Bülow: Hitze wird zum KO für Atomkraft

Zu den Auswirkungen des Klimawandels und den heißer werdenden Sommern erklärt der umweltpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Marco Bülow:

Ein Wetterrekord jagt den nächsten. Die Sommer dieses Jahrzehnts gehörten zu den heißesten Sommer der letzten hundert Jahre. Durch den Klimawandel nehmen die Wetterextreme immer mehr zu. Stürme, Überschwemmungen, Hitzerekorde treten in unserer eigentlich sehr gemäßigten Klimazone häufiger auf. Es ist keine neue Erkenntnis, dass wir durch die Verbrennung fossiler Energieressourcen selbst die Verantwortung dafür tragen. Trotz der zunehmenden Erkenntnis und des wachsenden Wissens über die Auswirkungen der Klimaerwärmung, handeln wir teilweise leider immer noch halbherzig und inkonsequent.

Die Lösung kann nur in einem Umsteuern zu mehr Erneuerbaren Energien und Energieeffizienz bestehen. Die zunehmenden Kosten des Klimawandels belasten immer stärker unsere Wirtschaft und Gesellschaft. Eine konsequente Energiewende wird uns dagegen hohe volkswirtschaftliche Gewinne bringen. Neue zukunftsfähige Technologien im Bereich von Erneuerbaren Energien und Effizienz, bekommen mittelfristig einen riesigen Absatzmarkt und die Unabhängigkeit von Energieressourcen erspart Wirtschaft und Verbraucher unnötig steigende Milliardenausgaben.

Auch die Atomenergie wird uns nicht retten. Abgesehen von dem hohen Gefahrenpotential und dem hochgiftigen und hunderttausende von Jahren strahlenden Müll, gefährden Atomkraftwerke zunehmend die Energieversorgungssicherheit. Wegen der hohen Temperaturen müssen die ersten Kraftwerke – wie beispielsweise das AKW Unterweser – ihre Leistungen drosseln. Halten die Temperaturen an, droht die Abschaltung. Um die Atomkraftwerke im Betrieb zu halten, sind riesige Mengen von Wasser zur Kühlung notwendig. Wenn aber das kühlende Wasser selbst 26 Grad erreicht, dann muss der Kraftwerksbetrieb eingestellt werden. Voraussagen gehen davon aus, dass in den nächsten Jahrzehnten die Sommer noch heißer werden und damit das Kühlwasser viel häufiger zu warm wird. Wenn man nicht riskieren will, dass die Stromversorgung zusammenbricht, sollte der Anteil der Atomkraft am Energiemix so klein wie möglich sein. Frankreich wird mit einem hohen Anteil von Atomenergie immer größere Probleme bekommen. Im Rekordsommer von 2003 konnten sich die Franzosen nur retten, weil sie teureren Importstrom aus anderen Ländern bezogen haben.

Interessant ist, dass wegen des Ausfalls der Atomkraft mittlerweile selbst Energieversorger, die vom Stromverkauf leben, nun zum Energiesparen aufrufen. Diese Forderung kann man nur unterstützen. Nachhaltiger und sicherer wäre es aber, wenn sich nicht nur die Verbraucher energiesparender verhalten würden, sondern wir insgesamt effizienter mit Energie umgehen und stärker den Anteil der Erneuerbaren Energie nach oben schrauben.