Rücktritt allein reicht nicht – Julis müssen sich von den Äußerungen Jan Dittrichs distanzieren

Das ist perfide Generationenhetze der Jugendorganisation der FDP. Unter der Überschrift „Alte gebt den Löffel ab!“, heißt es im Text der Presseerklärung vom 2. März 2005 des Bundesvorsitzenden Jan Dittrich: Die Alten leben auf Kosten der Jungen. […] Er wird Zeit, dass die Alten von ihrem Tafelsilber etwas abgeben – einen Löffel oder besser gleich ein paar davon.“

Hier geht die Saat der Wirtschaftsliberalen auf. Sie sehen den Menschen lediglich als Kostenfaktor. Ihre Konsequenz: Wachsende Lasten = finanzielle Grenzen. Die ausschließliche ökonomische Betrachtungsweise verliert die soziale Dimension aus dem Blick, den natürlichen Zusammenhalt zwischen den Menschen und die Solidarität zwischen den Generationen.
Da ist es kein Wunder dass ein junger FDP-Politiker glaubt, die Alten als Zukunftsdiebe der jungen Generation hinstellen zu können. Hier schmiedet jemand ein egoistisches und menschenverachtendes Komplott gegen die Alten. Hier lässt jemand nicht nur jeden Anstand vermissen, er muss sich auch sagen lassen, dass er die Realität nicht kennt.

Realität ist: In großem Umfang fließen Ströme an Geld, Sachmitteln und persönlichen Hilfen von den Älteren zu den Jüngeren. Das Ergebnis mehrerer Studien zeigt: Die 60- bis 85-Jährigen gaben in einem Jahr insgesamt 17,2 Milliarden Euro an ihre Kinder und Enkel. Immerhin 5 Prozent der Älteren geben jährlich mehr als 10.000 Euro weiter. Das Erbe ist hier noch nicht einmal eingerechnet, sondern nur die Transferleistungen zu Lebzeiten.

Im Ehrenamt, in der Pflegearbeit und Kinderbetreuung arbeiten 60- 85-Jährige rund 3,5 Milliarden Stunden. Bei einem durchschnittlichen Stundenlohn lässt sich der Wert auf etwa 41,3 Milliarden Euro beziffern. Das entspricht über 20 Prozent der jährlich geleisteten Zahlungen aus der gesetzlichen Altersvorsorge.

Allein dies zeigt, die Thesen – Die Alten leben auf Kosten der Jungen – Die Alten sind Zukunftsdiebe – sind falsch, sie versuchen unnötige Ängste zu schüren und gehören eindeutig in das Reich der Märchen und Legenden.

Wer aber, wie Jan Dittrich, als junger FDP-Politiker auf der Basis falscher Vorstellungen und Fakten wie ein Elefant im Porzellanladen die Generationen entzweien will, der musste sich nicht nur entschuldigen, der musste auch von seinen politischen Ämtern zurücktreten.

Es bleibt nur zu hoffen, dass damit auch seine abstrusen Vorstellungen von der Jugendorganisation der FDP endgültig ins Abseits gestellt werden.