Kein Applaus für bittere Medizin

NRZ:
Herr Schartau, wenn Sie noch Chef der NRW-Metaller wären und Gastredner beim SPD-Parteitag, was würden Sie dem Kanzler sagen?

Schartau:
Ich würde fragen: Denkt Ihr vor Euren Entscheidungen darüber nach, wie sie Leute treffen, die mit geringem Einkommen oder unterdurchschnittlicher Rente auskommen müssen? Meint Ihr nicht, dass eine Politik der bitteren Medizin auch Behutsamkeit erfordert?

NRZ:
Ist das, was Ihre Partei gerade durchmacht, nur ein massives Stimmungstief oder eine Existenzkrise?

Schartau:
Das ist ein Prozess, der unumgänglich ist, wenn man Zukunft gestalten will. Da muss man Phasen ohne Applaus durchstehen. Unser Problem ist, dass niemand in der SPD vorbereitet war. Wir haben es in der Opposition versäumt, schwierige Fragen etwa in der Sozialversicherung anzupacken und lieber volles Rohr gegen die Regierung geschossen. Heute müssen wir alles unter Zeitdruck nachholen.