Quo vadis Frau Merkel?

Zu den heutigen Äußerungen von dem für Familienpolitik zuständigen Mitglied im so genannten Kompetenzteam der Union, Ursula von der Leyen, in der heutigen „Berliner Zeitung“ über das Familienbild von Paul Kirchhof erklärt das SPD-Präsidiumsmitglied Andrea Nahles:

Das so genannte Kompetenzteam von Angela Merkel droht bereits jetzt an seinen unvereinbaren Gegensätzen zu zerbersten. Beispiel Familienpolitik: Ursula von der Leyen sollte ein modernes Frauen- und Familienbild repräsentieren – konnte sich aber bisher damit keinesfalls durchsetzen. Stattdessen durfte Kirchhof tagelang unwidersprochen seine altbackenen Vorstelllungen öffentlich ausbreiten. Dessen Credo lautet: „Die Mutter kümmert sich um die Familie – der Vater beschafft die ökonomischen Grundlagen“.

Entsprechend setzt auch das Wahlprogramm der Union einseitig auf finanzielle Entlastungen für Familien, in denen nur einer verdient. Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Ausbau der Kinderbetreuung: Fehlanzeige. Kein Wunder. Hatte Kirchhof 1993 doch noch geschrieben: „Verantwortliche Elternschaft und Erziehung erübrigt weitgehend staatliche Kinderbetreuung.“

In der Welt von Kirchhof und Co. brauchen verantwortungsvolle Mütter keine Kinderbetreuung. Das trifft auch die siebenfache Mutter Ursula von der Leyen. Sie will sich mit ihrer Rolle als Schaufensterfigur nicht mehr zufrieden geben und gibt ihrem Teamkollegen Kirchhof heute presseöffentlich Nachhilfe in Sachen partnerschaftliche Aufgabenteilung von Müttern und Vätern.

Wenn Frau Merkel wirklich meint, was sie heute in der „Bildwoche“ zu Karrierechancen von Frauen verkündet, dann muss sie ihren Steuermann Kirchhof eindeutig auffordern seine rückwärtsgewandten Positionen öffentlich zurück zu nehmen. Dies wird sie nicht tun, da in der CDU viele wie Kirchhof denken, aber nur wenige so wie es von der Leyen glauben machen will. Quo vadis Frau Merkel? Mit Doppelzüngigkeit wird die CDU bei Frauen und Familien nicht punkten können.