Die Union im Wahlkampf

CDU Plakat  Köln Weniger Zuwanderung ! Mehr Arbeitsplätze ! Helmut Nowak

Ist es nun der neue Wahlkampf-Stil der CDU oder nur ein weiteres überdeutliches Signal für die immer größere Nervosität im schwarzen Lager? Klar ist jedenfalls eines: Was sich die Christdemokraten dieser Tage an verbalen Entgleisungen leisten, liegt weit außerhalb der Grenzen des guten Geschmacks.

Beispiel Kölner CDU-Wahlkampf.
Obwohl sich alle politischen Parteien der Domstadt in einem Fairnessabkommen verpflichtet hatten, keinen Wahlkampf auf Kosten von Einwanderern zu führen, wird jetzt vonseiten der CDU kräftig gehetzt. „Weniger Zuwanderung! Mehr Arbeitsplätze!“ fordert der Leverkusener CDU-Vorsitzende und Bundestagskandidat für Köln-Mülheim / Leverkusen, Helmut Nowak auf Hunderten von Wahlplakaten im Großraum Köln. Empörung in Politik und Bevölkerung. Und Herr Nowak? Der ist sich natürlich keiner Schuld bewusst. Er registriert die Kritik „mit einer gewissen Verwunderung“ und redet seine platte Wahlpropaganda bemüht schön: Das Plakat enthalte „zwei unterschiedliche Aussagen, die beide richtig“ seien. Und Nowaks Parteifreunde? Die reden, wie Kölns CDU-Chef Richard Blömer, um den heißen Brei und sprechen kryptisch von „möglichen Missverständnissen“, die durch das Plakat entstehen könnten. Klare Distanzierung? Fehlanzeige. Trotz massiver Kritik von Seiten der Kirchen und anderer Organisationen bleibt das Plakat mit dem Slogan: "Weniger Zuwanderung! Mehr Arbeitsplätze" hängen. Dies wurde am Donnerstagabend (05.09.02) auf einer Sitzung des CDU-Kreisverbandes Leverkusen entschieden.

Beispiel Helmut Kohl.
Erst poltert der Alt-Kanzler in der Reichstags-Kantine schamlos gegen Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und vergleicht ihn – wie etliche verblüffte Ohrenzeugen bestätigen – mit Hermann Göring. Anstatt sich später aber für diesen wohl nur mit gesteigerter Alterssenilität zu erklärenden Vorfall zu entschuldigen, jammert der Oggersheimer nun über die „unseriösen Praktiken“ der Journalisten, die seine lautstarken Attacken gegen Thierse mitbekommen hatten und den skandalösen Vorfall pflichtgemäß veröffentlichten.
Und nicht nur das: Als wolle er sich für seine Entgleisung rechtfertigen, wettert er weiter über Wolfgang Thierse, der, so Kohl, „sein Amt am parteiischsten ausübt“.
Fazit: Der erklärte Freund des gepflegten Pfälzer Saumagens hat in Sachen politischen Anstands nichts dazugelernt.

Wer nun jedoch meint, die CDU würde sich spätestens jetzt eindeutig von Kohl distanzieren, hat sich getäuscht. Im Gegenteil: Parteifreunde wie Friedrich Merz, der „Steuerberater aus dem Sauerland“ (Financial Times Deutschland), stärken ihrem Denkmal Kohl den Rücken und suchen nach fadenscheinigen Ausreden für den Thierse-Göring-Vergleich. Und auch der harte Kern der CDU-Wähler jubelt Kohl bei seinen Auftritten in Bonn oder Köln zu, als hätte es weder schwarze Kassen noch die jüngsten Peinlichkeiten gegeben. Und irgendwie ist ihr Helmut ja immer noch der Allergrößte. Und so schwärmt der Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Stephan Eisel nach Kohls Besuch in der Ex-Bundeshauptstadt folgerichtig: „Endlich ein richtiger Kanzler…“

Der 22. September wird zeigen, was die Wählerinnen und Wähler vom Wahlkampf-Stil der CDU halten.