AG Migration und Vielfalt: Forderung des Landesintegrationsrates ist nicht zu Ende gedacht

Zur Forderung des Landesintegrationsrates NRW, Englisch in der Grundschule vollständig abzuschaffen und stattdessen Sprachen zu lehren, die von den Kindern bereits im Alltag verwendet werden, erklärt Nadia Khalaf, Vorsitzende der AG Migration und Vielfalt in der NRWSPD:

„Die Initiative der Schulministerin Gebauer zur Abschaffung des Englischunterrichtes in den ersten beiden Schuljahren zu begrüßen und im Gegenzug die Einführung von Italienisch, Polnisch, Türkisch, Russisch oder weiteren Sprachen zu fordern, ist für mich nicht nachvollziehbar. Die Argumentationsweise des Landesintegrationsrates hinkt leider an der einen oder anderen Stelle. Kinder frühzeitig und spielerisch an die englische Sprache zu gewöhnen, macht durchaus Sinn und erleichtert den Zugang zur englischen Sprache, welche zudem eine Weltsprache ist. Herkunftsprachlicher Unterricht ist natürlich wichtig und das nicht zuletzt, für das Erlernen der deutschen Sprache. Doch erschließt sich mir nicht, wie ein Kind diese Fähigkeit erwerben soll, wenn es nun in der Schule Polnisch lernt, aber im Elternhaus womöglich Portugiesisch spricht.

Ganz zu schweigen davon, dass alle Kinder in der Klasse die ,Muttersprache‘ derer lernen sollen, welche die Mehrzahl einer nicht deutschen Herkunftssprache bilden. Hieße in der Praxis z.B., dass 15 deutschsprachige, vier türkischsprachige, drei polnischsprachige, zwei russischsprachige und zwei arabischsprachige Kinder gemeinsam Türkisch statt Englisch lernen. Diese Zusammensetzung ist vielfältig variabel und alleine in Zeiten des Fachkräftemangels eine Utopie, die entsprechend ausgebildeten Lehrkräfte zu finden.

Darüber hinaus wird i.d.R. Englisch in der ersten und zweiten Klasse lediglich mündlich und spielerisch gelehrt, was dem Argument des Erwerbs der Schriftsprache einer jeweiligen Herkunftssprache widerspricht.

Insofern können wir als AG Migration und Vielfalt in der NRWSPD den Vorstoß des Landesintegrationsrates nicht unterstützen, sondern lehnen diesen entschieden ab. Ein zusätzliches Angebot an herkunftssprachlichem Unterricht, wie es ihn ja teilweise schon gibt, begrüßen wir ausdrücklich.“