Vorwärts-NRW Interview mit der Landesvorsitzenden Hannelore Kraft

Hannelore Kraft
Hannelore Kraft Landesvorsitzende NRWSPD

Vorwärts: Am 20. Januar 2007 wurdest Du zur Landesvorsitzenden gewählt.

Hannelore Kraft:
Die Arbeit macht richtig Spaß und ich freue mich nach wie vor darüber an der Spitze der NRWSPD zu stehen. Ich fühle mich wohl in dieser Partei, weil ich die Menschen mag, die für diese Partei stehen und die in dieser Partei arbeiten.

Vorwärts: Hat Dich das Amt der Landesvorsitzenden verändert?

Hannelore Kraft:
Ich habe im vergangenen Jahr zahlreiche Parteiveranstaltungen vor Ort besucht. Ich habe zugehört, viel Wichtiges mitgenommen und eine Menge gelernt. Das hat meine politischen Positionen geschärft.

Vorwärts: Du bist verheiratet und hast einen 15jährigen Sohn. Wie kommt die Familie mit Deinem enormen beruflichen Engagement zurecht?

Hannelore Kraft:
Ohne die Unterstützung von meinem Mann, meinem Sohn und meiner Mutter ginge das nicht. Wir haben unser Leben entsprechend organisiert. Das funktioniert gut. In der wenigen Freizeit unternehmen wir viel gemeinsam, treffen Freunde, joggen oder kochen.

Vorwärts: Du pflegst einen sehr engagierten Arbeits- und Führungsstil. Welche Erfahrungen hast Du damit in der Partei gemacht?

Hannelore Kraft:
Gute! Wir müssen klar erkennbar für unsere Ziele eintreten. Wir brauchen eine Partei, die diskutiert, die entscheidet und die verantwortet. Ich will, dass wir eine selbstbewusste Partei sind, die stolz auf das ist, was sie für Nordrhein-Westfalen, im Bund und in Europa leistet. Und Engagement gehört einfach dazu. Sonst kann man die Menschen nicht begeistern.

Vorwärts: Am 5. April findet der ordentliche Landesparteitag der NRWSPD statt. Welche Schwerpunkte wird er haben?

Hannelore Kraft:
Neben der Neuwahl des Landesvorstandes wird die Kommunalpolitik im Mittelpunkt stehen. Wir haben dazu im Landesvorstand und mit vielen Genossinnen und Genossen vor Ort einen entsprechenden Leitantrag zur Kommunalpolitik erarbeitet. Unser politischer Erfolg, unsere Stärke als Volkspartei war und ist immer zuallererst in unserer Arbeit in den Kommunen vor Ort begründet. Die Politik von CDU und FDP des „Privat vor Staat“ und das Verlagern von immer mehr Aufgaben sowie rund drei Milliarden Euro an finanziellen Belastungen in die Kommunen schaden den Städten und Gemeinden. Uns ist es wichtig zu zeigen, dass wir in der Lage sind, auf die heutigen Fragen die richtigen Antworten zu geben. Und zwar mit dem Blickwinkel, der uns auszeichnet: Soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Integration, Toleranz und Demokratie sind unverzichtbare Bestandteile sozialdemokratischer Politik vor Ort.

Vorwärts: Nach der Hessenwahl ist in der Partei viel über den Umgang mit der so genannten Links-Partei diskutiert worden. Wie ist deine Position dazu?

Hannelore Kraft:
Erstens: Wir wollen bei den nächsten Wahlen stärkste Partei werden. Dazu gehört eine Politik, die den Menschen und nicht den Markt in den Mittelpunkt stellt. Bildung darf kein Privileg sein und Armut muss bekämpft werden. Zweitens: Unser Ziel ist es, die Linkspartei in NRW unter fünf Prozent zu halten; so bleiben sie aus dem Landesparlament heraus. Drittens: Wir suchen die Auseinandersetzung und nicht die Zusammenarbeit. Klar ist dabei: Wer wie die Linke raus aus der NATO will, die Verstaatlichung von Schlüsselindustrien fordert und damit gegen die Europäische Union ist, ist eine Gefahr für den Standort NRW. Schließlich: Diese Auseinandersetzung ist notwendig, führt allerdings zurzeit dazu, dass wir nicht über die eigentlichen Themen reden, vor allem nicht über die wirklich schlechte und unsoziale Politik der schwarz-gelben Landesregierung, sondern nur über Hessen und über die Linken. Das muss sich wieder ändern. Schließlich ist der Streit in der CDU/FDP-Koalition groß. Sie ist nervös, weil sie in NRW keine Mehrheit mehr hat.

Vorwärts: Der Ministerpräsident „blinkt links und fährt rechts“. Wie kann die NRWSPD dieses Vorgehen entlarven?

Hannelore Kraft:
Die Menschen merken jeden Tag mehr, dass CDU und FDP unser Land unsozial und arbeitnehmerfeindlich regieren: Schlechte Bildungspolitik, steigende Kindergartenbeiträge wegen der Kürzungen der Landesregierung, Studiengebühren, der Abbau von Mitbestimmung im öffentlichen Dienst, um nur einige Themen zu nennen. Wir Sozialdemokraten setzen unseren Politikentwurf dem entgegen. Ich sage: Klare Kante gegen Sozialabbau und Ausgrenzung. Klare Kante gegen eine Politik des „Privat vor Staat“.

Vorwärts: Mit welchen Themen werden wir den Wahlmarathon 2009/2010 bestehen?

Hannelore Kraft:
Es geht darum, das Vertrauen der Menschen im Land zurück zu gewinnen. Die SPD steht für eine Politik, die es ernst meint mit guter, menschenwürdiger Arbeit und der besten Bildung für alle. Wir wollen mehr soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlichen und ökologischen Fortschritt sowie die Sicherung des sozialen Zusammenhaltes in NRW. Mit unserem Bildungsprogramm „Beste Bildung für alle“ haben wir bereits ein umfassendes Konzept vorgelegt, mit dem wir als klare Alternative erkennbar sind. Mit dieser Politik der Vernunft werden wir in 2009 und 2010 die Mehrheiten gewinnen.