Land, Arbeitgeber und DGB starten Initiative zum demografischen Wandel

Angesichts einer zunehmend älter werdenden Arbeitnehmerschaft müssen sich Betriebe schon jetzt darauf einstellen, dass sie für altersgerechte Arbeits- und Beschäftigungsbedingen sorgen. NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau, der Präsident der Landesvereinigung der Arbeitgeberverbände Nordrhein-Westfalen, Dr. Jochen F. Kirchhoff, und der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes- NRW, Walter Haas stellten heute (6. Februar 2003) eine Initiative zur Arbeitsgestaltung im demografischen Wandel vor. Dabei sollen unter anderem in acht Referenzbetrieben Lösungen für unterschiedliche Fragestellungen zum Thema „alternde Belegschaften“ erarbeitet werden. Betriebe sollen außerdem gezielte Förderungen erhalten, um gezielt ihre Arbeitsbedingungen auf gemischte Teams und ältere Beschäftigte umzustellen.

„Der demografische Wandel wird die Arbeitswelt und die Realität in den Betrieben vor völlig neue Herausforderungen stellen“, sagte NRW-Wirtschaftsminister Harald Schartau. „Die Herausforderung wird sein, wie sich die Unternehmen darauf einstellen, dass ihre Belegschaften in Zukunft allein vom Altersschnitt der Bevölkerung her sehr viel älter sein werden als heute.“ In 15 Jahren werden voraussichtlich rund 33 Prozent der Arbeitskräfte älter als 50 Jahre sein. Das ist etwa die Hälfte mehr als heute. Nur 18 Prozent des Arbeitskräfteangebotes wird unter 30 Jahre alt sein, ein Viertel weniger als heute.

Aus Sicht der Arbeitgeberverbände steht das Projekt auch in diesem Kontext. „Angesichts der dramatischen demografischen Entwicklung müssen die Betriebe ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darauf vorbereiten, länger zu arbeiten und das tatsächliche Renteneintrittsalter hinauszuschieben“, so Arbeitgeberpräsident Kirchhoff.

Ziel der gemeinsamen Initiative der Arbeitgeber, des DGB und des Landes ist es, die Arbeit und die Beschäftigtenstruktur Generationen übergreifend zu gestalten. Schartau: „Im Idealfall ergänzen sich Erfahrung und Kompetenz der Älteren mit dem frischen Fachwissen der Jungen.“ Um dies zu realisieren, müssen die Betriebe in die Lage versetzt werden, mit alternden Belegschaften kompetent arbeiten zu können. Dazu gehört auch ein verbesserter Arbeits- und Gesundheitsschutz. Für die Steuerung des gemeinsamen Projektes stehen bis Ende 2004 rund 500.000 Euro Landesmittel zur Verfügung. Die zusätzliche finanzielle Unterstützung der Umstellung in den Betrieben erfolgt im Rahmen der Förderung der so genannten „arbeitsorientierten Modernisierung“ des Wirtschafts- und Arbeitsministeriums. Die Unternehmen können darin unter anderem kostenlos eine Unternehmensberatung zu den genannten Fragestellungen in Anspruch nehmen.

Zurzeit werden acht Modellbetriebe ausgewählt, die Lösungen zu den unterschiedlichen Fragestellungen zum Thema „alternde Belegschaften“ erarbeiten. Beteiligen wollen sich Unternehmen des Maschinenbaus, der Kunststofffertigung und Metallverarbeitung, aber auch soziale Dienstleister. Schartau: „Die erarbeiteten Modelle wollen wir dann mit Unterstützung unserer Förderprogramme auf andere interessierte Betriebe übertragen. Mit einem ähnlichen Vorgehen waren wir bereits beim Thema „Arbeitszeiten“ erfolgreich.“

Schartau: „Wir wollen mit unserer Initiative einen Beitrag dazu leisten, dass es in der Wirtschaft auf breiter Font zu einem Umdenken im Hinblick auf den demografischen Wandel in den Betrieben kommt. Unser gemeinsames Ziel ist, die Erwerbsquote älterer Arbeitnehmer in den nächsten Jahren deutlich zu erhöhen. Dabei orientieren wir uns an den Zielen der europäischen Beschäftigungsstrategie, die bis 2010 eine Erhöhung der Beschäftigungsquote Älterer (55 – 64 Jahre) auf 50 Prozent vorgibt.“