Merkel kopiert Reagan

„Mit einer flauen Kopie“ hat Angela Merkel bei Ronald Reagan abgekupfert, musste SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter nach dem TV-Duell feststellen. In ihrem Schlusswort bediente sie sich aus einer 25 Jahre alten Rede des Ex-Präsidenten.

„Frau Merkel täuscht ganz gezielt die Wählerinnen und Wähler. Mit einer flauen Kopie ahmt sie die Wahlkampftricks eines erzkonservativen amerikanischen Präsidenten nach“, kritisierte Benneter am Dienstag. Die Unionskandidatin habe den Zuschauerinnen und Zuschauern am Sonntag zum Abschluss des TV-Duells statt persönlicher Worte eine „aufgewärmte Konserve aus der Schreibstube der Neokonservativen“ angeboten – eine Abschrift „der idiologischen Lehrmeister“ aus dem Jahr 1980, als sich Reagan ein TV-Duell mit dem damals amtierenden US-Präsidenten Jimmy Carter lieferte. „Das ist das Gegenteil von Ehrlichkeit und Klarheit“, betonte der SPD-Generalsekretär.

Stimmig sei lediglich, dass „Merkels billiges Plagiat“ zu den Inhalten der Kandidatin passe. So decke sich beispielsweise das Familien- und Frauenbild der Union mit den Vorstellungen der amerikanischen „Neocons“. Zudem wolle auch sie mit ihren Steuerplänen „den Staat aushungern“. So genau wollte die Kandidatin von CDU und CSU aber offensichtlich die Menschen nicht über ihre Vorhaben informieren und hat aus dem Statement Reagans die entsprechenden Passagen herausgelassen. Wörtlich sagte er: „Ich will einen Kreuzzug beginnen und ich möchte diesen Kreuzzug mit ihrer Hilfe führen. Er hätte das Ziel, den großartigen Menschen dieses Landes die Last des Staates von den Schultern zu nehmen…“

Die Folgen einer solchen ideologischen Politik habe man in Reagans Amerika besichtigen können, warnte Benneter.

Original und Fälschung: Die Schluss-Statements von Ronald Reagan (1980) und Angela Merkel (Sonntag)

Ronald Reagan am 28. Oktober 1980 im Fernseh-Duell mit Jimmy Carter:
"Am nächsten Dienstag ist Wahltag. Am nächsten Dienstag werden Sie alle wählen gehen, werden im Wahllokal stehen und eine Entscheidung treffen. Ich denke, wenn Sie diese Entscheidung treffen, wäre es gut, wenn Sie sich fragen: Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren? Ist es leichter für Sie, in den Laden zu gehen und Sachen zu kaufen, als es das vor vier Jahren war? Ist die Arbeitslosigkeit im Land höher oder niedriger als vor vier Jahren? Genießt Amerika so viel Respekt in der Welt wie vorher? Haben Sie das Gefühl, dass unsere Sicherheit so groß ist, dass wir so stark sind wie vor vier Jahren? Und wenn Sie all diese Fragen mit Ja beantworten, dann denke ich, dass Ihre Wahlentscheidung sehr klar ist. Wenn Sie nicht zustimmen, wenn Sie nicht denken, dass dieser Kurs, auf dem wir uns die letzten vier Jahre befunden haben auch der ist, auf dem Sie uns für die nächsten vier Jahre sehen wollen, dann kann ich eine andere Wahloption vorschlagen, die Sie haben…" (Übersetzung: Berliner Zeitung)

Angela Merkel am 4. September 2005 im Schluss-Statement des TV-Duells:
"Liebe Wählerinnen und Wähler, in zwei Wochen werden Sie Ihre Entscheidung über die Wahl fällen und vielleicht hilft Ihnen die Beantwortung einiger Fragen bei Ihrer Entscheidung: Geht es unserem Land heute besser als vor sieben Jahren, als Rot-Grün antrat? Ist das Wachstum höher? Ist die Arbeitslosigkeit niedriger? Und haben wir weniger Bürokratie? Sind unsere Rente, Pflege und Gesundheit sicherer? Wenn Sie alle diese Fragen mit Ja beantworten, dann haben Sie Ihre Wahlentscheidung wahrscheinlich gefällt. Aber wenn Sie Zweifel haben, wenn Sie nicht wollen, dass es einfach so weitergeht, dann haben Sie die Wahl mit CDU und CSU."