Bildungsland NRW: Von der Vision zur Wirklichkeit – die Selbstständige Schule

MülheimDiskussionsrunde während der Themenoffensive Bildung am 10. 10. 03 in Herne

Im Rahmen der „Themenoffensive NRW“ fand am 10. Oktober 2003 in der Akademie Mont-Cenis in Herne die zweite Veranstaltung „Bildungsland NRW: Von der Vision zur Wirklichkeit – die Selbstständige Schule“ statt.
Generalsekretär Michael Groschek eröffnete die Veranstaltung und forderte eine Neuordnung der Institution Schule unter dem Gesichtspunkt der Gerechtigkeit und unterstrich den Anspruch der NRWSPD an eine profilierte und selbstständige Schule.

Die Vorträge wurden mit einer Rede von Ute Schäfer (MdL, Ministerin für Schule, Jugend und Kinder in NRW) begonnen, die unter dem Titel „NRW macht Schule – Selbstständigkeit als Strukturprinzip und als pädagogische Aufgabe“ stand. Wesentlicher Eckpunkt der Reformbemühungen im NRW-Bildungsbereich ist die Selbstständigkeit der Schule. Die Bildungsreform in NRW sei „kein ‚nice to have’, sondern ein ‚must have’, so Schäfer. Die NRWSPD handle dabei nach dem Motto „Verlässlichkeit und Konzentration auf Wesentliches“. Die Bemühung um einen Paradigmenwechsel weg von der Detailsteuerung hin zu Rahmenvorgaben stehe im Vordergrund. Schäfer plädierte für die Vermeidung eines selektiven Bildungssystems, die Verkürzung der Schulzeit auf 12 Jahre, die Fortbildung der Lehrkräfte, eine Reform der Schulaufsicht und ein einheitliches Schulgesetz zur Transparenzförderung.

Als ein vorbildliches Beispiel für die Selbstständige Schule stellte Mats Ekholm (Director General der Swedish National Agency for School Improvement) das in Schweden seit den sechziger Jahren herrschende Schulsystem vor. Entscheidende Unterschiede zum deutschen Schul-
system sind der Aufbau der Grundschule und der Sekundarstufe 1, die in Schweden in der „Grundskola“ vereinbart werden. In den neun Jahren „Grundskola“ bleiben Schüler und Lehrer zusammen, was eine stabile Beziehungsbildung fördert. Zeugnisse bekommen die Schüler erst ab dem achten Schuljahr und Leistungen der Schulen werden durch zentrale Tests in Statistiken festgehalten. Besonders anerkennenswert, so Mats Ekholm, sind die in Schweden herrschenden „Planungs- und Entwicklungsgespräche“ zwischen Lehrern, Schülern und Eltern und die Tatsache, dass in Schweden ein Lehrer nur maximal 8 Schüler betreut. Direkte Kontrolle über die Schulen hat nicht der Staat, sondern der Schulleiter und die Gemeinden, was die Dezentralisierung dieser Institution, eine größere Verantwortlichkeit und Entscheidungsmöglichkeit fördert.

Den weiteren Verlauf der Veranstaltung bestimmten zwei Diskussionsrunden, die von Jürgen Zurheide (Journalist, Der Tagesspiegel) moderiert wurden. Prof. Dr. Wilfried Bos (Institut für International und Interkulturell Vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg), Manfred Degen (MdL, schulpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion NRW), Dr. Martina Ernst (Geschäftsführerin Bildungspolitik, Vereinigung der IHKs in NRW) und Prof. Dr. Hans-Günter Rolff (Institut für Schulentwicklungsforschung der Universität Dortmund) diskutierten über das Thema „Qualität der Schulbildung – Wie können wir Schule und Unterricht verbessern?“. Gesprächsgegenstand waren die ungelösten Strukturprobleme und schlechten Lernbedingungen in Deutschland. Neben der Forderung nach mehr Freiheit der Schule, wurde die Bedeutung der Wirtschaft als kooperierendes Element in Zeiten neuer Herausforderungen hervorgehoben. Darüber hinaus wurde Kritik an einer zu starken Ideologisierung der Schule geübt und eine Konsens orientierte Entwicklung der Schule unabhängig von Regierungswechseln verlangt.

An der zweiten Diskussionsrunde mit dem Thema „Schule in regionalem Umfeld – Wie können wir Organisation und Steuerung optimieren?“ nahmen Renate Drewke (Regierungspräsidentin Arnsberg), Dagmar Mühlenfeld (Oberbürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr), Wilfried Lohre (Bertelsmann-Stiftung-Projektleiter Selbstständige Schule) und Manfred Degen teil. Ausgangspunkt dieser Diskussion war der Anspruch auf eine Regionalisierung anstatt einer Kommunalisierung der Schulorganisation.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete ein von Dr. Karsten Rudolph (MdL, Stellv. Landesvorsitzender und Sprecher der bildungspolitischen Kommission der NRWSPD) vorgetragenes positives Fazit.