Hannelore Kraft: Gemeinsam mit Christina Rau nach Israel

Christina Rau und Hannelore Kraft in Israel

Von Hannelore Kraft, Vorsitzende der NRWSPD und der SPD-Fraktion im Düsseldorfer Landtag

„Das Ziel war bewußt gewählt: Nach Israel und in die Palästinensischen Gebiete sollte meine erste Auslandsreise als SPD-Fraktionsvorsitzende gehen. Schon seit Jahrzehnten besteht eine enge, partnerschaftliche Verbindung von Nordrhein-Westfalen in diese Region. Und diese Verbindung ist vor allem mit einem Namen verbunden: Johannes Rau. Unser viel zu früh verstorbener Vorsitzender, langjähriger Ministerpräsident und ehemalige Bundespräsident war Zeit seines Lebens treibende Kraft für Aussöhnung und Freundschaft zwischen Israelis und Deutschen – ohne die Bürde der Vergangenheit zur Seite zu drängen.

Bei meinem Besuch in Israel sind wir sehr oft auf die Spuren von Johannes Rau gestoßen: Projekte, die er angeschoben, gefördert oder unterstützt hat, aber vor allem Menschen, die sich voll Wärme, Stolz und Zuneigung an Johannes Rau als einen großen Freund der deutsch-israelischen Verständigung erinnern. Egal ob bei Gesprächen mit der israelischen Arbeiterpartei, der Gewerkschaft Histadrut oder den jüdischen Auswanderern aus Deutschland – überall wussten sie von vielen großen und kleinen Begegnungen mit Johannes Rau zu berichten.

Wir müssen dieses Lebenswerk von Johannes Rau bewahren. Wir Deutsche haben hier eine besondere Verantwortung. Dies ist mir beim Besuch der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vaschem noch einmal zutiefst deutlich geworden. Zukunft braucht Erinnerung – dieser Satz von Johannes Rau hat nichts an seiner Bedeutung eingebüßt.

Vor allem der Jugendaustausch lag Johannes Rau besonders am Herzen. Ich freue mich, dass nun der wechselseitige Besuch von israelischen und nordrhein-westfälischen Delegationen der Gewerkschaftsjugend nach einer Zeit der Stagnation wieder aufgenommen worden ist. Wir müssen uns bemühen, dies auch in der Partei neu zu beleben.

Außerordentlich dankbar bin ich Christina Rau, dass sie mich auf der sechstägigen Reise zusammen mit ihrer Tochter Laura begleitet hat. Dies hat mir sicherlich einige Zugänge geöffnet, sowohl bei Terminen als auch bei Einschätzungen der Entwicklung in einer Region, in der es keine einfachen Antworten auf die drängenden politischen Fragen gibt.

Unsere israelischen Genossinnen und Genossen von der Arbeiterpartei befinden sich in einer sehr schwierigen Lage. In meinen Gesprächen habe ich Ratlosigkeit und Frust gespürt, warum ihr jahrzehntelanger Einsatz für Frieden von den Wählerinnen und Wählern nicht honoriert worden ist. So klagte der Fraktionsvorsitzende der Arbeiterpartei im israelischen Parlament Knesset, Daniel Ben-Simon, dass die anderen Parteien ihre Themen übernommen hätten. Und unsere Besuche in Jerusalem, Bethlehem und vor allem Hebron haben mir wie unter einem Brennglas vor Augen geführt, dass der Weg zu einer friedlichen Koexistenz zweier unabhängiger Staaten Israel und Palästina noch sehr weit ist. Auch wenn die neue politische Konstellation und insbesondere die Kairoer Rede von Präsident Obama erkennbar einiges in Bewegung gebracht haben. „