Fundament stärken

„Parteien sind miefige Alt-Herren-Vereine, die sich nur im Wahlkampf für die Bürger interessieren!“ Das ist kein seltener Vorwurf. Und manchmal trifft er sogar zu. Aber um diesen Vorwurf erst gar nicht aufkommen zu lassen, hat die NRWSPD in dem Projekt „Fundament stärken!“ zwei Jahre lang akribisch analysiert, wo ihre Schwächen und wo ihre Stärken liegen und wie sie sich für die Zukunft am besten aufstellt.

Eigentlich ist die Idee ziemlich simpel: Die SPD steht an jedem ersten Samstag der Sommermonate mit einem Waffelstand auf dem Marktplatz in Lüdenscheid. Das klingt nicht gerade nach einem Format, das den Kontakt von Politikern zu Bürgern revolutioniert. Und dennoch hat es das Verhältnis der SPD zu den Lüdenscheidern grundlegend verändert. „Wir haben uns nach der Landtagswahl 2010 gefragt, wie wir auch außerhalb des Wahlkampfes Präsenz zeigen können“, sagt Gorden Dudas. Deswegen führte er damals als frisch gewählter Landtagsabgeordneter den Waffelstand ein. Seitdem ist er weniger ein Infostand, sondern viel mehr ein Treffpunkt für alle Bürger geworden. Der Stand ist mittlerweile eine feste Institution und jeder Bürger weiß, wann und wo er mit der SPD in Kontakt kommen kann. Den Vorwurf, die Partei gehe erst auf die Leute zu, wenn eine Wahl ansteht, macht der SPD hier keiner.

Dabei ist genau das einer der häufigsten Vorwürfe, die sich Politiker gefallen lassen müssen. Dass der Vorwurf wahrscheinlich so alt ist wie die Bundesrepublik, macht es nicht besser. Denn leider stimmt er in einzelnen Fällen. Gleichzeitig verändert sich die Gesellschaft rasant und Politiker und Bürger scheinen sich immer weiter zu entfernen. Laut einer repräsentativen Umfrage der Universität Hohenheim glauben 71 Prozent der Menschen nicht, dass die politischen Volksvertreter sich für ihre Interessen als Bürger einsetzen. Das zeigt sich auch in der niedrigen Wahlbeteiligung.

„Als SPD können wir diese Entwicklung nicht hinnehmen“, sagt André Stinka, der Generalsekretär der NRWSPD. Wenn sich die Gesellschaft so radikal ändert, müsse eine Partei wie die SPD darauf reagieren. „Nur hilft uns da keine neue Debatte über Positionen und Inhalte“, erklärt Stinka, „sondern wir müssen schauen, wie wir unsere Positionen und Inhalte besser verkauft bekommen“. Dieser Prozess hat 2014 ergebnisoffen unter dem Namen „Fundament stärken!“ begonnen. In der Wirtschaft würde man wohl von Prozessoptimierung sprechen. In 20 Teilprojekten hat die NRWSPD untersucht, wo die Stärken und die Schwächen der Partei liegen, was verbessert werden muss und wie man das angeht. Manche Teilprojekte untersuchten, wie man mehr Frauen in die Partei bekommt, andere wie der Kontakt zu den Bürgern verbessert werden kann und wieder andere, wie man die ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit verbessern kann.

Klaus Wiesehügel, Projektbeauftragter „Wir kommen hin.“

Eines der Teilprojekte war „Wir kommen hin“. Dafür sind Klaus Wiesehügel und Zahid Butt durchs Land gereist und haben 21 Aktionen von SPD-Verbänden besucht. Vom klassischen Infostand über Podiumsdiskussionen, bis hin zu Hausbesuchen waren alle möglichen Aktionen dabei, die den Kontakt zum Bürger herstellen sollen. „Am Anfang stand aber die Frage, wie aus Begegnungen mit Bürgern echte Bindungen entstehen“, erklärt Zahid Butt, „und da waren ein paar der Aktionen erfolgreicher, als andere“. Der Waffelstand in Lüdenscheid ist so eine Aktion. Wiesehügel und Butt haben untersucht, was genau die erfolgreichen von den weniger erfolgreichen Aktionen unterschied. Herausgekommen sind vier Kriterien, die alle positiven Beispiele erfüllten. Sie waren alle sehr gut geplant, wurden wiederholt und fanden kontinuierlich statt, hatten eine zur Aktion passende Atomsphäre und es wurde versucht den Kontakt zu den Menschen zu halten. Aus diesen Erkenntnissen wurde ein Kriterienkatalog erarbeitet, der helfen soll erfolgreiche Dialogformate zu planen. Plant beispielsweise ein Ortsverein eine Veranstaltung, gibt es nun einen Fahrplan, der bei der Organisation hilft.

Thorsten Klute, Mitgliederbeauftragter im SPD-Landesvorstand

Ein anderes Teilprojekt ist der Frage nachgegangen, wie man mehr Menschen dazu bekommt in die SPD einzutreten. Dafür hat der Mitgliederbeauftragte der NRWSPD, Thorsten Klute, die Ortsvereine besucht, die neue Mitglieder gewinnen konnten, während die SPD seit Jahren Mitglieder verliert. Auch hier hat sich bei den verschiedenen Ortsvereinen Muster ergeben. So konnten oft lokale Themen die Leute begeistern und ein starkes Miteinander die Menschen anziehen.

„Aktionen wie der Waffelstand in Lüdenscheid laufen seit Jahren sehr erfolgreich, ohne, dass jemand im Rest der Partei da groß Notiz von nimmt“, sagt Stinka, „aber durch den Prozess ‘Fundament stärken!’ schauen wir uns genau solche Projekte an und lernen daraus.“ Der Name des Projekts zeige, welchen Stellenwert es in der Partei habe, so der Generalsekretär. Es ginge um nicht weniger, als die Verankerung der NRWSPD in der Gesellschaft.

Viele Teilprojekte sind bereits abgeschlossen, oder stehen kurz davor. Bei einigen wird auch überlegt, ob es sinnvoll ist Folgeprojekte anzuschließen, um die Themen noch zu vertiefen. Aber so herausfordernd das Projekt „Fundament stärken!“ auch ist, steht der eigentliche Kraftakt noch bevor. Denn nun müssen die vielen nützlichen Ergebnisse und Erkenntnisse in den Regelbetrieb überführt werden.

Downloads

„Fundament stärken“ – Impulse für eine zukunftsgerechte SPD (Broschüre als PDF)

„Fundament stärken!“ – Zwischenbilanz 2016 (Broschüre als PDF)