Ministerin Ute Schäfer: Ergänzender PISA-Bericht bringt für NRW Licht und Schatten

Der neue ergänzende Länderbericht zur PISA-Studie bietet nach Ansicht von Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer für NRW sowohl Licht als auch Schatten. "Es ist ausgesprochen erfreulich, dass unsere Jugendlichen hohe soziale Kompetenz besitzen und im Punkt soziales Lernen innerdeutsch zur Spitze gehören. So positiv es aber ist, dass in keinem anderen Bundesland die Bereitschaft der Schülerinnen und Schüler größer ist, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen – der PISA-Länderbericht zeigt für NRW auch Schwächen auf, denen wir uns stellen müssen und denen wir uns ohne Vorbehalte stellen werden."

So bekräftige der ergänzende PISA-Länderbericht, dass Nordrhein-Westfalen bei der Förderung von Migrantenkindern in Deutschland insgesamt nur einen Mittelplatz belege und insbesondere bei der Gruppe türkischer Jungen und Mädchen am eigenen Anspruch gemessen zu schlecht abschneide. "Wenn man nun bedenkt, dass Deutschland im internationalen Vergleich bei der Migrantenförderung das Schlusslicht bildet, dann ist das schon ein alarmierendes Zeichen" so Schäfer. "Wir müssen deshalb unseren Weg, die vorschulische Sprachförderung innerhalb und außerhalb des Kindergartens auszubauen, auch in den kommenden Jahren konsequent fortsetzen und dafür die nötigen Mittel bereitstellen. Ohne Beherrschung der deutschen Sprache wird eine erfolgreiche Schulkarriere ebenso Illusion bleiben wie eine erfolgreiche Integration." Die Ministerin appellierte in diesem Zusammenhang ausdrücklich auch an alle Eltern, ihre Kinder in den Kindergarten zu schicken und die Förderangebote der Landesregierung und der Kommunen anzunehmen."

Schäfer betonte, dass der ergänzende Länderbericht zur PISA-Studie speziell bei der Frage der Benotung unterstreiche, wie dringend notwendig mehr Objektivität und Vergleichbarkeit seien. "Deutschland braucht klar definierte Bildungsstandards und die Länder müssen deren Einhaltung kontrollieren. Es ist gut, dass sich die Kultusministerkonferenz im vergangenen Jahr zu diesem Schritt entschlossen hat."

Schäfer betonte, dass die unterschiedliche Praxis der Benotung vor allem dann problematisch werde, wenn es um die Vergabe von Berechtigungen geht. "Dies dürfen wir nicht dem Zufall oder der Willkür überlassen, hier ist dringend mehr Vergleichbarkeit nötig." Die Einführung von Musteraufgaben und Vergleichsarbeiten in NRW seien ein erster Schritt dazu gewesen, die landesweiten zentralen Lernstanderhebungen, die vom Jahr 2004 an in den vierten Klassen der Grundschulen und den neunten Klassen der weiterführenden Schulen eingeführt werden sollen, seien ein zweiter, wichtiger Schritt.

Von den landesweiten Testverfahren erhoffe sie sich nicht nur eine gezielte Rückmeldung über Schwächen und Stärken von Schülerinnen und Schülern – und damit ein dringend notwendiges Diagnoseinstrument für Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch mehr Objektivität bei der Leistungsbeurteilung, betonte Schäfer. "Es müsste Pädagogen doch stutzig machen, wenn schlecht benotete Jugendliche bei diesen Lernstandserhebungen gut abschneiden – und umgekehrt."

Schäfer schloss nicht aus, dass möglicherweise zentrale oder teilzentrale Abschlussprüfungen am Ende der Pflichtschulzeit eine weitere Konsequenz der Entwicklung zu mehr pädagogischer Freiheit einerseits und der Notwendigkeit zu mehr Objektivität andererseits sein könnten. "Ich habe an diesem Punkt keine Berührungsängste und werde entsprechende Gespräche führen. Eine Kontrolle ohne Förderung allerdings ist mir zu wenig. Wenn wir Standards überprüfen, müssen wir auch sagen, was mit jenen Schülerinnen und Schülern geschieht, die diese nicht erreichen." Dabei müsse auch geprüft werden, ob die Ressourcen im Schulwesen überall richtig eingesetzt und richtig verteilt sind – schließlich stoße der Ruf nach immer mehr Lehrerinnen und Lehrern nicht nur auf Finanzierungsgrenzen, sondern auch auf einen Mangel an Bewerbern.

Schäfer betonte, dass NRW mit speziellen Angeboten für die Förderung leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler an Haupt- und Gesamtschulen einen wichtigen Schritt zu mehr Chancengerechtigkeit gemacht habe. "Wir werden unseren Hauptschulen 250 Sozialarbeiter zur Seite stellen, wir werden die Sprachförderung in den Klassen fünf und sechs an Haupt- und Gesamtschulen ausbauen und wir werden das Projekt Betrieb und Schule für den Berufseinstieg ausweiten."

Schäfer zeigte sich überzeugt, dass die richtige Antwort auf die notwendigen Reformen im deutschen Bildungssystem nach PISA lauten müsse: "Wir stärken das Fundament, bauen die Förderung aus, machen unsere Schulen selbstständig – und kontrollieren die Ergebnisse." Speziell der neue PISA-Länderbericht zeige, dass für die Entwicklung der Qualität die einzelne Schule eine wichtige Rolle spiele. "Hier müssen wir ansetzen, Selbstständigkeit und Verantwortungsgefühl begünstigen und belohnen." Bei allen nötigen Reformen in der Bildungspolitik sei es jedoch immer nötig, die Menschen mitzunehmen. "Eine von oben verordnete Schulpolitik wird keinen Erfolg haben, wir können die notwendigen Veränderungen nur im Konsens erreichen", betonte die Ministerin und fügte hinzu: "Deshalb biete ich auch der Oppositionen ausdrücklich einen fairen und offenen sowie zugleich realistischen Dialog über nötige und perspektivisch sinnvolle Veränderungen im nordrhein-westfälischen Schulsystem an. Für eine Wiederbelebung alter Grabenkämpfe aber bin ich nicht zu haben, dafür ist das Abschneiden Deutschlands in der PISA-Studie im internationalen Vergleich insgesamt zu schlecht."