Franz Müntefering zum SPD-Fraktionschef gewählt

SPD-Generalsekretär Franz Müntefering ist neuer SPD-Fraktionschef. Die 251 SPD-Abgeordneten wählten ihn am Dienstag auf ihrer ersten Zusammenkunft nach der Wahl im Berliner Reichstag in dieses Amt. Für Müntefering stimmten 91,4 Prozent der neuen Fraktionsmitglieder. Der 62-jährige Sauerländer löst den bisherigen Fraktionsvorsitzenden Ludwig Stiegler ab.
Müntefering ist der elfte Fraktionschef der SPD nach dem Krieg. Er betonte, dass er vor seinem neuen Amt als Fraktionsvorsitzender „großen Respekt“ hat. Die drei Säulen der Sozialdemokraten müssen eng zusammenstehen: Partei, Fraktion und Regierung, betonte er. Auf diese Weise „können wir sehr erfolgreich arbeiten“.
Müntefering kann dabei auf die uneingeschränkte Unterstützung seines Vorgängers Ludwig Stiegler setzen. Dieser will seinem Nachfolger „mit Begeisterung“ helfen. Müntefering kündigte an, dass er in „sehr absehbarer Zeit“ als SPD-Generalsekretär ausscheiden will. Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte angekündigt, bereits im Oktober einen Nachfolger zu benennen.

Müntefering wurde 1940 in Neheim-Hüsten geboren und wuchs in einer katholisch geprägten Familie auf. 1969 trat der gelernte Industriekaufmann in die SPD ein und engagierte sich in verschiedenen Gremien seiner Partei. 1992 wurde er an die Spitze des SPD-Bezirks Westliches Westfalen gewählt. Im selben Jahr wurde Müntefering auch Arbeitsminister in Nordrhein-Westfalen. 1995 wechselte er in die Bundespolitik und wurde in Bonn Bundesgeschäftsführer der SPD. Nach dem Regierungswechsel 1998 war der Sozialdemokrat zunächst Bundesverkehrsminister. Dieses Amt führte
er knapp ein Jahr aus, bis er im September 1999 auf den neu eingerichteten Posten des SPD-Generalsekretärs wechselte.