Zum 10. Jahrestag des Brandanschlags von Solingen erklärt Ministerpräsident Peer Steinbrück:

Gedenktag zum Brandanschlag in Solingen 1993
Foto: DHM

"Der schreckliche Brandanschlag von Solingen, bei dem am 29. Mai 1993 fünf türkische Kinder und junge Frauen im Haus der Familie Genc starben und ein Sohn schwere Verbrennungen erlitt, hat vor zehn Jahren die Bürgerinnen und Bürger in unserem Land tief erschüttert und bewegt. Dass in Deutschland noch einmal Menschen aus Fremdenhass verbrannt werden könnten, schien jenseits aller Vorstellungskraft zu liegen. Wir waren damals fassungslos und ratlos über diese Tat von vier jungen Männern – das furchtbare Verbrechen war zugleich aber auch der Anstoß, dass Menschen überall in unserem Land auf die Straßen gingen und gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus und für ein friedliches Zusammenleben demonstrierten.

Heute, zehn Jahre nach diesem furchtbaren Anschlag, gilt unser Mitgefühl den Angehörigen der Opfer und dem mit schweren Verbrennungen für sein Leben gezeichneten Sohn der Familie Genc. Ich finde es bewegend und bewundernswert, wie sich die Familie Genc trotz all ihres Schmerzes über den Verlust ihrer Kinder, ihrer Enkel und ihrer Nichte für Versöhnung zwischen den Menschen und Völkern eingesetzt hat. Das macht allen Mut, die nach dem Brandanschlag vielerorts so verzweifelt waren.

Mut macht mir auch, dass seit damals landesweit unzählige Initiativen entstanden sind, in denen sich Bürgerinnen und Bürger für Integration, für gegenseitiges Verständnis und für das friedliche Miteinander unterschiedlicher Völker und Kulturen engagieren. Damit dies auf Dauer gelingen kann, sind wir alle gefordert – deutsche wie ausländische Mitbürger. Das gilt am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, im Verein oder auch im Sportstadion. Wir sollten die vielfältigen Möglichkeiten zur Begegnung nutzen. Wir sollten einander kennen lernen und besser verstehen, damit Fremdheit und Unverständnis nicht den Boden bereiten können für Ressentiments, Abgrenzung oder gar Feindschaft. Jeder kann, jede sollte hier einen Beitrag leisten, damit wir friedlich zusammenleben können und sich ein solches Verbrechen wie vor zehn Jahren nie wiederholt.“