Zur Nominierung von Gesine Schwan für das Amt der Bundespräsidentin, erklärt Harald Schartau, Landesvorsitzender der NRWSPD:

Prof. Dr. Gesine Schwan
Prof. Dr. Gesine Schwan

"Die NRWSPD unterstützt ausdrücklich den Vorschlag der Rot-Grünen Koalition, Frau Prof. Dr. Gesine Schwan zur Präsidentschaftskandidatin zu benennen.
Gesine Schwan ist eine engagierte und glaubwürdige Frau, die für ein modernes, aufgeschlossenes und europäisches Deutschland steht.

Bei allen Verdiensten von Herrn Köhler ist es an der Zeit, dass endlich eine profilierte Frau Bundespräsidentin wird."

Rotgrüne Koalition nominiert Gesine Schwan

Die rotgrüne Koalition hat die Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan als Kandidatin für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen. Die Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt/Oder sei „sehr glaubwürdig“, sagte Bundeskanzler Gerhard Schröder am Donnerstag in Berlin. Sie habe zudem immer wieder bewiesen, dass sie eine „gesellschaftspolitisch engagierte Gesprächspartnerin“ sei.

Schröder lobte die europapolitische Kompetenz von Schwan. Diese sei völlig unbestritten. Insbesondere bei der deutsch-polnischen Versöhnung habe sie sich einen Namen gemacht. Der Kanzler nannte die Politikwissenschaftlerin „wirklich erste Wahl“. Er werde dafür arbeiten, dass die SPD-Politikerin Bundespräsidentin wird, fügte er hinzu. Die Entscheidung für ihre Nominierung sei am Morgen in Absprache mit der SPD- und der Grünen-Spitze gefallen.

Gesine Schwan ist seit 1972 SPD-Mitglied. Sie lehrte lange Zeit am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und war auch Mitglied der SPD-Grundwerte-Kommission.

Das Gerangel bei der Kandidatensuche von Union und FDP wollte Schröder nicht kommentieren. Der Umgang von Union und FDP mit Ex-CDU-Chef Wolfgang Schäuble kommentiere sich fast von selbst. Die Art und Weise, wie dort mit Spitzenpositionen und -personen umgegangen werde, verrate auch etwas über den Umgang mit Politik und Menschen insgesamt.

Lebenslauf: Prof. Dr. Gesine Schwan – Politologin, Präsidentin der Viadrina in Frankfurt/Oder

"Ich will eine Brücke bauen", umschreibt Gesine Schwan ihre Aufgabe als Präsidentin der Viadrina in Frankfurt/Oder.

  • geboren am 22. Mai 1943 in Berlin, katholisch, 2 Kinder, verwitwet seit 1989.
    Gesine Schwan stammt aus einem sozial engagierten Elternhaus, das im Nationalsozialismus zu protestantischen und sozialistischen Widerstandskreisen gehörte und sich nach dem Krieg für die Freundschaft mit Polen einsetzte. Die Eltern hatten im letzten Kriegsjahr ein jüdisches Mädchen versteckt.

    Ausbildung

  • Besuch des Französischen Gymnasiums in Berlin, Abitur 1962
  • ab 1962 Studium der Politikwissenschaft, Romanistik, Geschichte, und Philosophie in Berlin und Freiburg/Breisgau. Studienaufenthalte in Warschau und Krakau zur Vorbereitung der Dissertation über den polnischen Philosophen Leszek Kolakowski
  • 1970 Promotion, Titel der Dissertation: Leszek Kolakowski. Eine politische Philosophie der Freiheit nach Marx

    wissenschaftliche und politische Tätigkeit

  • 1971 Assistenz-Professorin am Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin
  • 1975 Habilitation
  • seit 1977 Professorin für Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, Themenschwerpunkte: politische Theorie und Philosophie
  • von 1977-1984 Mitglied der Grundwertekommission beim Parteivorstand der SPD; seit Frühjahr 1996 erneut Mitglied der Grundwertekommission; SPD-Parteimitglied seit 1972
  • 1985-1987 Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft
  • 1993-1995 Dekanin des Fachbereichs Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin
  • 1993 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse
  • seit Oktober 1999 Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).Die Viadrina wurde 1991 wieder gegründet, der Studienbetrieb wurde 1992 aufgenommen. An den drei Fakultäten Rechtswissenschaften, Wirtschaftswissenschaften und Kulturwissenschaften sind Studenten aus über 30 Nationen immatrikuliert, darunter über ein Drittel aus Polen. Die Viadrina fördert die deutsch-polnische Partnerschaft in Forschung und Lehre.
  • 2002 Verleihung des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • hohe internationale Reputation: Lehraufträge u. a. in Washington, Cambrigde und New York
    -1980-1981 Fellow am Woodrow Wilson Center for Scholars in Washington D.C.
    – 1984 Visiting Fellow am Robinson College in Cambridge (GB)
    – 1998 Visiting Professor an der New School for Social Research in New York
  • wissenschaftliche Veröffentlichungen zu normativen Fragen der Demokratie und des Sozialismus, zur politischen Ideengeschichte, zur politischen Psychologie. Publizistische Veröffentlichungen zur Berlin-, Deutschland-, Entspannungs- sowie Europapolitik.

    Liberalität und Eintreten für eine offene Gesellschaft sind immer Richtschnur der Arbeit von Gesine Schwan gewesen. Sie steht für die Vertiefung der europäischren Einigung, insbesondere für die engen deutsch-polnischen Beziehungen.