Vor dem Bundesparteitag in Dresden: Hannelore Kraft im Porträt

Offen und ehrlich, aber nicht immer bequem – das Motto auf der Internet-Homepage beschreibt den Menschen und die Politikerin Hannelore Kraft recht gut. Als sie in die SPD eintrat, hatte die Partei in ihrer Heimatstadt Mülheim an der Ruhr gerade die Kommunalwahl verloren. „Da wollte ich mit anpacken, wieder mit aufbauen."

"Denn die SPD war für mich als dem ersten Kind aus einer Arbeiterfamilie, das studieren konnte, nicht nur die Partei der sozialen Gerechtigkeit, sondern auch des gesellschaftlichen Aufstiegs über Bildung“, unterstreicht die 48-Jährige.

„Dieses Aufstiegsversprechen über Bildung trägt in Deutschland immer weniger. Wir erleben in NRW unter einer CDU/FDP-Landesregierung, dass sich diese für unser Land dramatische Entwicklung weiter verschärft. Die SPD hat dagegen in der Bildungspolitik die richtigen Antworten: Chancengleichheit für alle Kinder, längeres gemeinsames Lernen, kostenlose Bildung von der Kita bis zur Uni“, betont Kraft, die nach ihrer Zeit als Europa- und Wissenschaftsministerin 2005 erst Fraktions- und dann auch Landesvorsitzende der SPD in NRW wurde.

Für Kraft ist klar: Der schleichende Vertrauensverlust der Menschen lasse sich nur durch eine intensive inhaltliche Debatte aufarbeiten, die weit über den Parteitag hinausgehen müsse. Für die Diplom-Ökonomin ist dabei eines der zentralen Themen: die Gestaltung einer sozialen und solidarischen Gesellschaft unter den Bedingungen einer schwie­rigen Finanzsituation und der Globalisierung. Wie schaffen wir neue soziale Sicherheit, gerade auch für junge Menschen?

„Sicherheit heißt eben auch Sicherheit im Job. Dazu gehört auch die Verhinderung von Missbrauch und Lohndumping bei der Leih- und Zeitarbeit. Mir ist kürzlich ein junger Mann begegnet, der trotz Einser-Studiums acht Zeitverträge hintereinander hatte. Übernommen wurde er nirgends. Diese Ausbeutung dürfen wir nicht länger zulassen“, entrüstet sich die Mutter eines 16-jährigen Sohnes.

Dabei dürfe die SPD nicht in die Wünsch-dir-was-Rhetorik der Links-Partei verfallen. „Das bringt uns keine Glaubwürdigkeit zurück“, sagt die Frau, die im Mai nächsten Jahres die erste 
Ministerpräsidentin Nordrhein-Westfalens werden will.