Zur Forderung von Wirtschaftsminister Michael Glos nach einer Kürzung der Ausbildungsvergütungen erklärt der Vorsitzende der NRWSPD, Jochen Dieckmann:

Zur Forderung von Wirtschaftsminister Michael Glos nach einer Kürzung der Ausbildungsvergütungen erklärt der Vorsitzende der NRWSPD, Jochen Dieckmann:

Stammtischparolen helfen nicht weiter

Ausgerechnet zum "Tag der Ausbildung" hat der Bundeswirtschaftsminister kräftig daneben gelangt. Die Forderung von Michael Glos, die Lehrlingsgehälter zu kürzen, ist an Hilflosigkeit nicht zu überbieten. Dem Minister ist offenbar nicht bewusst, wie gering in vielen Berufen die Ausbildungsvergütungen bereits heute sind. Junge Menschen brauchen eine Chance. Sie dürfen für ihre Leistung und ihr Engagement nicht mit Almosen abgespeist werden.

Bayerische Stammtischparolen helfen nicht weiter, wenn es um die Schaffung neuer Lehrstellen geht. Sie können auch nicht davon ablenken, dass in dieser Frage an erster Stelle die Unternehmen gefragt sind. Glos sollte lieber Druck auf das Arbeitgeberlager erzeugen, damit künftig mehr Jugendliche die Chance zu einem qualifizierten Berufsabschluss erhalten. Wenn heute nur jedes zweite Unternehmen in Deutschland ausbildet, so zeigt dies, dass der Minister ein weites Betätigungsfeld hat.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang auch das Verhalten der nordrhein-westfälischen Landesregierung. Sie redet viel, wenn es um die Schaffung neuer Ausbildungsplätze geht. Handeln tut sie nicht. In der offiziellen Terminvorschau der Landesregierung sucht man am "Tag der Ausbildung" vergeblich nach Veranstaltungen des Ministerpräsidenten oder des Arbeitsministers, die einen besonderen Einsatz gegen die Misere auf dem Lehrstellenmarkt erkennen lassen würden. Rüttgers und Laumann lassen die Dinge treiben, anstatt sie energisch anzugehen.