„Die SPD in Nordrhein-Westfalen wird sich zu 100 Prozent in die Kurve legen.“

Vorwärts: Harald Schartau, in welcher Stimmung starten Sie in den Wahlkampf?

Harald Schartau: In guter Stimmung. Ich lasse mich nicht beeindrucken vom Auf und Ab der Meinungsumfragen oder Diskussionen, ob das Ende des rotgrünen Zeitalters gekommen ist und wie sich die Wahlen in Schleswig-Holstein auf NRW auswirken. NRW ist NRW, hier werden die Wahlen entschieden. Wir liegen als SPD zu einem Zeitpunkt, an dem die heiße Phase des Wahlkampfes noch nicht begonnen hat, mit unserem Koalitionspartner vier Punkte hinter der Opposition. Unser Spitzenkandidat liegt weit vor dem der Gegenseite. Und seit der Kommunalwahl weiß jeder in Nordrhein-Westfalen: Wenn die SPD hier anfängt zu kämpfen, sind wir unschlagbar.

Vorwärts: Also eigentlich eine gute Ausgangsposition?

Harald Schartau: Nein, wir liegen ja zurück und
müssen uns nach der Decke strecken. Wir müssen richtig etwas tun. Aber ich bin zuversichtlich, dass wir einen guten Wahlkampf hinlegen werden.

Vorwärts: Für Sie hat er schon begonnen, Sie haben bereits viele Gespräche mit Bürgern hinter sich. Was beschäftigt die Leute?

Harald Schartau: Arbeitslosigkeit ist ein großes
Thema, immer noch die Renten, Hartz IV und die Frage: „Wie geht es weiter?“ Es herrscht unverändert eine große Verunsicherung, was den Reformkurs angeht.

Vorwärts: Als Wirtschafts- und Arbeitsminister
sind Sie da ja der richtige Ansprechpartner. Klären Sie uns doch mal über den „Faktor Q“ in Nordrhein-Westfalen auf.

Harald Schartau: Das ist die Qualifikation der Bürger und für mich einer der wichtigsten Punkte, wenn es um die Frage geht, wo investiert werden muss. Qualifizierung ist nötig, um einerseits die persönliche Beschäftigungsfähigkeit hoch zu halten, und andererseits, um als Unternehmen mit anderen mithalten zu können. Wir haben eine ausgezeichnete Weiterbildungslandschaft, es fehlt aber die Verknüpfung mit den vielen kleinen und mittelständischen Betrieben. Das wollen wir verbessern.

Vorwärts: Von solchen Kleinunternehmen soll es bald noch mehr geben, Sie wollen NRW zum gründerfreundlichsten Land machen.

Harald Schartau: Uns fehlt noch eine breite Basis
an mittelständischen Betrieben, die den Strukturwandel von wenigen großen zu vielen kleinen Unternehmen beschleunigt. Unsere Bemühungen wirken sich schon positiv aus, die Wachstumsrate für Selbstständigkeit lag 2004 deutlich über der vieler anderer Bundesländer. Wir lassen da auch nicht ab, wir verringern die Bürokratie, verstärken die Beratung und erleichtern die Finanzierung.

Vorwärts: Wird es der SPD gelingen,die Verunsicherung der Wähler in Vertrauen zu verwandeln?

Harald Schartau: Ich bin fest überzeugt, dass wir
die Wahlen am 22. Mai gewinnen können, wenn wir uns 100 Prozent in die Kurve legen.