Jetzt gilt’s: Die NRWSPD startet in den Landtagswahlkampf

Selbstbewusst und kämpferisch nimmt die NRWSPD Kurs auf die Landtagswahl am 22. Mai. Vor 8.000 Zuschauern in der Dortmunder Westfalenhalle fiel am Samstag der offizielle Startschuss für die heiße Phase des Wahlkampfs 2005.

Die Veranstaltung wurde mit einem bunten Kulturprogramm eingeläutet, das von Kabarett über Pop und Rock bis Schlager für jeden Geschmack etwas bot. Das Dortmunder Original Bruno „Günna“ Knust sorgte mit seinen augenzwinkernden Kommentaren für gute Laune, die Combo Geierabend griff in ihren Liedern das Lebensgefühl im Revier auf und Popbarde Cosmo Klein fiel vor der Delegation der SPD-AG 60+ auf die Knie. Michael Holm versetzte mit seinen Evergreens die Halle ins Schunkeln, bevor das Rockorchester Ruhrgebeat die passende fetzige Überleitung zur eigentlichen Kundgebung lieferte.

Zunächst hob der Dortmunder Oberbürgermeister Gerhard Langemeyer (SPD) in einer kleinen Talkrunde die Erfolge hervor, die der Strukturwandel in der Stadt gezeigt habe. Nach der Vorführung des Imagefilms „Unser starkes Land“ machte sich knisternde Spannung breit, bis die vier Hauptakteure des Abends – NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück, Bundeskanzler Gerhard Schröder, SPD-Vorsitzender Franz Müntefering und NRWSPD-Vorsitzender Harald Schartau – unter tosendem Applaus die Halle betraten. Minutenlang feierten die Zuschauer die prominenten Gäste.

Zum Auftakt ergriff Harald Schartau das Wort. Der Vorsitzende der NRWSPD stellte fest, dass die Zeit des Wartens vorbei sei – der Wahlkampf habe begonnen: „Jetzt wird ins Becken gesprungen!“ rief Schartau den Besuchern und mit ihnen allen Wahlkämpfern der NRWSPD zu. Ausdrücklich begrüßte er den Bundeskanzler in der Westfalenhalle: „Gerd, das ist die Party für dich!" Daraufhin stimmten die 8.000 Zuschauer spontan ein herzliches „Happy Birthday“ an, das Gerhard Schröder, der zwei Tage zuvor 61 Jahre alt geworden war, sichtlich überraschte.

Als Spitzenkandidat der NRWSPD richtete Ministerpräsident Peer Steinbrück einen kämpferischen Blick nach vorn. Er machte deutlich, dass nur mit der SPD der soziale Zusammenhalt im Land bei gleichzeitiger Aufrechterhaltung des Reformkurses gewährleistet sei. So dürfe beispielsweise die Bildung der Kinder auch in Zukunft nicht vom Portemonnaie der Eltern abhängen. Im persönlichen Vergleich mit seinem Herausforderer stellte der Ministerpräsident fest: „Ich habe mehr Zukunftsperspektiven und mehr Zuverlässigkeit zu bieten als der ehemalige Zukunftsminister des ehemaligen Bundeskanzlers Kohl“. Peer Steinbrück wandte sich außerdem gegen die Schwarzmalerei der Opposition: „Die wollen Panik machen. Wir wollen Politik machen. Das ist der Unterschied in diesem Wahlkampf“. Nordrhein-Westfalen könne sich sehen lassen. Würde es sich heute für unabhängig erklären, wäre es die sechststärkste Wirtschaftsmacht in der EU, bilanzierte der Ministerpräsident stolz. Steinbrück betonte, für den Wahlsieg sei eine gute Mobilisierung entscheidend. Er rief alle Anhänger der SPD auf, dabei mitzuhelfen – dann sei er sich sicher: „Wir können gewinnen!“ Die Zuschauer quittierten Steinbrücks Rede mit vierminütigen stehenden Ovationen.

Bundeskanzler Gerhard Schröder verteidigte den mit der Agenda 2010 verfolgten Reformkurs. Mit Nachdruck appellierte der Bundeskanzler darüber hinaus an die Wirtschaft, sich nicht aus der Verantwortung für die Schaffung neuer Arbeitsplätze zu ziehen. Schröder erinnerte schmunzelnd daran, dass sich Edmund Stoiber zu einem vergleichbaren Zeitpunkt – nämlich sechs Wochen – vor der Bundestagswahl 2002 bereits überall als „Herr Bundeskanzler“ habe anreden lassen. „Lasst uns eine Vereinbarung treffen: Genauso wie wir das Rennen damals umgedreht haben, machen wir es diesmal auch.“

Mit einer temperamentvollen, engagierten Rede gab Franz Müntefering den Wahlkämpfern einen weiteren Motivationsschub auf den Weg. Mit Blick auf den CDU-Spitzenkandidaten Jürgen Rüttgers machte der SPD-Vorsitzende klar: „Dieses Land darf nicht von einem Weichei regiert werden“. Auch wandte er sich gegen die Haltung des bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber, alles besser wissen zu wollen: „Der sollte sich nicht so aufblasen. Was hier in NRW zu tun ist, wissen wir alleine.“ Schließlich habe Bayern seinen wirtschaftlichen Aufstieg in den 50er und 60er Jahren nur durch die Ausgleichszahlungen aus Nordrhein-Westfalen geschafft. Müntefering bilanzierte unter dem begeisterten Applaus der Besucher: „Verstecken muss sich Nordrhein-Westfalen nicht!“

In die stehenden Ovationen der Zuschauer hinein versammelten sich die Landtagskandidaten der NRWSPD zu einem abschließenden Gruppenbild mit Peer Steinbrück, Gerhard Schröder, Franz Müntefering und Harald Schartau. Die Botschaft ist klar: Die NRWSPD zieht geschlossen und motiviert in den Landtagswahlkampf.