Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus: über Rolf Abrahamsohn

Rolf Abrahamsohn war 13 Jahre alt, als er und seine Familie von Soldaten Hitlers aus Marl vertrieben wurden – in ein sogenanntes Judenhaus nach Recklinghausen. Er war 14, als er das erste Mal Zwangsarbeit leisten musste. Mit 16, wurde er mit seiner Mutter nach Riga ins KZ Kaiserwald deportiert. Sie starb dort.

Abrahamsohn überlebte die anschließende Deportation in das KZ Stutthof nach Danzig und auch die Zwangsarbeit im KZ-Außenkommando Brüllstraße in Bochum, wo er zur Rüstungsproduktion und Bombenräumung gezwungen wurde – in einem Krieg, der gegen ihn geführt wurde.

Befreit wurde er 1945 zum Ende des Kriegs im KZ Theresienstadt. Da war Rolf Abrahamsohn 20 Jahre alt. Die wichtigsten Jahre seines Lebens bis dahin hatten ihm Nationalsozialisten gewaltsam geraubt.

Trotzdem kehrte er nach Marl zurück, wollte überlebende Verwandte finden. Der Krieg und die Gräueltaten der Nazis hatten niemanden übrig gelassen.

Aber aufgeben war nichts für Abrahamsohn, der die Terrorherrschaft der Nationalsozialisten überlebte. Er baute in Marl das Geschäft wieder auf, das seinem Vater 1938 genommen wurde. Abrahamsohn wurde erfolgreicher Unternehmer.

Der KZ-Überlebende wollte immer, dass seine Geschichte erzählt wird. Und er wollte sie selber erzählen. Vierzehn Jahre lang war er Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Recklinghausen-Bochum, die er selbst mit aufbaute. Er war aktiv in der christilich-jüdischen Verständigung. Besonders wichtig war ihm der Kontakt zu jungen Menschen. Er berichtete als Zeitzeuge in Schulen über die Erfahrungen, die er als Jude in Deutschland machte. Denn nur erinnern und aufklären verhindert, dass das, was ihm angetan wurde, wieder passiert.

Rolf Abrahamsohn wurde 96 Jahre alt. Er verstarb im vergangenen Dezember. Am heutigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus wollen wir an ihn erinnern und seine Worte achten. Deshalb heißt es heute: Nie wieder!