Porträtfoto von Nadja Lüders und Sebastian Hartmann

Raus aus der Selbstbeschäftigung – Rot pur, klare Sprache und echte Lösungen.

Seit knapp zwei Monaten ist das neue Führungsduo der NRWSPD nun im Amt. Wir haben mit unserem Landesvorsitzenden und unserer Generalsekretärin über Teamplay, die Schwerpunkte ihrer Arbeit und neue Mehrheiten gesprochen.

Nadja und Sebastian, der Landesparteitag, auf dem Ihr gewählt wurdet, lag ja direkt vor der politischen Sommerpause. Geht’s jetzt richtig los?

Nadja Lüders: „Es haben zwar die Parlamente geruht, Politik kennt aber keine Ferien. Unser Parteitag hat dem Landesvorstand mit einem umfangreichen Leitantrag viele ambitionierte Aufträge mitgegeben. Die habe ich mal auseinandergenommen: Was ist bis wann zu bewerkstelligen? Wie können wir das hinbekommen? Für die Hängematte blieb da im Sommer kaum Zeit. Bei Dir?“

Sebastian Hartmann: „Der Landesparteitag lag doch optimal. So konnte die anschließende Sommerphase für Termine vor Ort genutzt werden. Die Mitglieder sind motiviert, wollen mitmachen. Also genug Gelegenheit für Debatte und Austausch. Außerdem konnten Nadja und ich uns einarbeiten, die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Landesbüro und Unterbezirken kennenlernen und erste Prozesse einleiten. Wir haben uns intensiv Gedanken gemacht, wie wir zentrale Debatten strukturieren und wo wir mit dem neuen Team und der NRWSPD hinwollen.

Nimmst Du uns mit bei den genannten Gedanken?

Sebastian Hartmann: „Wir sind in der Politik sehr stark mit tagesaktuellen Dingen beschäftigt. Jeden Tag fragen uns Journalisten andere Dinge, die gerade „aufploppen“. Das Problem: Schon wenige Tage später erinnert sich kaum einer mehr an das Gesagte und die Bürgerinnen und Bürger wissen gar nicht, wo sie bei uns dran sind. Es fehlt die Orientierung, die Langfristigkeit und Konsequenz. Die SPD muss sich auf ihre Herzensthemen konzentrieren, um erkennbarer zu werden. Rot pur, klare Sprache und echte Lösungen sind gefragt.“

Wie soll das konkret funktionieren?

Sebastian Hartmann: „Die NRWSPD hat drei Schwerpunkte benannt, aus denen wir nun gemeinsam etwas Gutes machen wollen. Erstens: Digitaler Wandel verändert Arbeit – wie bleibt Arbeit für alle Mittelpunkt selbstbestimmten Lebens? Zweitens: Wie bekommen wir für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Mehrheiten für eine bedingungslose soziale Sicherheit durch den Staat? Dazu gehört übrigens auch, dass Wohnen bezahlbar bleiben muss und deswegen fordere ich, dass das Land mit einer Wohnungsbaugesellschaft wieder als Akteur auf das Spielfeld zurückkehrt. Drittens: Wie macht ein gerechtes Bildungssystem die Kinder in NRW fit für die Zukunft? Ich glaube nicht, dass Politiker den Trauerkloß geben sollten und wie die Rechten sagen: Früher war alles besser. Nein, der beste Tag kommt noch. Dafür wollen wir arbeiten und neue Mehrheiten erstreiten.“

Nadja, diese drei Fragen kommen aus dem Leitantrag, den Du eingangs genannt hast. Wie soll die Beantwortung organisiert werden?

Nadja Lüders: „Es ist ja nicht nur das. Dazu kommt: Wir wollen mit der Einführung einer Parteischule unsere Bildungsprogramme bündeln und verbessern. Die angestoßenen Prozesse treiben wir aus NRW mit voran, zum Beispiel bei der digitalen Kommunikation in der Partei. Es gilt die Europawahl 2019 mit zu koordinieren und die SPD in den Unterbezirken so zu unterstützen, dass wir bei den Kommunalwahlen 2020 in den Städten, Kreisen und Gemeinden ein gutes Ergebnis einfahren. Viele Aufgaben, die wir bei einer Klausur des Landesvorstands jetzt im September mit klaren Zuständigkeiten versehen werden. Das heißt aber auch: Es gibt Prozesse und lieb gewonnene Gesprächsrunden, die jetzt hinten anstehen und auch hinten anstehen müssen. Die Leute wollen, dass wir liefern und keine Selbstbeschäftigung. Bei jeder Diskussion, die wir untereinander führen, muss die Frage erlaubt sein: Was kommt politisch konkret dabei rum?“

Klingt nach einem dicken Brett, oder!?

Nadja Lüders: „Ich komme ja aus Dortmund und mit dicken Brettern kennen wir uns im Ruhrgebiet aus. Ich stelle mal die Gegenfrage: Wer soll das denn sonst hinbekommen, wenn nicht die SPD? Es geht darum, die Wählerinnen und Wähler mit guten Ideen zu überzeugen. Dazu gehört aber auch, dass wir ihnen erst einmal zuhören. Wir werden die Wahlen nicht mit einem Programm, das von Experten entworfen wurde, gewinnen. Nein, wir brauchen ein Gegenstromprinzip: Diskutierst Du über meine Idee, diskutiere ich über Deine, um am Ende des Prozesses über die beste Idee zu entscheiden. Es gibt so gute Ideen der Genossinnen und Genossen vor Ort. Bringt sie ein in den Ortsverein, in den Unterbezirk und macht sie landesweit zur Position. Unsere Verantwortung im Landesvorstand liegt darin, dem ganzen einen Rahmen zu geben.“

Sebastian, Du wirst bereits jetzt häufig gefragt, wer 2022 bei der Landtagswahl neuer Ministerpräsident wird …

Nadja Lüders: „Und ich sag denen dann immer, dass wir auch viele gute Frauen in unseren Reihen haben (beide lachen).“

Sebastian Hartmann: „Personaldebatten vor der Zeit sind gar nicht gefragt. Es wird von der NRWSPD die Klärung ihres Profils, die Modernisierung ihrer Kommunikation und mehr Klarheit in der Sache erwartet. Wir sind gut beraten, die Frage frühzeitig zu klären. Aber eben eines nach dem anderen. Die Frage zeigt umgekehrt: Es werden jetzt schon die Tage der Regierung Laschet heruntergezählt. Opposition allein wird nicht reichen. 2022 brauchen wir einen neuen, überzeugenden Entwurf für unser Land, ein spannendes Team und neue Zuversicht. Dafür beginnen wir die Arbeiten jetzt. „Auf nach vorne“ war das Motto des Parteitages. Und so wird’s gemacht.“