28. Aschermittwoch mit Chuck Norris, Hüttchenspieler und AfDeppchen

Norbert Walter-Borjans steht am Rednerpult mit erhobener Hand. Im Hintergrund ein Aufsteller in Blau und Rot mit der Aufschrift Politischer Aschermittwoch und "Zuhause überzeugen". Dem Slogan der bevorstehenden Kommunalwahl in NRW

Eigentlich ist am Aschermittwoch alles vorbei. Zumindest wenn man den alten Karnevalsschlager oder die Jecken hört. Jedoch bei der NRWSPD geht es am Aschermittwoch nochmals so richtig ab: zum Politischen Aschermittwoch in Schwerte. Mit am Start waren diesmal SPD-Chef Norbert Walter-Borjans oder kurz NoWaBo, NRWSPD-Chef Sebastian Hartmann und der frisch gekürte OB-Kandidat für Hamm Marc Herter.

Alle drei heizten ihren Zuhörerinnen und Zuhörern mit klaren und ehrlichen Worten ein. NoWaBo resümierte nochmals über die Wahl in Hamburg, nannte das Ergebnis „grandios“. Und rief in den Saal: „Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen und Schwung daraus für die Kommunalwahl in NRW ziehen.“ Hamburg habe gezeigt, wie kommunaler Wahlkampf erfolgreich geführt werden könne: nah an den Themen der Menschen. Auch über die Schuldenlast der Städte und Gemeinden sprach er und forderte nochmals deren Entlastung. Wofür NoWaBo tosenden Beifall erhielt.

Politischer Aschermittwoch im Saal der Traditionsgaststätte "Freischütz" in Schwerte. Der Saal ist voll mit Menschen. Sie sitzen an langen Tafeln und schauen gebannt auf die Bühne und hören den Rednern zu.

Auch die Bundespolitik bekam an diesem Abend im „Freischütz“ ihr Fett von NoWaBo weg. Er geißelte die AfD als geistige Brandstifter: „Sie ist ein Fall für den Verfassungsschutz.“ Die Morde von Hanau waren ein „abscheuliches, rechtsterroristisches Verbrechen. Doch wir lassen uns unsere Freiheit nicht nehmen. Arsch hochkriegen und den Mund aufmachen“ sei jetzt angesagt, sagt NoWaBo nachdrücklich. Klare Worte fand er ebenfalls für CDU und FDP, insbesondere für FDP-Chef Christian Lindner: „Das ist der Chuck Norris der FDP, vor wenigen Wochen noch als selbsternannter Arbeiterführer unterwegs“. Und weiter: „Man kann sich im Kampf gegen rechts nicht auf sie verlassen. Wenn die Macht winkt, schmelzen die Bürgerlichen dahin wie Butter in der Sonne. Mit der Unterstützung von Faschisten regieren zu wollen wie in Thüringen, geht gar nicht.“ Und lobt zugleich seine Genossinnen und Genossen: „Wir aber wackeln nicht im Kampf gegen rechts.“ Seitenhiebe teilt er auch an Friedrich Merz, den „Highlander, der nur für sich unterwegs ist“ aus und Armin Laschet, den „zaudernden Hallodri und Hütchenspieler“. Laschets Regierungsbilanz „ist verheerend: Längere Staus, weniger Polizisten, weniger Lehrer, weniger Investitionen.

Auch Sebastian Hartmann thematisierte die Wahl in Thüringen. CDU und FDP hatten, ohne mit der Wimper zu zucken, einen Schulterschluss mit den Rechten geschlossen. Ausgerechnet mit der Thüringer AfD: „An deren Spitze steht ein ausgewiesener und gerichtlich bestätigter Faschist“ – nämlich Björn Höcke. Für Sebastian ist durch diese Wahl „das Vertrauen in CDU und FDP nachhaltig erschüttert“ worden. „Für uns hingegen gilt weiterhin: Mit den Rechten paktiert man nicht!“

Sebastian Hartmann steht am Rednerpult mit erhobener Hand. Im Hintergrund ein Aufsteller in Blau und Rot mit der Aufschrift Politischer Aschermittwoch und "Zuhause überzeugen". Dem Slogan der bevorstehenden Kommunalwahl in NRW

Der schwarz-gelben Landesregierung stellte Sebastian ein katastrophales Zwischenzeugnis aus und gab vorab schon zu Protokoll, dass eine Versetzung ausgeschlossen sei. Ob in Fächern wie Wohnen, Energiewende, Arbeit und Wirtschaft oder Bildung: Es hagelte Sechsen. Eine gute Note gab es nur zum Schluss: Im Fach Theater erhält Armin Laschet eine eins mit Sternchen für seinen glorreichen Auftritt im Neujahrstatort. „Mächtige Worte und ein klares Ziel, diese Seite kannten wir noch nicht und wenn er nach Berlin geht, werden wir sie auch nicht mehr erleben.“ Auch die Versetzung von Herbert Reul, Christina Schulze-Föcking und Peter Biesenbach schloss Sebastian aus. „Wir empfehlen: zurück ins letzte Schuljahr, zurück in die Opposition.“

Natürlich blickte Sebastian auch in die Zukunft: Skizzierte seine Idee vom starken Staat, mit gut bezahlter Arbeit, einem solidarischen Staat und einem Strukturwandel, der Arbeitsplätze sichert und das Klima schützt. Das sei nur durch vernünftige Investitionen möglich und durch die Entschuldung der Kommunen: „Ich sage sehr deutlich: Überschuldete Städte sind AfD-Förderprogramme und führen zur Abschaffung lokaler Handlungsspielräume.“

Alle Redner wurde mit tosendem Applaus und Standing Ovatings belohnt. Wie immer herrschte großer Andrang beim Politischen Aschermittwoch der SPD-Region Westliches Westfalen in Schwerte. Rund 620 Genossinnen und Genossen aus ganz Nordrhein-Westfalen kamen zum 28. Mal zu der großen Traditionsveranstaltung in den geschichtsträchtigen „Freischütz“. Hier wurde die SPD Westliches Westfalen nach dem zweiten Weltkrieg neu gegründet.

Hier einige Bildimpressionen des 28. Politischen Aschermittwochs 2020 in Schwerte bei Flickr.