„Genie der Menschlichkeit“

Johannes Rau

Zum 5. Todestag Johannes Raus gedachten Familie, Freunde und politische Weggefährten am Grab des ehemaligen Bundespräsidenten an den großen Sozialdemokraten – und erinnerten an die Werte, für die er eintrat. Sie werden auch durch die neue Johannes-Rau-Gesellschaft gefördert.

Neben Christina Rau und anderen Familienangehörigen und Freunden kamen unter anderem auch Sigmar Gabriel, Hannelore Kraft, die SPD-Schatzmeisterin Barbara Hendricks und Peer Steinbrück am Donnerstag auf den Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin-Mitte. An seinem 5. Todestag gedachten sie an den großen Sozialdemokraten, an den Menschen, "der Politik mit Leidenschaft betrieb – nicht, weil sie sein Beruf war. Sondern weil sie ihm die Möglichkeit gab, das Leben menschlicher zu machen", wie Sigmar Gabriel beschrieb.

Zeit seines Lebens zeichnete Rau eine einzigartige Persönlichkeit aus, die über die Parteigrenzen gewürdigt wurde. "Genie der Menschlichkeit" hat Erhard Eppler ihn einmal genannt. Denn Johannes Rau mochte die Menschen und die Menschen mochten ihn. Bis heute steht er für Werte, die das gesellschaftliche Zusammenleben voranbringen: Verständigung und Integration, Mitmenschlichkeit. Unvergessen bleibt auch seine beispielgebende Versöhnungsarbeit gegenüber Israel.

Johannes-Rau-Gesellschaft fördert junge Wissenschaftler

Diese Werte will jetzt auch die Johannes-Raus-Gesellschaft fördern, ein gemeinnütziger Verein in Gründung, der künftig Promotionsstipendien an junge Wissenschaftler vergeben wird. Vorsitzende der Johannes-Rau-Gesellschaft ist Gabriele Behler, die ehemalige Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen. Gefördert würden Forschungsvorhaben ohne Festlegung auch einzelne Fachdisziplinen, aber mit einem gesellschaftspolitischen Bezug, der sich im ethischen Rahmen bewegt, für den auch Johannes Rau stand, so Behler. Dabei ist der erste Stipendiat schon gefunden: ein Doktorand der Uni Jena. Er forscht über Hans Simons, einem deutschen Juristen und Politikwissenschaftler, der nach der Machtergreifung der Nazis 1933 in die USA emigrierte und nach dem Krieg als Mitglied des Parlamentarischen Rates nach Deutschland zurückkehrte – als einer der Väter des Grundgesetzes.

Untersucht wird in dem Forschungsvorhaben unter anderem die Veränderung von individuellen Identitäten. Auf seiner Flucht aus Deutschland per Schiff sprach Simons, als die Mitte des Atlantiks erreicht war, nur noch Englisch – bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland.

"Mit Leidenschaft" sei Rau auch Wissenschaftsminister in NRW gewesen, erinnert seine Frau Christina. Und nie sei ihm wichtig gewesen, "dass Plätze nach ihm benannt werden", sondern dass die Werte, für die er stand, transportiert würden. In diesem Rahmen junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu fördern, hätte ihm gefallen, ist sie sicher.

von spd.de