Hannelore Kraft im Interview mit der Bild-Zeitung

BILD: Frau Kraft, das Einzige, was Sie vor der Landtagswahl in NRW ausgeschlossen haben, war eine rot-grüne Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linkspartei. Nun kommt es so. Haben Sie gelogen?

Hannelore Kraft: Das habe ich nicht. Wir gehen in eine rot-grüne Minderheitsregierung und setzen auf wechselnde Mehrheiten im Parlament. Wir lassen uns also nicht von der Linkspartei tolerieren. Eine solche schriftliche Vereinbarung wird es mit der Linkspartei nicht geben.

BILD: Stimmt einer der Linken für Sie, sind Sie am 13. Juli schon im ersten Wahlgang zur Ministerpräsidentin von deren Gnaden gewählt.

Kraft: Die Wahl ist geheim. Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich auch Stimmen von CDU und FDP bekomme. Schon im zweiten Wahlgang reicht außerdem die einfache Mehrheit.

BILD: Glauben Sie, dass Ihr rot-grünes Minderheits-Bündnis fünf Jahre hält?

Kraft: Wir lösen eine aufgekündigte und damit handlungsunfähige schwarz-gelbe Minderheitsregierung ohne gültigen Koalitionsvertrag ab und sorgen wieder für stabilere Verhältnisse in NRW. Mir ist klar, dass unser Modell für viele neu ist, aber wir arbeiten an einer neuen politischen Kultur des Konsenses. Das kann beispielhaft für Deutschland werden.

BILD: Amtsinhaber Jürgen Rüttgers hat angekündigt, bei der Ministerpräsidenten-Wahl nicht gegen Sie anzutreten. Stolz, ihn gestürzt zu haben?

Kraft: Ich habe seine Entscheidung mit Respekt aufgenommen. Sicher gab es bei der CDU auch die Sorge, bei einer Kandidatur nicht alle 80 Stimmen von CDU und FDP zu bekommen. Ich kann nachvollziehen, dass Herr Rüttgers sich das wohl ersparen wollte. In den Sondierungsgesprächen hat sich gezeigt, dass wir seit 2005 hervorragende inhaltliche Arbeit geleistet haben. Darauf bin ich stolz, denn das ist die Basis für einen Politikwechsel in NRW.

BILD: Wann ziehen Sie in Rüttgers’ Büro in der Staatskanzlei?

Kraft: Nach der Wahl zur Ministerpräsidentin.