Bundeskanzler: Klarer Sieger im TV-Duell

Bundeskanzler Gerhard Schröder ist nach ersten Umfragen als klarer Sieger aus dem TV-Duell am Sonntagabend hervorgegangen. Alle vier von den verschiedenen Fernsehanstalten beauftragten Institute sahen den Bundeskanzler deutlich vor Angela Merkel.

Bei der Befragung der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF nannten 48 Prozent Schröder und nur 28 Prozent Merkel als Gewinner. Das Forsa-Institut, das für RTL 2.000 Zuschauer befragte, ermittelte sogar 54 Prozent für Schröder und nur 31 Prozent für die CDU-Vorsitzende. Nach einer weiteren Umfrage von Infratest dimap im Auftrag der ARD lag Schröder zur Halbzeit klar vorne. 49 Prozent fanden bis dahin den Kanzler überzeugender, 38 Prozent Unionskandidatin Merkel. Das Emnid-Institut schließlich registrierte für die Sender Sat.1 und N24 bei einer Befragung noch während der laufenden Fernsehdiskussion 52 Prozent für den Kanzler als Sieger und 32 für seine Gegenkandidatin.

Müntefering: Merkel hat mit sozialer Marktwirtschaft nichts zu tun
Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering hat den Auftritt der Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel beim TV-Duell am Sonntagabend scharf kritisiert. Ihre Äußerungen zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik hätten nichts mehr mit sozialer Marktwirtschaft zu tun, sagte Müntefering nach dem Duell. Merkel habe deutlich gemacht, dass unter den vom Unions-Steuerexperten Paul Kirchhof gemeinten „Leistungsträgern“
vor allem „die Millionäre“ gemeint seien, sagte Müntefering.

Als einen kräftigen Schub für die Aufholjagd des Bundeskanzlers und der SPD sieht der SPD-Bundesgeschäftsführer, Kajo Wasserhövel, das TV-Duell. Der Bundeskanzler sei in der Diskussion kraftvoll, mutig für seine Positionen eintretend und nah bei den Menschen gewesen und habe durch Kompetenz überzeugt, so die Einschätzung Wasserhövels. „Es war eine kalte Vorstellung von Frau Merkel. Es geht am 18. September um eine klare und wichtige Richtungsentscheidung für Deutschland.“

Auch Kurt Beck, stellvertretender SPD-Parteivorsitzender, sieht Gerhard Schröder als klaren Siegen des Duells: „Schröder hat gesprochen wie ein Kanzler, Frau Merkel wie eine Wahlkämpferin. Der Bundeskanzler war überzeugend und glaubwürdig. In seiner souveränen Art hat er auch die leeren Versprechungen und krassen Widersprüche der Union aufgezeigt.“ Schröder habe argumentiert und nicht polemisiert, so die Einschätzung Becks. „Ich bin überzeugt, dass er mit seiner klaren Haltung noch viele unentschlossene Wähler für die SPD gewinnen konnte.“

Thierse: Schröder ist handlungs- und führungsstarker Staatsmann
Der stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte nach dem Duell am Sonntagabend: „Die Bürgerinnen und Bürger haben Gelegenheit gehabt, die Positionen unmittelbar zu erfahren.“ Gerhard Schröder habe widerlegt, dass Rot-Grün gescheitert sei, denn er habe sich als handlungs- und führungsstarker Staatsmann präsentiert.

Der brandenburgische Ministerpräsident und Mitglied des Parteivorstandes Matthias Platzeck erklärte nach dem Duell, Schröder sei es insbesondere gelungen, Paul Kirchhof eindeutig zu entzaubern. „Der Bundeskanzler war in außenpolitischen Fragen deutlich überlegen, seiner Kompetenz hatte die Kandidatin nichts entgegenzusetzen“, so Platzeck.

Der Vorsitzende der Bayern-SPD und Mitglied des Parteivorstandes, Ludwig Stiegler, fasste das Ergebnis des TV-Duells in einem Satz zusammen: „Diese Diskussion zeigt: Einen solchen Kanzler tauscht man nicht gegen Frau Merkel aus.“

Schauen Sie sich hier die Fakten und Argumente zum TV-Duell aus dem Live Kommentarblog an.