Nach dem Fall Gersters: Interview mit Harald Schartau, Minister für Wirtschaft und Arbeit NRW

Harald Schartau

Moderator (Achim Schmitz-Forte):
Der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Florian Gerster, ist am Wochenende im eigenen Verwaltungsrat regelrecht gedemütigt und demontiert worden. 20 zu 1 hieß das Stimmenergebnis im Verwaltungsrat der Bundesagentur, mit dem dieser Verwaltungsrat dem Chef das Misstrauen ausgesprochen hat. Daraufhin hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement ihn entlassen – entlassen müssen. Florian Gerster saß gestern Abend in einer Talkshow bei "Sabine Christiansen" und stellte seine Sicht der Dinge dar. Er hat gesagt, "ich bin das Opfer einer Kampagne geworden". Harald Schartau ist Minister für Wirtschaft und Arbeit in Nordrhein-Westfalen. Ihn habe ich heute Morgen gefragt: Stimmt das, hat eine unheilige Allianz von Arbeitgebern und Gewerkschaftern Gerster aus dem Amt gejagt?

Schartau:
Dass er diese Sichtweise präsentiert, ist sicherlich auch damit in Verbindung zu bringen, dass das Ende seiner Laufbahn bei der Bundesanstalt für Arbeit natürlich jetzt sehr schmerzlich war. Ich sehe die Dinge anders. Ich glaube, dass es ein Schrecken ohne Ende gewesen wäre, wenn Florian Gerster weiter an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit gewesen wäre. Und vor allen Dingen hätte es den Reformprozess, in dem wir mittendrin sind, immer wieder auf diese Fragen gelenkt, die sich um die Person des Vorstandsvorsitzenden gerankt haben. Und das hätte von den eigentlichen Fragen um den Arbeitsmarkt abgelenkt.
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