Viel Applaus für eine überzeugte Demokratin: Gesine Schwan in Düsseldorf

Silvia Löhrmann, Gesine Schwan , Edgar Moron
Silvia Löhrmann, Gesine Schwan, Edgar Moron
27.04.2004 Gesine Schwan zu Besuch in Düsseldorf
Gesine Schwan zu Besuch in Düsseldorf

Gesine Schwan, die Kandidatin von Rot-Grün für das Amt der Bundespräsidentin, besuchte heute im Düsseldorfer Landtag die Fraktionen von SPD und Bündnis 90/Die Grünen. Dort kam sie mit den Wahlmännern und –frauen zusammen, die am 23.05.2004 eine neue Bundespräsidentin/ einen neuen Bundespräsidenten wählen. Ihre zentrale Aufgabe im Falle einer Wahl am 23. Mai sieht Schwan darin, "zu helfen, Vertrauen in demokratische Politik wieder herzustellen".
Als Bundespräsidentin will sie wieder mehr Vertrauen in unsere Demokratie schaffen und die Zuversicht der Menschen stärken. Dazu bedürfe es der Ehrlichkeit und klarer Worte. Unsere Gesellschaft müsse einen Aufbruch wagen. Die begonnen Reformen müssen fortgesetzt werden, doch dabei dürfe niemand auf der Strecke bleiben. Soziale Gerechtigkeit sei und bleibe ein wichtiger Wert.

"Den gesellschaftlichen Wandel gestalten"
Das gesellschaftliche Umfeld der Politik wolle sie mit prägen und die Kraft des Gemeinsinns in unserem Land stärken. Gleichzeitig will sie die Bürgergesellschaft dazu ermutigen, ihre Angelegenheiten selbstbewusst und selbstbestimmt zu regeln.

Gesine Schwan versteht sich als eine Moderatorin für gesellschaftliche Fragen und Konflikte, als Mittlerin zwischen den verschiedenen Kulturen und Interessengruppen in unserem Land. Dabei wolle sie Probleme offen benennen und analysieren, denn nur so könne Politik vernünftige Entscheidungen treffen. Hierfür bedarf es einer neuen sachorientierten Streitkultur. Erst durch diese werde Gemeinsamkeit in Solidarität möglich.

„Bildung ist für mich kein handelbares Produkt“
Positiv äußerte sich Gesine Schwan hinsichtlich einer Öffnung der Universitäten gegenüber der Wirtschaft. Bildung sei jedoch keineswegs nur etwas, das man einfach mechanisch produziere, als Produkt absetzen oder konsumieren könne. Das sei eine völlig falsche Idee von Bildung.
Schwan sagte, Universitäten und Forschungsinstitute sollten ihren Beitrag leisten, um eigenständig Geld zu erwirtschaften. Dies könne unter anderem durch Erfindung oder Entwicklung innovativer Produkte geschehen, die auf dem freien Markt abgesetzt werden könnten. Dagegen sei grundsätzlich nichts einzuwenden. Bildung müsse sich jedoch vor allem darauf konzentrieren, Persönlichkeiten auszubilden, damit wir auch künftig demokratisch, freiheitlich und gerecht zusammenleben können.

„In der EU-Osterweiterung stecken viele Chancen“
Die EU-Osterweiterung am 1. Mai 2004 sieht die Bundespräsidentenkandidatin als eine große Chance. Man müsse den Menschen die Angst vor dem Beitritt der neuen Mitgliedsstaaten nehmen und den Sorgen und Ängsten mit der nötigen Ernsthaftigkeit begegnen.
„Das Bedrohungsgefühl muss man überwinden, indem man Grenzen überschreitet und gemeinsame Interessen entwickelt.“ Wenn beispielsweise Unternehmen aus Deutschland mit polnischen oder tschechischen Unternehmen gemeinsame Projekte entwickeln, können Vorbehalte abgebaut und die Erfahrungen des Anderen genutzt werden. „Aber man muss auf den anderen zugehen, statt sich bedroht zu fühlen“.

„Dass die Leute mit 45 keinen neuen Job mehr finden, ist inhuman“
Gesine Schwan warnte vor einem wachsenden Jugendwahn in der Gesellschaft.
Gerade in Unternehmen sei es heute keine Seltenheit mehr, nur noch junge, karriere-orientierte Menschen einzustellen, wodurch die älteren Generationen das Nachsehen haben. „Dass die Leute mit 45 keinen neuen Job mehr finden, ist inhuman“, so Schwan. Die Bruchlinie zwischen Jung und Alt müsse überwunden werden.

Viel Applaus von allen Seiten für Gesine Schwan
Ihre Vorstellung schloss Gesine Schwan mit dem Wunsch, zusammen mit allen Bürgerinnen und Bürgern für einen neuen Grundkonsens in unserem Land eintreten zu wollen.

Am Ende gab es viel Beifall für eine sehr humorvolle und intelligente Demokratin. Unter den Wahlmännern und –frauen war spätestens nach diesem Treffen mit Gesine Schwan klar: Sie ist die richtige Bundespräsidentschaftskandidatin.