Interview der Woche mit Harald Schartau, NRW-Wirtschafts- und Arbeitsminister und SPD-Landesvorsitzender

Harald Schartau

Volker Wagener:
Herr Minister Schartau, drei Autostunden von Düsseldorf entfernt, bei herrlichem Sonnenschein an der holländischen Nordseeküste: Bekommen Sie hier den Abstand zu den Problemen Ihrer Partei, die sie sicherlich unbestritten derzeit hat?

Harald Schartau:
Ich bekomme hier Abstand zu allem, deshalb fahre ich ja an die Nordseeküste. Aber die Gedanken sind natürlich bei den drängenden Fragen, die ich in Düsseldorf zurückgelassen habe.

Wagener:
Es ist jetzt gerade eine Woche her, dass Ihr Landesverband seinen Parteitag in Bochum abgehalten hat – mit Franz Müntefering, mit Kanzler Gerhard Schröder. Es war der erste gemeinsame Auftritt nach der großen Personalentscheidung, dem Stabwechsel von Schröder an Franz Müntefering. Wie würden Sie mit diesem zeitlichen Abstand sozusagen den Tenor dieses Parteitages benennen wollen? War das jetzt ein kleines Nachsteuern am Kurs, oder war das jetzt schon die große Korrektur, der Aufbruch?

Schartau:
Zunächst war der Parteitag absolut bundespolitisch dominiert. Das wollten wir aber auch. Wir wollten gerade den beiden die Möglichkeit geben, auch öffentlich zu präsentieren, wie sie sich ihre Aufgabenteilung denken. Das haben sie gut gemacht. Der Kanzler ist als Kanzler mit einer enormen Entschlossenheit aufgetreten. Franz Müntefering, der natürlich zum großen Teil ein Heimspiel hatte, fand auch seine Rolle. Insofern war das für die SPD insgesamt ein ganz wichtiger Anlass. Dahinter sind landespolitische Themen zwar zurückgegangen, das war aber in dieser politischen Situation auch nicht anders zu machen. Die Frage des Verhältnisses der Reformen zu der Kritik daran – da kann man im Augenblick nur folgendes sagen: Wenn man diese Art von Reformen beginnt, dann kann man zwischendurch nicht sagen, wir hören damit wieder auf, weil jeder wusste, es handelt sich um Reformen, die aufgestaut waren, die über zehn, fünfzehn, zwanzig Jahre zwar oft beredet, aber nie angepackt worden sind. Und jeder wusste auch: Das sind Reformen, für die man keinen Applaus bekommt, weil die aktuellen Einschnitte die mittelfristige Perspektive überlagern. Aber, um es noch einmal zusammenzufassen: An dem Kurs selbst, an der Richtung selbst wird und kann die SPD nichts verändern. Da kann man nicht mal versuchen, wie es ankommt, sondern da muss man eine Richtung im Kopf haben und die dann auch konsequent gehen.
(…) Quelle: Deutschlandfunk (www.dradio.de)