Initiative „TatKraft“: Am 2. Februar arbeitete Hannelore Kraft in Essen

Hannelore Kraft in einem Altenheim im Essener Stadtteil Haarzopf.

Essen war die 6. Station von Hannelore Kraft im Rahmen ihrer TatKraft-Tour. An diesem Tag arbeitete die SPD-Landesvorsitzende in einem Altenheim der AWO im Stadtteil Haarzopf. Um 7.00 Uhr begann bereits der Arbeitstag mit der Übergabe von der Nacht- zur Tagschicht. Wie geht es den Bewohnerinnen und Bewohnern und wie ist die Nacht verlaufen, sind die ersten wichtigen Informationen, die zwischen den Betreuerinnen und Betreuern ausgetauscht werden. Hannelore Kraft war zusammen mit einer examinierten Altenpflegerin für die Betreuung einer Gruppe von Frauen eingeteilt, einige von ihnen noch relativ fit, einige dement, andere schwer dement.

„Als erstes haben wir die Bewohnerinnen geweckt, dann gemeinsam gewaschen und angezogen“
, erzählt Hannelore Kraft. „Im Anschluss wurde das Zimmer aufgeräumt und die Betten gemacht, bevor es zum gemeinsamen Frühstück ging. Was mir hier als erstes auffiel war, dass den Bewohnerinnen nur so viel wie nötig abgenommen wurde; auch wenn manche Sachen dadurch deutlich länger gebraucht haben. Ihre Fähigkeiten sollten so soweit wie möglich erhalten werden.

Im Rollstuhl oder mit dem Rollator ging es in die Gemeinschaftsküche, in der dann zusammen gefrühstückt wurde. Wie an einem Buffet können die Bewohnerinnen sich ihr Frühstück selber zusammenstellen. Nach dem Essen und natürlich dem Aufräumen wurde „Vertellekes“ gespielt. Der Ausdruck „Vertellekes“ kommt aus dem Plattdeutschen und bedeutet „Erzählungen“. Beieinandersitzen, sich etwas erzählen – das ist auch der Grundgedanke dieses vielseitigen Spiels. Das speziell für ältere Menschen entwickelte Frage-und-Antwort-Spiel gibt Impulse zum Erinnern, Nachdenken, Schmunzeln und Singen. „Wir haben Reime und Lieder erkennen gespielt. Als es um das „knallrote Waschbrett“ ging, wussten alle sofort, dass das Lied „Er hat ein knallrotes Gummiboot“ gemeint war. Und prompt sangen alle das Lied von Wencke Myhre aus den 70er Jahren mit. Die Betreuerinnen haben mich da sehr beeindruckt, sie wussten jeder Zeit, wie sie wen mit in das Spiel einbeziehen mussten und kümmerten sich auch um die etwas ruhigeren aus der Gruppe.“

Mit Spielen und Gesprächen verging die Zeit bis zum Mittagessen relativ schnell. Nach der Mittagszeit folgte eine Ruhephase, in der die Bewohnerinnen sich auf ihr Zimmer zurückzogen, Fernsehen schauten oder Kreuzworträtsel lösten. „Die Betreuerinnen waren alle immer freundlich zu den Bewohnerinnen, dass bewundere ich sehr. Es war trotz der vielen Bürokratie immer Zeit für ein herzliches Wort oder eine kurze Umarmung. Ich habe an diesem Tag gelernt, dass auch bei Demenz die emotionale Intelligenz nicht verloren geht, die Menschen merken sehr wohl, ob jemand gut zu ihnen ist oder nicht“, fasst Hannelore Kraft ihre Eindrücke zusammen. „Leider habe ich dann die Übergabe zur nächsten Schicht verpasst“, erzählt Hannelore Kraft. „Ich saß noch mit einigen Kolleginnen und Kollegen zusammen um mit ihnen über ihre Arbeitssituation zu sprechen. Viele klagten über den großen Zeitanteil den Bürokratie und schriftlicher Dokumentation in Anspruch nehmen – Zeit, die ihnen in der direkten Betreuung fehlt. Hier wäre eine bessere Relation zwischen Betreuern und Betreuten wünschenswert. Natürlich spielte auch das Thema Bezahlung eine große Rolle, mehr jedoch die Frage, wie man dem Beruf der Altenpflege mehr Anerkennung verschaffen kann. Ich habe ja schon immer meinen Hut vor der Arbeit und dem Engagement in der Altenpflege gezogen. Es braucht viel Geschick und Einfühlungsvermögen für diesen Beruf. Und auch wenn es ein anstrengender Beruf ist“, so das Fazit von Hannelore Kraft, „aus diesem Beruf kann man Kraft schöpfen, auch mir hat dieser Tag viel gegeben.“