Dieckmann: Siemens stiehlt sich aus der Verantwortung

Jochen Dieckmann

Zum heute vorgelegten Geschäftsbericht des Siemens-Konzerns erklärt der Landesvorsitzende der NRWSPD, Jochen Dieckmann:

Siemens stiehlt sich aus der Verantwortung

Angesichts eines Jahresgewinns in Höhe von satten 3,1 Milliarden Euro und einer Steigerung des Vorjahresergebnisses um 38 Prozent ist das derzeitige Verhalten des Siemens-Konzerns in der BenQ-Krise völlig unverständlich.

Bei derartigen Zahlen kann und muss Siemens seiner sozialen Verantwortung für die Beschäftigten an den BenQ-Standorten Bocholt und Kamp-Lintfort endlich gerecht werden. „Wir waren noch nie so stark aufgestellt“, sagt Konzern-Chef Kleinfeld voller Stolz. Die Aktionäre und Manager jubeln. Um so bedeutsamer wäre es, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von BenQ und deren Familien nicht mit Almosen abzuspeisen.

Die bisher von Siemens angebotenen Hilfen für die Beschäftigten von BenQ sind deutlich zu niedrig – gerade wenn man sich die enorme Rendite des Konzerns vor Augen führt. Das Management muss sich endlich darüber klar werden, dass es auch eine Vorbildfunktion besitzt. Trotz aller betriebswirtschaftlichen Zwänge hat Siemens dafür Sorge zu tragen, dass Menschen nicht in völlig aussichtslose Situationen geraten.

Völlig unverständlich ist angesichts der heute vorgelegten Bilanzzahlen das Verhalten von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers: Sein Lob für das bisher von Siemens geleistete Engagement im Zusammenhang mit der BenQ-Insolvenz ist nicht nachvollziehbar. Es muss den Menschen an den betroffenen Standorten wie Hohn und Spott in den Ohren klingen.

Nach wie vor stehen viele Beschäftigte von BenQ vor einer ungewissen Zukunft, während die Siemens-Manager sich eine Gehaltserhöhung genehmigen. Zu diesem Skandal schweigt der Ministerpräsident. Jürgen Rüttgers sollte den von der BenQ-Misere Betroffenen in Nordrhein-Westfalen helfen, anstatt den Managern Beifall zu klatschen.