Tief in der Partei verwurzelt: Jochen Dieckmann will Orientierung geben

Jochen DieckmannJochen DieckmannJochen Dieckmann

Eine Verschnaufpause war Jochen Dieckmann nicht vergönnt. Unmittelbar nach der Wahl am 22. Mai ist der 57jährige für das Amt des Vorsitzenden der NRWSPD nominiert worden. Und so bestimmen weiterhin zahlreiche Termine das Leben des Mannes, der vor wenigen Wochen noch das Düsseldorfer Finanzministerium leitete. Für Jochen Dieckmann ist die neue Aufgabe an der Spitze der Partei freilich mehr Lust als Last: „Ich habe mich nicht gedrängt. Aber ich habe auch nicht gezögert, als man mich gefragt hat“, erklärt der hochgewachsene Bonner voller Optimismus und Selbstbewusstsein.

Es geht um viel. Und es bleibt wenig Zeit. Das weiß auch Jochen Dieckmann. Die Partei muss nach dem Verlust der Mehrheit im Düsseldorfer Landtag rasch neue Kräfte mobilisieren. „Wir müssen eher in Tagen als in Wochen lernen, was Opposition heißt“, sagt Jochen Dieckmann. Bei einer Bundestagswahl im Herbst komme es für Kanzler Gerhard Schröder entscheidend auf die Stimmen aus NRW an. Und für den leidenschaftlichen Jogger Dieckmann ist ebenso klar, dass sich die SPD im bevölkerungsreichsten Bundesland inhaltlich und organisatorisch schon heute so aufstellen muss, dass CDU und FDP bei der nächsten Landtagswahl wieder in der Opposition landen.

Es gehe nach der Wahlniederlage darum, „neue Orientierung zu geben und auch Führung zu zeigen“, sagt Jochen Dieckmann. Dass der Vater von vier Kindern über derartige Fähigkeiten verfügt, ist nicht nur in seiner Zeit als Hauptgeschäftsführer des Städtetages oder als Minister deutlich geworden. Dieckmann hat als langjähriger Ortsvereins- und Unterbezirksvorsitzender in Bonn auch entscheidenden Anteil daran gehabt, dass die Sozialdemokraten in der Bundesstadt stärkste Partei werden konnten. Mit seinem ausgleichenden Wesen hat er stets Gräben zugeschüttet, die Menschen zusammengeführt. Seine Arbeit ist äußerst effizient und zielorientiert. Er ist ein Mann der leisen Töne. Seine Entschlossenheit sollte man deshalb aber nicht unterschätzen. Jochen Dieckmann ist tief in der Partei verwurzelt. Schon in der Schule nannte man ihn den „roten Jochen“. In die SPD trat er 1974 ein, nach dem Ende der Kanzlerschaft Willy Brandts – als eine Art Trotzreaktion, wie er gerne bekennt. Er ist stolz auf die Geschichte der Partei, auf ihre Werte und ihre Wurzeln. Die alten Arbeiterlieder kennt er nicht nur. Er singt sie auch gerne und spielt Gitarre dazu. Auf Antrag seines Ortsvereins entschied der Bundesparteitag Ende der 80er Jahre, dass die Delegierten im Anschluss an künftige Parteikongresse wieder ein Lied singen sollten. Traditionsbewusstsein wird bei Jochen Dieckmann groß geschrieben. Den Blick für die Realitäten hat er aber nie verloren.

Entspannen kann Dieckmann am besten mit einem guten Buch. Ansonsten versucht er, in der spärlich bemessenen Freizeit so viel Zeit wie möglich mit Kindern und Enkeln zu verbringen. Und natürlich mit seiner Frau Bärbel. „Aber auch das müssen wir organisieren“, sagt er lächelnd. Denn bei ihr handelt es sich um niemand anderen als die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann, die auch im Präsidium der SPD sitzt.