Die SPD im Kampf gegen die leere Lehrstelle

Eine aktuelle Statistik der Agentur für Arbeit zeigt auf: Seit Jahren bleiben immer mehr Ausbildungsplätze unbesetzt. Die Frage muss also lauten: Wie können wir Ausbildungen wieder attraktiver gestalten? Auch um diese Frage ging es auch am Donnerstag, als NRWSPD-Vorsitzender Thomas Kutschaty und Nadja Lüders, Generalsekretärin des nordrhein-westfälischen SPD-Landesverbands, mit den Bundestagsabgeordneten Oliver Kaczmarek (Unna I), Sabine Poschmann (Dortmund I) und Jens Peick (Dortmund II) sowie mit den Landtagsabgeordneten aus Unna und Dortmund im Rahmen seiner Sommertour unterwegs war.

Der Tag beginnt früh morgens auf dem Dortmunder Wochenmarkt am Hansaplatz zwischen Honiggläsern und Waffeleisen. Im Gespräch mit den Markthändler*innen wird schnell klar, wo diese Handlungsbedarf sehen: Es gehe darum, den Markt lebenswerter und persönlicher zu gestalten, notwendig sei dafür eine gute Mischung aus Ständen, der Verkauf von lokalen Produkten und die Einrichtung von Nischen zum Verweilen. Thomas Kutschaty findet für diese Forderung klare Worte: „Gerade nach den langen Monaten der Pandemie müssen wir die Attraktivität unserer Innenstädte stärken. Nur wenn wir unsere Zentren zu Wohlfühl- und Freizeitorten weiterentwickeln, werden sie dauerhaft erfolgreich gegen den Onlinehandel konkurrieren könne. Hierbei sind Märkte Teil der Lösung“, so Kutschaty, der aus seiner Sicht klarmacht, woran es derzeit hapert: „Wir müssen den Städten und Gemeinden die notwendigen finanziellen Mittel für die Attraktivitätssteigerung zur Verfügung stellen. Die Bemühungen der Landesregierung reichen dafür nicht aus.“ Ein weiteres Anliegen der Händler*innen sind jedoch die Nachwuchssorgen, wie verschiedene Standbetreiber*innen auf Nachfrage von Thomas Kutschaty erklären. Abschreckend sei häufig der frühe Arbeitsbeginn, obwohl der Beruf ansonsten viele Freiheiten und gute Verdienstmöglichkeiten biete, wie ein Metzger des Wochenmarktes erläuterte.

Ausbildung am Hoch- und Backofen

Mit einem Mangel an Nachwuchskräften und Auszubildenden haben nicht nur die Dortmunder Markthändler*innen zu kämpfen: Bundesweit kommen auf einen interessierten jungen Menschen 1,2 Ausbildungsstellen, wie die Agentur für Arbeit für den Monat August 2021 berechnete. 60 dieser Ausbildungsplätze gibt es in einem Metallwerk in Unna. Ein Teil der Auszubildenden lernt in der großen Maschinenhalle an den Hochöfen, deren Hitze sich bis auf den mehrere Meter entfernten Steg des Besucherrundgangs schlägt. Der Betrieb, der noch weitere Standorte in NRW hat, produziert metallische Hochleistungswerkstoffe, wobei die entsprechende Legierung genau an die Bedürfnisse der weltweit ansässigen Kundschaft angepasst werden kann. Eine Legierung ist ein Metallgemisch aus mindestens zwei Metallen, meist Nickel und Stahl. Das Metallwerk ist auf diesem Gebiet Weltmarktführer: 98 Prozent der in Zündkerzen verbauten Drähte stammen beispielsweise aus dem Unnaer Werk. Die Förderung von Ausbildungen und Studiengängen hat sich der Betrieb auf die Fahne geschrieben: zehn verschiedene Berufe können Auszubildende dort erlernen. Die Suche nach Bewerber*innen werde trotzdem immer schwerer, berichtet der Konzernbetriebsrat. Deshalb habe man spezielle Berufsberatungsangebote entwickelt, mithilfe derer sich junge Menschen bezüglich ihrer Berufswahl vergewissern können.

 

Auch eine Bäckerei in Dortmund hat in den letzten Jahren versucht, ihre Ausbildungsplätze attraktiver zu gestalten. Zum einen seien die Arbeitszeiten flexibler und weniger belastend als weithin angenommen, wie Mitarbeitende gegenüber Kutschaty erklären. Zum anderen erhalten die Azubis bei der Bäckerei rund 400€ mehr, als es in der Branche üblich sei. Thomas Kutschaty lobt diese Bemühungen: „Familienbetriebe wie diese Bäckerei bereichern unsere Betriebswelt durch ihre Liebe zu Handwerk und Traditionen. Das Unternehmen wirkt zudem den Fachkräftemangel hervorragend entgegen, indem es mit mutigen Konzepten und finanzieller Wertschätzung um Auszubildende wirbt.“ Dafür, dass Auszubildende bundesweit einen fairen Lohn erhalten, hat die SPD in der Bundesregierung gesorgt: Zurzeit beträgt die Mindestausbildungsvergütung im ersten Lehrjahr 550€. Indem hierdurch eine untere Grenze für Verhandlungen festgelegt wird, kann den Auszubildenden, unabhängig von Beruf oder Region, ein finanzielles Mindestmaß an Wertschätzung geboten werden. Da Azubis bis dato nicht vom Mindestlohn erfasst wurden, schließt die Mindestausbildungsvergütung eine wichtige Lücke und soll den Auszubildenden eine faire Entlohnung für ihre Arbeit im Betrieb geben.

Die Erneuerung der Ausbildung

Trotzdem bleiben viele Lehrstellen unbesetzt. Das sei auch in einem Dortmunder Abschleppdienst der Fall, wie der Junior-Chef des Betriebs erzählt. Und das obwohl die Ausbildung zur Kraftfahrzeugmechatroniker*in laut Agentur für Arbeit der beliebteste Ausbildungsberuf ist. Der Betrieb ist einer der ersten, die sich auch mit dem Abschleppen von Elektroautos beschäftigen, für diese Spezialisierung müssten die Mitarbeitenden Fortbildungen machen. Kutschaty bekräftigt die Bedeutung dieses Engagements: „Elektromobilität ist zentraler Bestandteil der Verkehrswende und bringt zugleich neue Herausforderungen mit sich. Der von mir besuchte Abschleppdienst richtet sich mit speziellen Löschmitteln und Krankfahrzeugen auf die zunehmende Elektromobilität ein. Das Unternehmen ist somit gut für die Zukunft gewappnet und hat Vorbildcharakter für die ganze Branche.“

Für die SPD steht fest: Ausbildungen müssen wieder attraktiver werden. Kutschaty ist im regelmäßigen Austausch mit Arbeitgeber*innen, Gewerkschaften und natürlich den Auszubildenden, um Lösungsansätze zu entwickeln und die Ausbildung zu stärken. Das größte Problem der jungen Menschen ist die fehlende Sicherheit. Die SPD setzt sich deshalb für eine Ausbildungsplatzgarantie ein, die für eine gute Aufstellung von Stellen sorgen soll. Zu einem attraktiven Ausbildungsangebot gehört jedoch mehr als eine gute Stelle und ein gerechter Lohn: Die SPD kämpft darum auch für mehr bezahlbare Wohnheimplätze, die Tarifbindung für Stellen im Handwerk und die Abschaffung von Ausbildungs- und Schulungskosten – egal, ob in vollschulischen Ausbildungen wie zum Beispiel in der Pflege oder bei Meister- und Technikerschulungen.

Wir benötigen eine Aufwertung der Ausbildungsberufe – im Handwerk, wie auch in der Industrie und im Dienstleistungssektor. Thomas Kutschaty findet dafür klare Worte: „Wir müssen den jungen Menschen versichern können, dass eine Ausbildung ein guter Start in ein sicheres Berufsleben ist. Dafür benötigen wir die finanzielle Absicherung und die Garantie auf eine qualitativ gute Ausbildung. Vor allem aber geht es darum, ein gesellschaftliches Umdenken weg vom Studienzwang hin zu einer gleichwertigen Betrachtung aller Berufe und Berufsabschlüsse. Es geht um Respekt.“