Massive Kritik an Jürgen Rüttgers von Schulexperten

Nordrhein-Westfalens CDU-Fraktionschef Jürgen Rüttgers hat mit einem Vorstoß zur Begrenzung des Anteils ausländischer Kinder in Schulklassen massive Kritik ausgelöst. Rüttgers sprach sich am Donnerstag für die Einführung einer Quotenregelung aus, um den zum Teil hohen Anteil an Zuwandererkinder insbesondere an Schulen in sozialen Brennpunkten zu verringern.

Dazu erklärt Schul- und Jugendministerin Ute Schäfer:
"Es ist richtig, dass ein sehr hoher Ausländeranteil so manche Schulen vor Probleme stellt, aber nicht deshalb, weil die Kinder eine andere als die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, sondern vor allem dann, wenn sie die deutsche Sprache nicht beherrschen. Unser Ziel kann es daher nicht sein, Schüler wegen ihrer Staatsangehörigkeit zu verteilen, sondern die Probleme zu beheben." Deshalb habe die Landesregierung in den vergangenen Jahren die vorschulische Sprachförderung kontinuierlich ausgebaut und erst in diesen Tagen wieder Mittel für 1430 Kurse bewilligt.

Schäfer betonte zudem, dass sie eine Quotierung von Ausländern als diffamierend empfinde. "Ein Kind wird doch nicht zum Problem, weil es Ausländer ist." Es gebe auch viele ausländische Kinder, die gute Voraussetzungen mit in die Schulen brächten – wobei es eine wichtige bildungspolitische Aufgabe sei, diese Zahl noch zu erhöhen. Im Übrigen kommen den Kommunen bei der Festlegung der Schulbezirke Gestaltungsspielraum und damit eine hohe Verantwortung zu – ebenso wie den konfessionellen Grundschulen mit der Bereitschaft, Kinder aus Zuwanderfamilien aufzunehmen.

Schäfer betonte, dass die PISA-Studie nicht nur gezeigt habe, dass die Förderung von Kindern aus Zuwandererfamilien in Deutschland zu wenig erfolgreich sei, sondern, dass vor allem die Zugehörigkeit zu einer Sozialschicht sehr stark mit dem Schulerfolg gekoppelt sei. "Mit dieser Einstellung könnte Herr Rüttgers vorschlagen, Kinder aus unterschiedlichen Sozialschichten zu verteilen."

Die Ministerin macht aber auch praktische Bedenken gelten: Sie wies darauf hin, dass der Schülertransport hohe Kosten für den Steuerzahler verursache, weil vor allem Grundschulkinder aus ihrem Wohnumfeld in andere Stadtgebiete transportiert werden müssten, "übrigens auch aus besseren Wohngegenden in soziale Brennpunkte". Dies Geld sei sinnvoller angelegt, wenn damit eine bessere Förderung von Kindern aus sozial benachteiligten Schichten sowie aus Zuwanderfamilien finanziert würde. "Wenn Herr Rüttgers sich dafür stark macht, hier Prioritäten zu setzen und seriöse Finanzierungsvorschläge zu machen, hat er mich an seiner Seite", erklärte Schäfer.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) in Dortmund hat Rüttgers Vorschlag als integrationsfeindlich abgelehnt. Ausländerquoten
führten lediglich dazu, dass ausländische Schüler nicht in ihrem Wohngebiet zusammen mit deutschen Kameraden zur Schule gehen könnten, sagte VBE-Landesvorsitzender Udo Beckmann. Er warnte vor einem «Bustourismus» ausländischer Schüler. Wenn es ein Problem mit der hohen Zahl ausländischer Schüler gebe, dann liege das an der falschen
Wohnungspolitik der Kommunen, die zu einer «Gettoisierung» geführt habe.