen zu der Vereinbarung mit den kommunalen Spitzenverbänden, die Finanzierung der schulischen Inklusion laufend zu überprüfen und gegebenenfalls nachzusteuern.
  • An den Schulen die Grundlage für Demokratie, Weltoffenheit und Toleranz legen. Schulen sollen Häuser der Demokratie sein. Wir werden deshalb den Politik- und Geschichtsunterricht wieder stärken und die Arbeit der Schülervertretungen weiter fördern. Auslandsaufenthalte von Schülerinnen und Schülern wollen wir fördern und uns dafür einsetzen, dass die im Rahmen von Erasmus+ vorhandenen Programme künftig von noch mehr Schülerinnen und Schülern weiterführender Schulen genutzt werden können. Und mit uns ist klar, dass die gesellschaftliche Vielfalt unseres Landes auch in Abbildungen in Schulbüchern (inkl. LSBTIQ* Lebensformen) kein Tabu bleibt. Bei Aus- und Weiterbildung des Fachpersonals in Schulen – wie auch in Kindertageseinrichtungen und der Jugendhilfe – werden wir uns für einen sensiblen Umgang mit sexueller Vielfalt und Diversität einsetzen.

Wir stärken die berufliche Bildung.

Kein Jugendlicher darf von der Schule in die Arbeitslosigkeit geschickt werden. Wir wollen für alle jungen Menschen, die eine Ausbildung beginnen wollen, einen Platz sicherstellen. Unser duales System der beruflichen Bildung bietet Auszubildenden beste Bildungschancen, gute Ausbildungsbedingungen und damit die Chance für die Teilhabe an der Gesellschaft und eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Und es sichert den Unternehmen hochqualifizierte Beschäftigte. Dieses System werden wir stärken.

Die Übergänge zwischen Schule und Ausbildung verbessern wir durch unser Landesprogramm Kein Abschluss ohne Anschluss. Es sorgt für Beratungen schon an den Schulen, vermeidet unnötige Warteschleifen und hilft bei der Vermittlung von Ausbildungs- und Studienplätzen. Eine duale Berufsausbildung eröffnet große berufliche Chancen, die Eltern, Jugendlichen und Betrieben noch offensiver nähergebracht werden müssen. In unserer Fachkräfteinitiative werben wir gemeinsam mit Verbänden und Kammern für ihren Stellenwert und die Entwicklungschancen der dualen Berufsausbildung. Die duale Ausbildung wird zudem in vielen Betrieben durch das duale System ergänzt. „Master und Meister“ sind für uns kein Gegensatz.

Deutschland braucht für seine wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung möglichst viele gut ausgebildete Menschen. Deshalb werden wir dafür sorgen, dass alle jungen Menschen ohne entsprechende Abschlüsse, auch Geflüchtete, ihrem Qualifikationsniveau entsprechend aus- und fortgebildet werden und damit Einstiegsmöglichkeiten in den deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Dabei spielt der sichere Umgang mit der deutschen Sprache eine entscheidende Rolle.

Durch die Vermittlung (nicht nur) beruflicher Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten stellen die Berufskollegs die Brücke zur Erwerbstätigkeit dar und leisten gerade bei Geringqualifizierten eine umfangreiche Integrationsarbeit. Für die Integration junger Geflüchteter haben wir uns erfolgreich  für ein Aufenthaltsrecht für die Dauer der Ausbildung und zwei Jahre Beschäftigungszeit nach der Ausbildung eingesetzt.

Wir werden deshalb:

  • Jedem jungen Menschen, der einen Ausbildungsplatz will, ein Angebot machen. Unser erfolgreiches Landesprogramm Kein Abschluss ohne Anschluss werden wir fortsetzen und für Jugendliche und junge Erwachsene ohne Schulabschluss das Recht auf eine zweite Chance auch über das 18. Lebensjahr hinaus sicherstellen. Darüber hinaus bedarf es einer bundesweiten Ausbildungsgarantie. Von Gewerkschaften und Arbeitgeber­verbänden getragene, von Betrieben finanzierte, branchenbezogene Ausbildungsfonds können dabei das Angebot betrieblicher Ausbildungsplätze erhöhen. Die Ausweitung flexibler Zugänge zur Ausbildung durch das Konzept der zertifizierten Teilqualifizierungen wollen wir gemeinsam mit den Partnern in NRW weiter vorantreiben. Dies ermöglicht formal gering qualifizierten Menschen, einen vollen Berufsabschluss in mehreren Schritten zu erwerben. Für Jugendliche, die nach Verlassen der allgemeinbildenden Schule keinen Ausbildungsplatz bekommen, werden wir niedrigschwellige Förderangebote wie die Produktionsschulen, in denen berufliches Lernen und praktische Arbeit Hand in Hand gehen, zur Verfügung stellen.
  • Die Attraktivität der beruflichen Ausbildung erhöhen. Wir wollen für einen stärkeren Praxisbezug des Abiturs an Berufskollegs sorgen, um die Übergangsquote von Jugendlichen in die Ausbildung zu erhöhen. Wir wollen zudem die Kooperation unterschiedlicher Bildungsinstitutionen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels in Modellregionen fördern. Um dem Lehrkräftemangel wirksam zu begegnen, brauchen wir eine engere regionale Zusammenarbeit zwischen Berufskollegs und anderen Bildungseinrichtungen. Vor diesem Hintergrund wollen wir auch prüfen, ob freiwillige, regionale Verbünde der beruflichen Bildung ein sinnvolles Kooperationsformat sein können, um Berufskollegs in ihre Flexibilität und Selbstständigkeit zu stärken. Wir wollen dort Anreize setzen, wo Fachkräfte dringend benötigt werden – wie beispielsweise in der Altenpflege. Dies kann etwa durch die Umwandlung von unbezahlter Ausbildung in bezahlte duale Ausbildung geschehen. Die Möglichkeiten des dualen Studiums werden ebenfalls immer attraktiver und zahlreicher. Wir werden daher eine Evaluation des dualen Studiums durchführen, um die Studierbarkeit und Qualität der Abschlüsse weiter zu gewährleisten und einer starken Ausdifferenzierung des Studienangebotes entgegenzuwirken. Im Bund setzen wir uns dafür ein, dass es zu einer umfassenden Modernisierung des Berufsbildungsgesetzes kommt, das die Auszubildenden stärkt und Praktikantinnen und Praktikanten sowie Dual-Studierende in das Gesetz einbezieht.
  • Die soziale Lage von Auszubildenden verbessern. Wer die Ausbildung attraktiver gestalten will, muss die soziale Lage von Auszubildenden verbessern. Wir werden deshalb darauf drängen, dass die Verkehrsverbünde ein vergünstigtes Ticket für Azubis – gemeinsam mit Arbeitgebern und Arbeitnehmern und analog zum Semesterticket – anbieten und für die Schaffung von günstigem Wohnraum für Auszubildende (beispielsweise auch in Wohnheimen) sorgen. Wir werden uns im Bund für die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung und für eine Ankündigungsfrist bei beabsichtigter Nichtübernahme nach der Ausbildung stark machen. Damit erhöhen wir für Auszubildende die Planbarkeit. Insbesondere für junge Mütter und Väter wollen wir für eine verstärkte Förderung von Teilzeitberufsausbildung eintreten. Hierzu werden wir im Land unsere erfolgreichen Projekte fortsetzen und, wo nötig, ausweiten. Im Bund werden wir uns für flankierende Maßnahmen, insbesondere im Hinblick auf die Ausbildungsfinanzierung, einsetzen.
  • Unsere Berufskollegs fit für die Digitalisierung machen. Entsprechend den digitalen Anforderungen, denen schon Auszubildende im Betrieb begegnen, werden wir die Berufskollegs adäquat technisch ausrüsten und die Bildungspläne der jeweiligen Ausbildungsberufe entsprechend regeln. Dabei können regionale Lernfabriken als ein fachlich ergänzender außerschulischer Ausbildungsort dienen.
  • Demokratie und Toleranz fördern. Wir werden den Anspruch auf Bildungsurlaub für Auszubildende auf fünf Tage pro Jahr ausweiten und eine grundsätzliche Gleichstellung mit dem NRW-Bildungsurlaub aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer prüfen. Auch werden wir uns dafür einsetzen, dass die gesellschaftliche Vielfalt von NRW als Perspektive in der Ausbildung von sozialen, pädagogischen und bildenden Berufen (z. B. Jugendhilfe, Altenpflege, Schule) etabliert wird.

Wir schaffen beste Bedingungen für ein erfolgreiches Studium.

Gutes Studieren ist mit uns keine Frage des Geldes. Volle Chancengleichheit beim Zugang zum Studium und beste Studienbedingungen dürfen kein Gegensatz sein. Wir setzen auf Gebührenfreiheit, hohe Qualität und beste Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium. Das ist unser Erfolgsrezept.

Wir wissen: Betriebliche und akademische Bildung ergänzen sich gegenseitig und die weitere Verzahnung wollen wir fördern. Wir wollen auch im Hinblick auf das Studium alle Talente erkennen und fördern. Dazu brauchen wir noch mehr Durchlässigkeit zwischen den Schulformen, die Erweiterung der Möglichkeiten, welche Studienfächer mit vorheriger Aus­bildung und Berufserfahrung studiert werden können und den Abbau von finanziellen Hürden. Studiengebühren bleiben deshalb in NRW abgeschafft. Die Studierendenwerke in NRW bleiben unverzichtbare Partner, insbesondere für studentisches Wohnen, Studien­finanzierung, KiTas und die Verpflegung der Studierenden. Wir werden uns dafür einsetzen, dass günstiger Wohnraum für Studierende auch zukünftig einen wichtigen Platz in der sozialen Wohnraumförderung einnimmt.

Mit dem Hochschulzukunftsgesetz haben wir einen guten Rahmen für ein erfolgreiches Studieren gesetzt. Gleichzeitig erhöhen wir die öffentliche Verantwortung und Transparenz, sorgen für mehr Demokratie in den Gremien und für Gute Arbeit. Unsere Programme Talentscout und Erfolgreich Studieren begleiten vor allem diejenigen, denen das Studium nicht direkt in die Wiege gelegt wurde.

Wir sorgen dafür, dass die Infrastruktur stimmt: Bis 2020 werden wir insgesamt über fünf Milliarden Euro in die Hochschulen und Unikliniken investiert haben. Das Hochschulbau-Konsolidierungsprogramm und das Sanierungs- und Modernisierungsprogramm für Universitätskliniken sorgen für die verlässliche Umsetzung vor Ort.

Wir werden auch darüber hinaus weiterhin für eine gute Finanzierungsgrundlage für unsere Hochschulen sorgen, denn gute Studien- und exzellente Forschungsbedingungen bedürfen einer verlässlichen und dauerhaften Grundfinanzierung der Hochschulen. Mit der Hochschulvereinbarung NRW 2021 haben wir die finanziellen Rahmenbedingungen  bereits deutlich verstetigt und dauerhaft verbessert. Zusätzliche Planungssicherheit schafft auch die Möglichkeit, den Anteil befristeter Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen weiter zurückzudrängen.

NRW ist heute das Mitbestimmungsland Nr. 1 und steht bundesweit für das Thema Gute Arbeit an Hochschulen. Dies wird zum Standortvorteil für die Hochschulen in NRW bei der Gewinnung von qualifiziertem Personal. Auch das haben wir mit dem Hochschul­zukunftsgesetz erreicht.

Wir werden deshalb:

  • Investitionen in die Hochschulbildung auf hohem Niveau verstetigen. Wir werden unsere Ausgaben für die Hochschulen auf hohem Niveau halten und sicherstellen, dass die hierzu zur Verfügung stehenden Bundesmittel vollständig abgerufen werden können. Die Programmfinanzierungen wollen wir hin zu einer beständigen und verlässlichen Finanzierung durch den Bund – auch in Bezug auf die Grundfinanzierung – verstetigen und eine neue Finanzarchitektur zwischen Bund und Ländern schaffen. Ebenso werden wir unsere Anstrengungen im Bereich Infrastruktur fortsetzen und die Mittel dafür bereitstellen, den baulichen und technischen Zustand der NRW-Hochschulen weiter zu modernisieren. Und wir werden weiterhin dafür werben, dass sich der Bund und andere Länder intensiver an der Finanzierung der FernUniversität Hagen beteiligen.
  • Die Studierbarkeit an unseren Hochschulen verbessern. In jeder Region des Landes werden wir Talentscouts für die berufliche und akademische Ausbildung etablieren und unser Programm Erfolgreich Studieren fortsetzen und, wo möglich, ausbauen. Die gezielte Gestaltung der Studieneingangsphase und wirksame Maßnahmen gegen den Studienabbruch sind notwendig, um ein erfolgreiches Studium zu fördern. Im Dialog mit den Hochschulen werden wir darauf hinwirken und sie dabei unterstützen. Wir wollen die Hochschulen ebenso ermutigen, die Möglichkeiten von individuellen Regelstudien­zeiten stärker zu nutzen, Teilzeitstudiengänge weiter auszubauen sowie den Erfolgsfaktor eines aktiven Diversity-Managements weiter zu stärken. Insbesondere für junge Eltern werden wir die Hochschulen anregen, flächendeckend bestehende Möglichkeiten und Ausnahmeregelungen zur Unterstützung von Studierenden mit Kind umzusetzen und werden – wenn nötig – weitere Verbesserungen auf den Weg bringen. Zudem werden wir Kindertagesstätten und weitere Angebote, die das Studieren mit Kind erleichtern, an den Hochschulen in Kooperation mit den Studierendenwerken ausbauen.
  • Die notwendige Neuordnung der Akkreditierung gestalten. Dabei werden wir unter anderem darauf achten, dass die Studierbarkeit von Studiengängen im Vordergrund steht, dass es kein zu ausdifferenziertes Studiengangangebot gibt, welches Vergleichbarkeit und die gegenseitige Anerkennung verhindert, und dass es ein wissen­schaftsgeleitetes Verfahren gibt. Insgesamt müssen die Mobilität von Studierenden und die Möglichkeiten der gegenseitigen Anerkennung von Studienleistungen verbessert werden.
  • Gute Lehre besser fördern. Eine hervorragende Lehre ist eine wesentliche Voraus­setzung für ein erfolgreiches Studium. Wir wollen deshalb, dass gute Lehre in Zukunft stärker gefördert wird und die Hochschulen das Lehrpersonal in der Breite zu guter Lehre anregen können. Herausragende Beispiele sollen zukünftig ausgezeichnet und als vorbildliche Lehre verbreitet werden. Wir wollen zudem, dass gute Lehre auch zu guten Karriereperspektiven führt. Außerdem werden wir mit den Fachhochschulen die Möglichkeiten für die Reduzierung des Lehrdeputats umsetzen, auf Praxistauglichkeit prüfen und gegebenenfalls anpassen. Die Chancen der Digitalisierung im Bereich Lehre wollen wir nutzen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Digitale Hochschule NRW.
  • Für ein ausreichendes Masterplatzangebot sorgen. Wir wollen die Akzeptanz des Bachelors erhöhen und so mehr Absolventinnen und Absolventen den Weg in den Beruf ermöglichen und gleichzeitig Masterstudienplätze weiter ausbauen.
  • Finanzielle Hürden für die Aufnahme eines Studiums senken. Mit uns ist klar: Wir lehnen weiterhin jegliche Form von Studiengebühren für die Hochschulen in NRW ab. Gegenüber dem Bund setzen wir uns dafür ein, dass das BAföG weiterhin bedarfsgerecht angepasst und dynamisiert wird. Zudem machen wir uns für die weitere Flexibilisierung des BAföG stark: Die Gruppe der Bezugsberechtigten muss erweitert werden, und wir brauchen tragfähige Lösungen für Menschen, die sich im Übergang zwischen zwei Studiengängen befinden oder beispielsweise in Teilzeit studieren.
  • Den Rahmen für Gute Arbeit an den Hochschulen setzen. Auf der Grundlage des Rahmenkodex Gute Beschäftigungsbedingungen für das Hochschulpersonal geben wir mehr Planungssicherheit. Das Thema Gute Arbeit an Hochschulen werden wir weiter vorantreiben und treten so dafür ein, dass befristete Beschäftigung und sehr kurze Verträge an unseren Hochschulen eingedämmt werden. Wir werden uns in diesem Zusammenhang auf Bundesebene auch für weitere Verbesserungen des Wissen­schaftszeitvertragsgesetzes einsetzen. Wir werden nach den Prinzipien der Guten Arbeit auch gesetzliche und untergesetzliche Maßnahmen ergreifen, um die Beschäfti­gungsbedingungen von Lehrbeauftragten an den Musikhochschulen des Landes zu verbessern. Wichtige Eckpunkte sind dabei die regelmäßige Anpassung der Vergütung an die Tarifentwicklung und die Einrichtung von Dauerstellen.
  • Für mehr Gleichstellung sorgen. Die Gleichstellung der Geschlechter an den Hoch­schulen werden wir weiter vorantreiben. Auch hier wollen wir alle Talente fördern. Ein Schwerpunkt wird dabei die Gleichstellung im Bereich der Medizin sein.
  • Demokratie und Selbstverwaltung stärken. Die akademische Selbstverwaltung werden wir weiterhin fördern und für eine angemessene Vertretung aller vier hochschulischen Gruppen in den Hochschulgremien sorgen. Wir stehen für die studentische Selbstver­waltung ein, die einen wichtigen Beitrag zur lebendigen Demokratie an unseren Hochschulen leistet.

Wir setzen auf lebensbegleitendes Lernen.

Unser Ziel ist die Förderung hochwertiger Angebote des lebensbegleitenden Lernens für alle, in jedem Umfeld und auf allen Bildungsstufen. Wir wollen damit die Chancen des Einzelnen auf Teilhabe an der Gesellschaft und auf ein selbstbestimmtes Leben verbessern und gleichzeitig den Zusammenhalt in der Gesellschaft stärken. Ausgrenzung wollen wir konsequent zurückzudrängen. Dies schließt den chancengleichen Zugang zu hochwertiger beruflicher Bildung und Weiterbildung ein.

Wir wollen flexible Bildungswege bereitstellen. Dazu zählen für uns auch die Abendreal­schulen und die Weiterbildungskollegs. Wir sorgen für die Anerkennung von Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die durch außerschulische und informelle Bildung erworben wurden. Auch bei der Integration von Geflüchteten spielt die Weiterbildung eine zentrale Rolle. Neben Maßnahmen für den Spracherwerb sind die Einrichtungen der Weiterbildung für Alphabetisierungsangebote, Integrationskurse und nachholende Schulabschlusskurse der Sekundarstufe I unverzichtbar.

Dank digitaler Medien wird Lehren und Lernen orts- und zeitunabhängiger, individuelle Lernvoraussetzungen können stärker berücksichtigt werden. Sowohl in den Inhalten als auch in den Lernformen stellt die Digitalisierung einen wesentlichen inhaltlichen Aspekt der Weiterbildung dar. In der Arbeitswelt entstehen neue Formen der Zusammenarbeit über die Grenzen von Organisation, Ort, Zeit und Fachbereich hinweg. Allen Menschen muss deshalb der Zugang zu digitaler Bildung und Information offenstehen.

Die insbesondere in den letzten Jahren deutlich gewachsene Verantwortungsrolle von Weiterbildung für die Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben, verlangt nach einer soliden und angemessenen Grundausstattung und Planungssicherheit. Die Stärkung der Volkshochschulen ist dabei ein wichtiger Aspekt, damit auch Erwachsene auf ein breites Bildungsangebot zurückgreifen können.

Wir werden deshalb:

  • Unsere finanziellen Anstrengungen für die Weiterbildung stärken. Die bereits erhöhten Mittel, die das Land für die Strukturen der Weiterbildung aufbringt, werden wir fortschreiben, den Konsolidierungsbeitrag komplett zurücknehmen und die Förderung an die allgemeine Gehaltsentwicklung anpassen.
  • Unser Weiterbildungssystem modernisieren. Das Weiterbildungsgesetz werden wir gezielt modernisieren und weiterentwickeln. Dabei werden wir die Aufgabenbereiche der Digitalisierung und der Arbeit mit bildungsfernen Menschen stärker in der Förderung abbilden. Um insbesondere bildungsferne Schichten besser zu erreichen, werden wir bei den Einrichtungen der gemeinwohlorientierten Weiterbildung eine Weiterbildungs­beratung ansiedeln, die die örtlichen Angebote erfasst und vernetzt sowie über das Instrument der aufsuchenden Beratung verfügt. Wir wollen Angebote entwickeln, die Alphabetisierung und Grundbildung dauerhaft und nachhaltig gemäß unseres Verständnisses einer breit gefassten Weiterbildung verankern.
  • Die Weiterbildung auf das digitale Zeitalter einstellen. Im Rahmen einer Digitalisierungsstrategie Weiterbildung werden wir die Bereitstellung der notwendigen Infrastruktur und neue Lernformen auf den Weg bringen. Die erfolgreiche Plattform Logineo NRW werden wir dazu weiterentwickeln.
  • Für Gute Arbeit in der Weiterbildung eintreten. Wir wollen eine bessere Bezahlung von freiberuflichen Weiterbildungslehrerinnen und -lehrern erreichen. Gemeinsam mit Kommunen, Gewerkschaften und Dozentenvertretungen werden wir prüfen, ob und wie ein System der sozialen Absicherung für Dozentinnen und Dozenten mit arbeitnehmer­ähnlicher Beschäftigung entwickelt werden kann.