NRW setzt Bildungsoffensive fort: Mehr Unterrichtszeit in der Sekundarstufe I – „Mehr Zeit für alle Schüler ermöglicht bessere Förderung und ein Abitur nach 12 Jahren“

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NRW setzt die Bildungsoffensive fort

In Nordrhein-Westfalen wird der Unterricht für Schülerinnen und Schüler aller Schulformen in den Klassen fünf bis zehn ab 2005 schrittweise ausgeweitet und gleichzeitig das Abitur nach zwölf Jahren eingeführt. "Wir verbessern für alle Jugendlichen die Rahmenbedingungen ihrer Schulausbildung. Wir geben den Leistungsschwächeren die Zeit für zusätzliche Förderung und ermöglichen es gleichzeitig den Leistungsstarken, ihre Potentiale besser zu entfalten. Parallel zur Ausweitung der Unterrichtszeiten führen wir das Abitur nach zwölf Jahren ein", erklärte Ministerpräsident Peer Steinbrück auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Ministerin für Schule, Jugend und Kinder in NRW, Ute Schäfer. "Damit setzen wir unsere Bildungsoffensive in NRW fort", sagte der Ministerpräsident. "Das alles dient dem Ziel, das Niveau der Gesamtleistung zu heben, die Durchlässigkeit des Schulsystems zu fördern und die Ausbildungs- und Studierfähigkeit unserer Kinder entscheidend zu verbessern."

NRW rückt in die Spitze vor

Die Unterrichtszeit für alle Schüler soll vom Schuljahr 2005/2006 an schrittweise ausgedehnt werden – und zwar so, dass Jahr für Jahr ein bis zwei Stunden Unterricht hinzukommen. In der Summe der Jahrgangsstufen fünf bis zehn macht das mindestens neun Wochenstunden aus. NRW wird damit künftig auch bundesweit eine Spitzenposition einnehmen.

Die Erweiterung des Unterrichts bietet einerseits die Grundlage dafür, den Weg bis zum Abitur um ein Jahr zu verkürzen, denn somit werden auch künftig durch den Umfang des Unterrichts die Voraussetzungen für eine bundesweite Anerkennung des Abiturs erfüllt. Da die zusätzliche Unterrichtszeit aber nicht auf die Gymnasien begrenzt ist, sondern alle Schulformen davon profitieren, bildet sie zudem die Grundlage für eine verbesserte Förderung aller Schülerinnen und Schüler.

Ministerin Schäfer erinnerte daran, dass eines der ernüchterndsten Ergebnisse von PISA die Erkenntnis gewesen sei, dass es in Deutschland eine zu große Gruppe leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler gebe. "Das ist ein Zustand, den wir uns nicht leisten können. Wir müssen unseren ganzen Ehrgeiz daran setzen, hier zu besseren Ergebnissen zu kommen, dafür zu sorgen, dass möglichst alle Jugendlichen einen Schulabschluss machen, dass keiner verloren geht."

Ministerin Schäfer wies darauf hin, dass für die Ausdehnung der Unterrichtszeit in der Sekundarstufe I auf alle Schülerinnen und Schüler rund 1400 mehr Lehrer nötig sind, als wenn der zusätzliche Unterricht nur auf angehende Abiturienten konzentriert würde. Zusätzliche Lehrer-Planstellen seien aber nicht nötig, da in den kommenden Jahren die Schülerzahl allmählich sinken werde. Allerdings lege sich die Landesregierung schon jetzt fest, dass ein Großteil der Ressourcen damit in den Schulen bleibe. "Diese Festlegung im Interesse aller Kinder und Jugendlichen ist die Basis, auf der unsere bildungspolitischen Reformen aufbauen und ihre Wirkung entfalten können", betonte die Ministerin.

Lehrpläne werden entfrachtet

Die zusätzliche Unterrichtszeit in den Klassen fünf bis zehn soll nicht dazu dienen, in kürzerer Zeit denselben Stoff durchzunehmen. Schäfer kündigte an, dass die Lehrpläne überarbeitet und entfrachtet sowie auf das Wesentliche konzentriert werden sollen. Dafür böten die von den Kultusministern der Länder beschlossenen Bildungsstandards ebenso eine gute Grundlage wie die Kernlehrpläne, die zur Zeit für NRW aus diesen Standards abgeleitet würden.

Die Gymnasien in Nordrhein-Westfalen sollen mit dem Schuljahr 2005/2006 auf die verkürzten Bildungsgänge zum Abitur umgestellt werden. Das heißt, dass alle Schülerinnen und Schüler, die dann in die fünfte Klasse kommen, nur noch acht Jahre bis zum Abitur benötigen werden. Die Gymnasien sollen aber auch, wenn sie es wollen, in diesem Schuljahr zusätzlich die sechsten Klassen auf dem Weg zu einem schnelleren Abitur mitnehmen können. Die gymnasiale Oberstufe wird dann später auf zwei Jahre verkürzt. "Wir wollen auf dem Weg zum Abitur aber keine Hürden aufbauen, denn Deutschland braucht mehr und nicht weniger junge Menschen, die studieren können", betonte Schäfer. "Deshalb soll es auch künftig dreijährige gymnasiale Oberstufen geben – vornehmlich an den Berufskollegs. Wir wollen es den Kommunen aber ermöglichen, an Gesamtschulen und einzelnen Gymnasien ein optionales Förderjahr anzubieten. Dadurch bieten sich insbesondere für leistungsstarke Haupt- und Realschüler Möglichkeiten, das Abitur zu machen. Damit wahren wir nicht nur die Durchlässigkeit unseres Schulsystems, sondern legen die Grundlage dafür, dass sich mittelfristig die Zahl der Abiturienten erhöhen kann."

Quelle: Ministerium für Schule, Jugend und Kinder