Gerhard Schröder gratuliert Klaus Staeck zum 65. Geburtstag

Der SPD-Parteivorsitzende, Bundeskanzler Gerhard Schröder, hat Klaus Staeck zu seinem 65. Geburtstag das folgende Glückwunschreiben geschickt:

Lieber Klaus,

zu deinem 65. Geburtstag gratuliere ich dir recht herzlich und verbinde mit dieser Gratulation meinen Dank für deine langjährige, tatkräftige und kreative Unterstützung der Sozialdemokratie.

Seit über 40 Jahren arbeitest du mit Plakaten, Postkarten, Aufklebern, Flugblättern, Aktionen und Dokumentationen sowie mit großen kulturellen Veranstaltungen. Dabei zielst du nicht auf eine elitäre, sondern eine Massenkunst. Ende der 60er Jahre ent­standen die ersten Siebdrucke, Collagen und Objekte mit deutlich erkennbaren gesell­schaftspolitischen Inhalten. 1971 startete zum Dürer-Jahr in Nürnberg die erste groß angelegte Plakataktion. Das Plakat zeigte Dürers verhärmte Mutter mit der Unter­schrift: „Würden Sie dieser Frau ein Zimmer vermieten?". Mit deinen Plakaten gelang es dir, den von dir als zu eng gefundenen Kunstrahmen zu verlassen und eine Erwei­terung des Kunstbegriffes zu versuchen. Während des Bundestagswahlkampfes 1972 wurden deine politischen Plakate – erinnert sei an das Plakat „Deutsche Arbeiter – die SPD will euch eure Villen im Tessin wegnehmen" -, Postkarten und Aufkleber einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Mit diesen Arbeiten verband sich auch eine Diskussion um die Frage „Kunst oder Politik". Du hast dazu gesagt: „Meine Arbeiten sind immer sowohl Kunst als auch Politik, nie nur das eine oder das andere: Eine ständige Gratwanderung, ein Versuch politisch – gesellschaftlicher Meinungsäußerung mit künstlerischen Mitteln, ohne der Diktatur des Ästhetischen zu erliegen."

Diese Verbindung von Kunst und Politik hast du in unzähligen Prozessen, in denen du dich gegen Klagen wegen deiner Aktionen oder Plakate zu Wehr setzen musstest, im Kampf um die Freiheit des Wortes und der Kunst verteidigt. Kunst ist für dich stets eine Dimension von Freiheit und Offenheit. Dir geht es darum, wichtige gesellschaft­liche Probleme darstellen zu können, die sonst nur schwer zur Sprache zu bringen sind und die viele Menschen interessieren. Du willst andere anstiften, sich einzu­mischen. Diesem Ziel dient auch die Initiative „Aktion für mehr Demokratie", die du 1980 gegründet und in der du viele Künstler und Intellektuelle zusammengeführt hast. Dein gesamtes Schaffen steht heute schon in der Tradition eines John Heartfield, George Grosz oder eines Otto Dix.

In aktuellen politischen Fragen hast du dich nie gescheut – in „kritischer Solidarität" -, Amts- und Funktionsträgern die Meinung zu sagen. Auch ich war ab und zu davon betroffen. Deine Anmerkungen, so zugespitzt sie gelegentlich auch vorge­tragen wurden, sind mir jedoch immer wichtig. Denn du hast auch immer Solidarität in schwierigen Zeiten mit unserer Partei gezeigt. Gerade dein Einsatz im vergangenen Bundestagswahlkampf war sehr wertvoll, und dafür danke ich dir. Jetzt in dieser schwierigen internationalen Lage, mobilisierst du wiederum Künstler und Intellektuelle, um das gemeinsame Ziel, eine friedliche Lösung des Irak-Konfliktes, zu erreichen. Diese Unterstützung hilft, die Position unserer Partei und der Bundesregierung in der Öffentlichkeit zu stärken.

Willy Brandt hat dir vor gut 20 Jahren zugerufen: „Lass dich nicht beirren!".
Dem möchte ich mich heute anschließen.

Lieber Klaus, ich wünsche dir weiterhin alles Gute, Gesundheit und schöpferische Tatkraft. Deinen Rat und deine Unterstützung erhoffe ich mir auch für die Zukunft.

Mit herzlichem Gruß

Gerhard Schröder