„Wir werden in den Freibädern auftauchen“

DÜSSELDORF. Nach dem dramatischen Absturz bei der Europa-Wahl regiert in der NRWSPD die nackte Angst. Drei Monate vor der Kommunal- und elf Monate vor der Landtagswahl steht die Partei mit dem Rücken zur Wand. Über die Lage der SPD sprach Frank Uferkamp von der Westdeutschen Zeitung mit dem Landeschef der NRWSPD Harald Schartau.

Westdeutsche Zeitung:
Herr Schartau, haben Sie sich von der Ohrfeige am Sonntag erholt?

Schartau:
Ich zumindest habe so langsam verdaut, was da passiert ist. Das Wundenlecken muss vorbei sei, die Blickrichtung muss nach vorne gehen. Unser großes Ziel ist die Kommunalwahl im September.

Westdeutsche Zeitung
Wie wollen Sie die schönen Parolen mit Inhalt füllen?

Schartau:
Wir treffen uns am heutigen Samstag in Oberhausen mit allen Unterbezirkschefs und den kommunalen Spitzenkandidaten. Wir werden dort kurz die unschöne Lage analysieren und uns dann für den politischen Kampf rüsten.

Westdeutsche Zeitung:
Wie?

Schartau:
Wir werden eine Oberhausener Erklärung verabschieden, die ein klares Signal der Geschlossenheit und des Aufbruchs sein wird. Und wir werden klarstellen, dass uns Personaldiskussionen auch mit Blick auf Berlin überhaupt nicht weiterhelfen, sondern schwer schaden. Manches was in der abgelaufenen Woche gesagt wurde, war mehr als unglücklich.

Westdeutsche Zeitung:
Es sind nur noch drei Monate bis zur Kommunalwahl. Reicht die Zeit?

Schartau:
Sicher ist die Zeit knapp. Aber wir müssen keine Angst vor der CDU haben. Denn das Ergebnis bei der Europawahl belegt, dass niemand von unseren Wählern zur CDU übergelaufen ist. Unsere Leute sind zu Hause geblieben. Daraus müssen wir lernen.

Westdeutsche Zeitung:
Wie wollen Sie die Distanz zwischen Ihrer Partei und Ihrer Klientel überwinden?

Schartau:
Die werden wir rein physisch überwinden, indem wir auf die Bürger zugehen. Wir werden in den Stadtteilen präsent sein, an die Haustüren gehen. Die SPD wird auch in den Freibädern auftauchen. Und wir werden klarstellen, dass die CDU nichts zu bieten hat, dass sie eine brutale Umverteilung von unten nach oben plant.

Westdeutsche Zeitung:
Was erwarten Sie an Hilfe von Ihren Parteifreunden aus Berlin?

Schartau:
Solidarität, Unterstützung und Geschlossenheit. Es darf kein Gegeneinander geben, das wird von den Wählern gnadenlos bestraft.

Westdeutsche Zeitung:
Ministerpräsident Peer Steinbrück hat angekündigt, sich im Falle einer SPD-Niederlage bei der Landtagswahl im kommenden Mai ganz aus der Politik zu verabschieden. Was sagen Sie dazu?

Schartau:
Das ist eine ganz persönliche Äußerung von Peer Steinbrück. Die habe ich nicht zu kommentieren. Doch ich garantiere, dass dieser Fall nicht eintritt.