Initiative „TatKraft“: Am 28. Januar arbeitete Hannelore Kraft in Hagen

Im Rahmen der „TatKraft“-Tour arbeitete Hannelore Kraft, Vorsitzende der NRWSPD und SPD-Spitzenkandidatin zur Landtagswahl, einen Tag lang im AWO Familienzentrum in Hagen-Vorhalle. Hier wollte sich Hannelore Kraft ein ungefärbtes, direktes Bild von den Arbeitsbelastungen in einer Kindertagesstätte machen.

In praktischer Kleidung und solidem Schuhwerk trat die Landesvorsitzende ihren „Dienst“ an. Zunächst nahm Hannelore Kraft an einem Familienfrühstück teil, das regelmäßig im Familienzentrum angeboten wird. Hier kam sie mit den Müttern einiger Kita-Kinder ins Gespräch, die ihr von ihrer Lebenssituation und ihrem teils schwierigen Alltag erzählten. „Gerade in einer Einrichtung wie dieser, in der über 90 Prozent der Kinder einen Migrationshintergrund haben, sind Angebote wie das Familienfrühstück sehr wertvoll“, beschreibt Hannelore Kraft ihren Eindruck. „Die Eltern können sich untereinander austauschen und sie bekommen wertvolle Erziehungstipps von den Mitarbeiterinnen der Einrichtung, aber auch von Experten wie Hebammen und Erziehungsberatern.“

Insgesamt müsste allen Familien in NRW deutlich mehr Unterstützung angeboten werden, so Kraft. „Wir müssen dafür sorgen, dass kein Kind verloren geht. Daher müssen wir von Anfang an zu den Familien hingehen und den Eltern jede mögliche Unterstützung bieten.“

Nach dem Familienfrühstück ging die Landesvorsitzende in die Kindertagesstätte. „Hier habe ich mit den Kindern gespielt, ich habe Geschichten vorgelesen und die Erzieherinnen dabei unterstützt, die Kinder zum Mittagsschlaf zu Bett zu bringen. Wie bei meinem Sohn früher, habe ich den Kindern ein Schlaflied vorgesungen.“, erzählt Hannelore Kraft. Obwohl ihr die Arbeit mit den Kindern sehr viel Spaß gemacht habe, sei der Tag dennoch anstrengend gewesen. „Ich habe gespürt, welche enorme Leistung die Erzieherinnen hier jeden Tag vollbringen“, berichtet Hannelore Kraft.

Gerade die Größe der Gruppen sei belastend. „Die Erzieherinnen haben mir erzählt, dass hier 63 Kinder von nur acht Kräften betreut werden. Das bedeutet großen Stress und auch Dauerlärm’belastung‘ für die Erzieherinnen.“ Für das Ziel, den Kindern in einer Kita mehr Bildung zu vermitteln, müssten deutlich mehr Erzieherinnen eingestellt werden, so Kraft „Die Milliarden, die die schwarz-gelbe Bundesregierung an Steuergeschenken verteilt, sollten besser in Bildungstrukturen, das heißt auch in die Kindertagesstätten, investiert werden.“ Dann könnten viele Kinder noch besser gefördert werden. „Ich habe in der Kindertagesstätte viele Kinder erlebt, die sprachlich intensiv gefördert werden müssten“, erzählt die Landesvorsitzende. „Die Erzieherinnen geben sich alle Mühe, aber sie haben schlicht viel zu wenig Zeit, um sich so intensiv kümmern zu können, wie sie es selbst gerne wollten.“ Entscheidend für eine Kindertagesstätte sei auch die Qualifikation und das Engagement der Kita-Leitungen. Soviel Bürokratie habe sie nicht erwartet, berichtet Hannelore Kraft und auch die wichtigen Bildungspläne und die Elterngespräche zehrten an der Zeit der Leitung. Hier gibt es viel zu tun, Fortbildungen zu finanzieren und auch die Bezahlung lukrativer zu machen, sei ein wichtiger Ansatz.

Durch das von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführte Kinderbildungsgesetz habe sich die Arbeitsbelastung der Erzieherinnen und Erzieher noch verschärft. „Der Landesregierung geht es nur darum, die Zahl der Plätze für Unter-Dreijährige nach oben zu treiben, darum Erfolge in Form von Überschriften dokumentieren zu können. Auch in Hagen nimmt die Kindertagesstätte Unter-Dreijährige auf. Richtig ist: Wir brauchen mehr Betreuungsplätze. Doch gleichzeitig muss die Betreuungsqualität weiter verbessert werden. Auch das geht aber nur mit mehr Personal.“

Ein weiteres Problem sieht Hannelore Kraft in den fehlenden beruflichen Perspektiven der Erzieherinnen. „Einige haben nur befristete Verträge und wissen nicht, ob sie in einem Jahr noch Arbeit haben. Als Politikerinnen und Politiker haben wir die Aufgabe, diese Perspektiven zu schaffen.“ Auch die Erzählung einer Erzieherin, die sich auf eigene Kosten weitergebildet hatte, macht die Landesvorsitzende nachdenklich. „Trotz Weiterbildung bekommt die junge Frau kein höheres Gehalt. Das ist ungerecht und demotivierend. Wir müssen dafür sorgen, dass sich freiwillige Weiterbildung auch finanziell für die Arbeitnehmenrinnen und Arbeitnehmer lohnt.“

Insgesamt ein schöner, ein anstrengender und vor allem ein lehrreicher Tag für Hannelore Kraft: „Ich habe heute sehr viel mitgenommen: Für mich selbst und vor allem für meine politische Arbeit.“