Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer zur Überarbeitung der Sommerferienregelung: Die Rückkehr zum rollierenden Feriensystem ist eine faire Lösung für alle

Die nordrhein-westfälische Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer schlägt bei der Sommerferienregelung eine Rückkehr zum rollierenden System vor. Dieses bis 2002 praktizierte System sah vor, dass alle Bundesländer – mit Ausnahme Bayerns und Baden-Württembergs – in etwa gleich starke Gruppen aufgeteilt wurden und über einen mehrjährigen Zeitraum schrittweise mal früher und mal später im Jahr in die Sommerferien starten.

Schäfer betonte, dass sie den Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz begrüße, die am 27. März auf Initiative von Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holsteins die Kultusminister beauftragt hatte, bis Ende Juni eine neue Sommerferienregelung zu erarbeiten. Sie soll vom Jahr 2005 an gelten, unter "angemessener Abwägung der pädagogischen, schulorganisatorischen, tourismuspolitischen, verkehrspolitischen und umweltpolitischen Aspekte" vorgenommen werden und "bei der Festlegung der Sommerferientermine den 90-Tage-Gesamtzeitraum weitgehendst" ausschöpfen.

Die Kritik an der Sommerferienregelung für 2003 bis 2008 habe sich an mehreren Punkten entzündet, erklärte Schäfer. Zum einen sei die Tatsache, dass künftig die drei bevölkerungsstärksten Bundesländer nahezu gleichzeitig Urlaub machen, bei vielen Bürgern auf Ablehnung gestoßen, zum zweiten habe – speziell aus nordrhein-westfälischer Sicht – der späte Ferienbeginn unter anderem zu Kritik am zu geringen Abstand zu den Herbstferien geführt. Insbesondere aber habe die Tourismusbranche in mehreren Bundesländern darüber geklagt, dass durch die Sommerferienregelung der Zeitraum für die Saison deutlich verkürzt worden sei. "Gerade dieses Argument richtet sich am wenigsten gegen NRW oder Bayern und Baden-Württemberg, denn diese Länder haben in der Regelung bis 2008 den Zeitraum bis Mitte September immer voll ausgeschöpft – allein NRW vier mal." Die Verkürzung der Saison sei vielmehr dadurch entstanden, dass die anderen Ländergruppen, für die keine verbindlichen Ferienanfänge beschlossen, sondern nur Zeiträume definiert worden seien, nahezu vollständig darauf verzichtet hätten, zumindest ein oder zweimal in diesem Zeitraum bereits Mitte Juni in die Ferien zu starten. "Wenn wir in der Kultusministerkonferenz die Kritik an der Ferienregelung bis 2008 ernst nehmen – und daran gibt es wohl keinen Zweifel – dann müssen sich alle Länder bewegen", betonte Schäfer.

Staatssekretär Dr. Elmar Schulz-Vanheyden hat heute auf einer Sondersitzung der Kultusministerkonferenz, die wegen der Veröffentlichung der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) angesetzt worden war, die Bereitschaft Nordrhein-Westfalens betont, den möglichen Zeitraum für den Ferienbeginn im Rahmen eines rollierenden Systems weitestgehend auszuschöpfen. So könnte NRW vom Jahr 2005 schrittweise mit dem Beginn der Ferien nach vorne ziehen und 2007 bereits Mitte Juni in die Sommerferien starten. Anschließend könnte der Beginn der Sommerferien in NRW etwa im Wochenrhythmus wieder nach hinten rücken.

Schulz-Vanheyden erklärte, die KMK habe die Bemühungen Nordrhein-Westfalens, zu einer Entzerrung der Ferientermine beizutragen, dankbar anerkannt. Bayern und Baden-Württemberg hätten sich bereit erklärt, in jenen Jahren, in denen NRW den letzten Platz räumt, nach hinten zu rücken. Es herrsche Einigkeit unter den Kultusministern, dass die nun zu erarbeitende Neuregelung den Ferienzeitraum zwischen dem 20. Juni und dem 15. September ausschöpfen solle.

"Das rollierende System ist sicherlich keine Lösung, die alle zufrieden stellt", sagte Schäfer. "Eine Ferienregelung, die alle widerstreitenden Interessen berücksichtigt und für jeden optimal ist, gibt es aber nicht." So werde aus Sicht jener Bürger, die in südliche Länder reisen wollen, ein Urlaub im Juni sicherlich attraktiver sein als im August, aus Sicht aber jener, die beispielsweise an die Nordseeküste fahren wollen, sei es vermutlich umgekehrt. "Das rollierende System aber hat den Vorteil, dass keine Regelung, die für bestimmte Gruppen unattraktiv ist, zum Dauerzustand gemacht wird."

Schäfer betonte, dass das rollierende System die Schulen vor organisatorische Probleme stelle, dass es aber in der Gemeinschaft der Länder Kompromisse geben muss und kein Land dauerhaft für sich den schulorganisatorisch optimalen Termin beanspruchen kann. "Wenn das zweite Schulhalbjahr sehr kurz ist – und das ist bei einem Sommerferienbeginn allein schon wegen der zahlreichen Feiertage im Frühjahr der Fall – dann drängen sich Klassenarbeiten und Prüfungszeiträume. Wir müssen deshalb unbedingt auch die Termine für die so genannten kleinen Ferien sowie den Beginn des zweiten Halbjahres in den Blick nehmen." Diese Termine kann jedes Bundesland in eigener Zuständigkeit festlegen.

Wenn die Kultusministerkonferenz eine Rückkehr zum rollierenden System beschließen und NRW in den kommenden Jahren mit dem Ferienbeginn schrittweise nach vorne rücken sollte, dann sind folgende Auswirkungen denkbar:

  • Herbst- und Osterferien könnten bei jeweils zwei Wochen Dauer bleiben
  • Die Herbstferien könnten wieder nach vorne rücken und schwerpunktmäßig in der ersten Oktoberhälfte liegen
  • Der Beginn des zweiten Schulhalbjahres könnte angepasst werden – und beispielsweise zwischen Mitte Januar und Mitte Februar variieren.

    "Mir ist es wichtig, dass wir bei einer Neuregelung ein Konzept aus einem Guss vorlegen, damit sich unsere Schulen in NRW rechtzeitig auf die neuen Termine einstellen können", sagte Schäfer. "Denn so verständlich und nachvollziehbar die Wünsche der Tourismusbranche, der Verkehrs- und Umweltexperten sowie der Bürger mit ihren unterschiedlichen Interessen auch sind – Ferien sind vor allem für die Kinder und Jugendlichen da und haben die Aufgabe, dem Schuljahr aus pädagogischen Gesichtspunkten einen vernünftigen Rhythmus zu geben. Dazu gehört ganz sicherlich aber auch, die Möglichkeit sich im Urlaub zu erholen."

    Schäfer zeigte sich zuversichtlich, dass die Kultusministerkonferenz bis Mitte Juni einen einvernehmlichen Beschluss fassen wird, der dann der Ministerpräsidentenkonferenz Ende Juni vorgelegt wird.