Vor 90 Jahren konnten Frauen zum ersten Mal wählen und gewählt werden – Gerda Kieninger erklärt: „Politik für Gleichberechtigung bleibt unverzichtbar“

Gerda Kieninger, NRW-Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen

„Der 19.01.2009 ist ein Tag der Freude“, stellt die AsF-Landesvorsitzende in NRW, Gerda Kieninger, fest. Denn vor 90 Jahren, am 19.01.1919 konnten Frauen in Deutschland erstmals weibliche Abgeordnete in ein deutsches Zentralparlament wählen.

Bereits 1891 hatte die SPD in ihrem Erfurter Programm das Frauenwahlrecht als Forderung aufgenommen und 1895 auch als Antrag im Deutschen Reichstag eingebracht. Es sollte jedoch noch über 20 Jahre dauern, bis der Rat der Volksbeauftragten am 12.11.1918 endlich beschlossen hatte, den Frauen die lang erstrebte volle Beteiligung am politischen Leben zu ermöglichen.

Bei den Wahlen zur Nationalversammlung vor 90 Jahren gingen von den 423 Mandaten dann aber nur 37 an Frauen. Die große Mehrheit von ihnen, 22, waren Sozialdemokratinnen. Mit Marie Juchacz war es auch eine Sozialdemokratin, die 1919 als erste Frau eine Rede in der „Deutschen Nationalversammlung“ in Weimar hielt. Sie stellte damals fest: „dass wir deutschen Frauen dieser Regierung nicht etwa in dem althergebrachten Sinne Dank schuldig sind. Was diese Regierung getan hat, das war eine Selbstverständlichkeit: sie hat den Frauen gegeben, was ihnen bis dahin zu Unrecht vorenthalten worden ist.“

„So richtig und wichtig diese Feststellung damals war, so richtig und wichtig muss man heute darauf hinweisen, dass Frauen im Wirtschaftsleben immer noch zu Unrecht benachteiligt werden“, stellt die AsF-Landesvorsitzende Gerda Kieninger fest. Nach wie vor verdienen Frauen brutto im Durchschnitt bei gleicher Arbeit rund 22 Prozent weniger als Männer. „Bei aller Freude über das Frauenwahlrecht: Solange diese Unterschiede bestehen, ist eine Politik, die für die gleichen Rechte von Frauen in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens kämpft, unverzichtbar“, meint Gerda Kieninger abschließend.