SPD kritisiert Bahnreform

Schwerbehinderte sind nach Ansicht der SPD-Landtagsfraktion die „größten Verlierer der Preisreform“ bei der Deutschen Bahn. Der mit der Reform erfolgte Wegfall der Interregios treffe diese Gruppe in besonderer Weise, kritisierte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Michael Scheffler, am Mittwoch in Düsseldorf. Er forderte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und die Landesregierung auf, sich „nachdrücklich“ für einen Ausgleich einzusetzen. Eine „solche Fehlentwicklung“ sei sozialpolitisch nicht zu verantworten.

In Nordrhein-Westfalen gelten 1,7 Millionen Menschen als schwerbehindert. Sie konnten die Interregio-Züge vor der Preisreform im vergangenen Dezember mit einem speziellen Ausweis weitgehend kostenfrei nutzen. Nun müssten sie entweder häufiger umsteigen oder deutlich höhere Preise zahlen, so Scheffler. Ersteres führe zu erheblich längeren Fahrzeiten, die gerade für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt seien, nicht zumutbar seien.

Die Deutsche Bahn wies die Kritik am Preissystem zurück. Die Interregio-Züge habe man abgeschafft, weil sie nicht wirtschaftlich gewesen seien. Die Verbindungen seien jedoch teilweise durch ein größeres Angebot an Nahverkehrszügen ersetzt worden, die von Schwerbehinderten weiter kostenlos genutzt werden könnten, so Bahn-Sprecher Manfred Ziegerath. In den Fällen, wo die Interregios durch IC- oder ICE-Züge ersetzt worden seien, könne sich die Bahn ebenfalls eine kostenlose Nutzung vorstellen, wenn sie hierfür einen Ausgleich erhalte. „Wenn die SPD das will, dann muss sie dafür zahlen“, sagte Ziegerath. Die unentgeltliche Nutzung von Fernverkehrszügen sei vom Gesetzgeber bisher nicht vorgesehen und werde auch von den Dachverbänden der Behindertenhilfe auch nicht gefordert, sagte der Unternehmenssprecher weiter.