Von Berlin bis in den Stadtteil – Eindrücke der SPD-Mitglieder zum Bundestagswahlkampf

Die Sonne scheint, es gibt Kaffee und Kuchen. Mitten in der Gartensiedlung in Köln-Bickendorf geht es am Mittwoch um soziale Wohnungspolitik und faire Mieten. Themen des Alltags, am Mittwoch jedoch mit einem besonderen Gast, denn Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat sich angekündigt. Locker und trotzdem gewohnt sachlich antwortet er auf die Fragen der Moderatorin Katrin Bucher. Wohnen ist eines seiner zentralen Themen und dieser Wahlkampfauftritt ist einer von vielen, an den Trubel hat er sich längst gewöhnt.

„Olaf ist ein gutes Vorbild“

Aufgeregter ist da zum Beispiel Udo Hanselmann (63), der Vorsitzende des Ortsvereins Bickendorf. Der Bundestagswahlkampf sei für ihn vor allem anstrengend gewesen, schließlich habe er als Vorsitzender den Wahlkampf vor Ort organisiert. Mit dem Ablauf des heutigen Tages sei er sehr zufrieden, er habe sich immer auf seine Ortsverbandsmitglieder verlassen können. Dazu gehört zum Beispiel Lukas Wenz, der mit seinen 16 Jahren das jüngste Mitglied ist. Für den Verlauf des Bundestagswahlkampfs findet er klare Worte: „Beim Pressewahlkampf ging es mir zu wenig um Inhalte, sondern zu Anfang viel um Fehler. Man sollte sich beim nächsten Wahlkampf mehr auf Inhalte konzentrieren, das würde ich mir wünschen. Im Straßenwahlkampf haben wir viele interessante Diskussionen geführt, das hat mich sehr gefreut. Die Bürgerinnen und Bürger hatten viele Fragen, die konnten wir beantworten und zum Glück auch einige überzeugen.“ Für die nächste Wahl wünscht er sich vor allem, dass auch Unter-18-Jährige wählen dürfen.

Ein paar Meter weiter stehen Hedda Körner (74) und Martin Brennek (67) an einen Stehtisch gelehnt. Zum Bundestagswahlkampf erklärt Martin schmunzelnd: „Etwas ruhig war er schon. Wir kommen nämlich gerade aus dem Urlaub zurück. Ich denke aber, er ist ganz fair gelaufen. Ganz scharfe Angriffe gab es nicht.“ Hedda unterbricht ihn: „Das liegt natürlich an Olaf Scholz. Der ist ruhig und bleibt sachlich, das finde ich total gut.“ Das wiederum findet Zustimmung bei Martin: „Wenn andere so auf die Sahne hauen, kommt das nicht gut an. Er ist ein gutes Vorbild, das muss ich schon sagen.“ In Hedda hat Olaf Scholz einen echten Fan gefunden: „Weil Olaf Scholz unheimlich sachlich ist. Man muss jemanden haben, der die Politik sachlich rüberbringt. Er ist auch auf internationaler Ebene bekannt. Es ist schon wichtig, dass man Funktionen gehabt hat in der Politik, da lernt man was. Natürlich sollen Jüngere nachkommen, ist ja klar und vor allem viele Frauen, das finde ich auch wichtig, aber man muss auch ein bisschen Ahnung haben.“ Martin bleibt da etwas nüchterner. Auf die Frage, welche Themen ihm besonders am Herzen lägen, antwortet er: „Vor vier Jahren hieß es ganz groß Gerechtigkeit und ich denke, dass das immer noch gilt. Dafür steht die SPD.“

Von Klimaschutz und Wahlkampfschmutz

Gerechtigkeit ist auch ein zentraler Punkt für Anton (19) und Sana (20), die am Abend Olaf Scholz‘ Auftritt auf dem Bonner Münsterplatz lauschen. Anton schätzt am diesjährigen Wahlkampf vor allem, dass man sich wieder sehen und treffen könne. Die Kombination aus digitalen Angeboten und solchen des Straßenwahlkampfes sei der SPD mit Abstand am besten gelungen. Sana stimmt ihm zu: „Ich finde, es ist dieses Jahr echt gut gelaufen. Die Zustimmung ist deutlich höher und dadurch ist es leichter mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Wo früher mehr Pöbeleien waren, ist es jetzt deutlich positiver.“ Auch was die Motivation angeht, sich im Wahlkampf zu engagieren, ergänzen sich die beiden gut: Die CDU gehöre nach 16 Jahren endlich in die Opposition, stattdessen bräuchte es eine Koalition aus SPD und Grünen: „Die SPD ist eine gute Alternative zu den Grünen, was soziale Themen angeht.“, bekräftigt Sana.

Als ähnlich erfolgreich betrachtet auch Jim (18) den lokalen Wahlkampf: „Das ist mein dritter Wahlkampf und ich habe die Stimmung lokal als sehr positiv wahrgenommen. Durch den Aufschwung hat man erstens mehr Bock Straßenwahlkampf zu machen und zweitens konnte man mit Passanten auch oft konstruktivere Gespräche führen.“ Sein Kumpel David (19) widerspricht ihm: „Es ist sehr, sehr viel Schmutz geworfen worden, vor allem – so habe ich es wahrgenommen – von der CDU. Ich bin froh, dass sich die SPD aus diesem Dreckgeschmeiße weitestgehend rausgehalten hat. Aber ich hätte mir mehr fundamentale Diskussionen gewünscht.“ Der 16-jährige Emil neben ihm nickt, auch er hätte sich mehr inhaltliche Debatten gewünscht. „In Zukunft müssen wir uns mehr auf Lösungsansätze konzentrieren und weniger darauf, was wir an den Gegnern schlecht finden“, erklärt er. Wenn es nach ihm ginge, läge der inhaltliche Fokus der Bundespolitik auf der EU, schließlich sei der europäische Zusammenhalt von größter Bedeutung. Den anderen beiden liegt vor allem der Klimaschutz am Herzen: „Klimaschutz steht für mich an erster Stelle und das sollte bei jedem so sein. Natürlich sind unsere Ziele da ausbaufähig, aber vor allem sind sie realistisch und das finde ich gut.“, erklärt Jim.

In diesem Moment stoppt die Musik und Juso-Vorsitzende und Bundestagskandidatin Jessica Rosenthal kündigt Olaf Scholz auf der Bühne an. Die drei jungen Männer schauen wie gebannt hinauf. Es ist einer der letzten Auftritte in diesem Wahlkampf und mindestens Bonn ist völlig begeistert.