Warum engagieren sich Menschen in der SPD? Zwei Genoss*innen erzählen

Vor Bundestagswahlen treten viele Menschen in die SPD ein. Was hat sie vor vier Jahren bewegt, sich für eine starke Sozialdemokratie zu engagieren? Was bewegt sie heute? Wir haben mit zwei von ihnen gesprochen.

Alicem Polat trat am Abend der Bundestagswahl 2017 in die SPD ein. Er wurde in Bergisch Gladbach geboren, wohnt heute in Köln. Bei seinem Eintritt ist er gerade 19. Es ist die erste Bundestagswahl, bei der er seine Stimme abgeben darf. In den Monaten davor beschäftigt er sich intensiv mit den Wahlprogrammen: Welche Visionen haben die Parteien? Was passt am besten zu mir?

Bei ihm zu Hause wurde oft und intensiv über die deutsche Politik diskutiert – vielleicht gerade, weil seine Eltern als türkische Staatsbürger selbst nicht wählen durften. Dadurch haben sie oft das Gefühl, nicht Teil des politischen Miteinanders sein zu können. „Sie hören uns, aber sie sehen uns nicht“. Auch darüber sprechen sie miteinander.

Am Tag vor der Entscheidung hört er Schulz auf dem Heumarkt zu. Seine Worte berühren ihn. Die Botschaft: Ein gerechteres Deutschland ist möglich. Das sieht er genauso. Unsere Gesellschaft ist in der Lage dazu. Auch das Erstarken der AfD braucht ein Gegenhalten. „Wenn wir nicht wollen, dass solche Gedanken wieder salonfähig werden, müssen wir etwas dagegen tun“, so Alicem. Also entscheidet er sich, nicht nur wählen zu gehen, sondern selbst aktiv die Politik mitzugestalten – im Ortsverein, bei den Jusos und seit diesem Jahr als stellvertretender Bezirksbürgermeister. Eine bessere Zukunft fängt vor der eigenen Haustür an.

Beate Wolff-Kaminski ist seit kurzem dabei. Mit ihrem Mann und ihrer Tochter lebt sie an der Nähe der niederländischen Grenze in Gronau-Epe. Sie ist Bibliotheksfachangestellte und arbeitet dort in einer Zweigstelle der städtischen Bücherei.

Warum sie mit 51 Jahren in die SPD eingetreten ist? Sie lacht. Sie hat jetzt mehr Zeit. Ihre Tochter ist mit 17 fast erwachsen und braucht sie jetzt nicht mehr so wie früher. Außerdem möchte sie ihre Heimat mitgestalten, nicht nur abwarten, sondern selbst aktiv werden. Warum die SPD? Die SPD in Gronau sei sehr aktiv, kümmere sich, versuche Dinge zu verbessern. Auch für die Jugendlichen, die dort wenig Freizeitmöglichkeiten haben. Die SPD unterstützt die Idee, eine Mountainbike-Strecke zu bauen. Außerdem mag sie die Menschen, die sich in Gronau bei der SPD engagieren. Das ist die richtige politische Heimat für sie.

Auch die Themen, für die die SPD eintritt, sind ihr wichtig. Alles werde teurer. Das müsse aufgefangen werden. Deshalb sei der Mindestlohn notwendig, genauso wie Mieten, die man sich auch leisten kann. Selbst auf dem Land würden die Mieten explodieren und auch dort könne man soziale Ungleichheit sehen. Sie freut sich auf ihr erstes persönliches Treffen mit dem Ortsverein. Es gibt viel zu tun.