Nachruf von Ministerpräsident Wolfgang Clement zum Tod von Staatsministerin a.D. Inge Donnepp

Mit Bestürzung und Trauer habe ich heute vom Tod Inge Donnepps erfahren. Mein Mitgefühl gilt ihren beiden Söhnen, ihren Angehörigen und Freunden.

Inge Donnepp ist 83 Jahre alt geworden. Ihre Herzlichkeit und Geradlinigkeit werden mir unvergessen bleiben und ebenso die großen Verdienste, die sie sich um unser Land Nordrhein-Westfalen erworben hat.

Sie hat die Politik erst zum Beruf gemacht, nachdem sie lange in anderen Bereichen erfolgreich gearbeitet hatte. Auch das machte sie zu einer Ausnahmepolitikerin. Sie war zunächst Anwältin und dann gut zwanzig Jahre Sozialrichterin in Münster und Gelsenkirchen.

Ihren Weg in die Politik fand sie über die Sozialdemokratie, insbesondere über die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen in Nordrhein-Westfalen, deren Vorsitzende sie seit 1973 war.

1975 wurde sie in den Düsseldorfer Landtag gewählt, im gleichen Jahr übernahm sie im Kabinett von Ministerpräsident Heinz Kühn das Ministerium für Bundesangelegenheiten.

1978 folgte sie Diether Posser im Justizministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Auch in diesem Ressort hatte noch nie zuvor in Deutschland eine Frau an der Spitze gestanden. Inge Donnepp war es auch, die den ersten Haushaltstitel für Frauen in einem Landesetat durchsetzte.

In ihrer Arbeit im Justizministerium, das sie bis 1983 leitete, setzte sie Schwerpunkte in der Humanisierung und Verbesserung des Strafvollzugs. So stellte sie für straffällig gewordene Jugendliche erstmals Plätze in Erziehungsheimen zur Verfügung. Sie setzte alles daran, jungen Menschen Wege aus der Kriminalität zu weisen.

1983 schied sie mit Erreichen ihres 65. Lebensjahres aus dem Amt der Justizministerin aus.

Bis 1985 nahm sie ihr Abgeordnetenmandat im Landtag wahr, danach war sie lange Jahre als Vorsitzende des Vereins der ehemaligen Landtagsabgeordneten tätig.

Mit Inge Donnepp verliert das Land eine Politikern von Format, eine viele Menschen beeindruckende, unverwechselbare Persönlichkeit. Sie hat für die Gleichberechtigung der Frauen in unserer Gesellschaft überaus wichtige Erfolge errungen. Hinter ihrer Nüchternheit verbarg sich eine tiefe Zuneigung zu den Menschen; ihre Arbeit verstand sie als praktischen Dienst im Interesse der Frauen und Männer in unserem Land. Ihre Lebensleistung verdient höchsten Respekt und kann uns gerade heute Orientierung und Halt vermitteln.

Wir werden Inge Donnepp stets ein ehrendes Angedenken bewahren.