Nordrhein-Westfalens Bildungssystem voranbringen – Chancengleichheit und Leistungen gehören zusammen

Bildung ist die neue soziale Frage der Wissensgesellschaft. Die Verteilung von Chancen in unserer Gesellschaft ist immer stärker von Bildung, Wissen und Qualifikationen abhängig.
Wir brauchen aus Gründen der sozialen Gerechtigkeit und zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes mehr und bessere Bildung.

Bildung ist somit ein Thema, das zu Recht im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit steht. Die aktuellen Ergebnisse der Studie PISA-E, die Nordrhein-Westfalen einen Mittelfeldplatz im innerdeutschen Vergleich zugewiesen hat, sind ein wichtiger Beitrag zur Standortbestimmung des Bildungssystems in unserem Land und ein klarer Auftrag an die NRWSPD, die in den Ergebnissen liegenden Herausforderungen anzunehmen und notwendige Konsequenzen zu ziehen. Wir geben uns mit diesen Ergebnissen nicht zufrieden. Wir haben den deutlichen Willen und das Ziel, NRWs Bildungssystem orientiert an den internationalen Standards nach vorn zu bringen. Dabei ist es unser Ziel zu zeigen, dass Chancengleichheit und Leistung zusammen gehören. Für Sozialdemokraten bleibt es das entscheidende Kriterium für die Qualität eines Schulsystems, dass es kein Kind chancenlos fallen lässt und dass es für niemanden zur Sackgasse wird.

PISA und deren Ergebnisse bedürfen der sorgfältigen Prüfung und Diskussion und dürfen nicht zu Wahlkampfzwecken missbraucht werden. Es muss uns in Nordrhein-Westfalen vielmehr gelingen, eine große gemeinsame Kraftanstrengung zur Verbesserung der gesellschaftlichen Wertschätzung von Schule und Lernen zu organisieren. Das ist eine Grundvoraussetzung dafür, zu besseren Leistungen und zu mehr Chancengleichheit gerade auch für die Schwächeren und Benachteiligten und die Kinder aus Zuwandererfamilien zu kommen. Eine vordergründige Instrumentalisierung der Ergebnisse für kurzfristige parteipolitische Zwecke hilft den Betroffenen nicht.

NRW muss seinen Weg der Qualitätssteigerung und gezielten Förderung konsequent fortsetzen.
Wir setzen auf Leistung und Anstrengung. NRW hat mit seinen Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung wichtige Schritte zur Verbesserung der Qualität des Schulwesens unternommen, die ausgebaut und weiterentwickelt werden müssen.

Wir in NRW setzen auf Solidarität und Gerechtigkeit. Bildung ist mehr als die Anpassung an den internationalen Wettbewerb. Bildung umfasst Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie die Entwicklung der Persönlichkeit und gesellschaftliche Kompetenz.

Der wichtigste Beitrag zur Verbesserung der Chancengleichheit heißt die frühe Lernzeit besser zu nutzen. Wir müssen unsere Kinder und Jugendlichen früher und gezielter fördern. Es ist deshalb richtig, dass wir die Weichen dafür bereits im Kindergarten deutlicher stellen, dass wir Sprach- und Leseprobleme vor der Einschulung beheben und in den Grundschulen mehr Raum für eine gezielte Förderung von Kindern, insbesondere durch den Ausbau von Ganztagsangeboten schaffen.

Eine der zentralen Aufgaben von Schule ist es gute Leistungen in Deutsch und Mathematik zu gewährleisten. Daran werden wir gemeinsam weiter hart arbeiten.

Aber Schule ist mehr als fachliches Lernen. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in der Schule auch angenommen und gefördert wissen. Sie sollen sich zu selbstständig denkenden und handelnden Mitbürgerinnen und Mitbürgern entwickeln können. Anspruchsvolle Bildungsziele müssen immer auch herausfordernde Förderziele sein.

Gerade in einem Land, das wie Nordrhein-Westfalen seit vielen Jahren mit gewaltigen Problemen des Strukturwandels kämpft und hohe Zuwandererzahlen zu bewältigen hat, ist die bessere und gezieltere Förderung von lernschwachen Kindern besonders wichtig. Wir stellen uns dieser Aufgabe und wollen die Ergebnisse von PISA nutzen, um diese schwierige Aufgabe wirksamer zu erfüllen.

Vor allem geht es darum:

  • Schulen und Lehrerinnen und Lehrer müssen noch mehr gesellschaftliche Unterstützung erfahren
  • Bildung muss weiterhin deutliche Priorität behalten
  • die Erziehungspartnerschaft von Elternhaus und Schule muss neu belebt werden
  • wir müssen besonders lernschwächere Schülerinnen und Schüler früher und intensiver fördern und fordern
  • wir brauchen klare Bildungsstandards und auch Rückmeldungen an die Schulen über den erreichten Leistungsstand
  • Lehrerinnen und Lehrer brauchen wirksame Instrumente, um Lernprobleme frühzeitig zu erkennen und die Schülerinnen und Schüler wirkungsvoll zu fördern

    Es bleibt unser Ziel, eine hohe Bildungsbeteiligung und qualifizierte Abschlüsse auf hohem Niveau miteinander zu verbinden. Die bayerische Schulpolitik kann deshalb kein Politikmodell für Deutschland oder Nordrhein-Westfalen sein. Mit ihr würden wir in eine "Qualifizierungsfalle" laufen. Bayern kann schon heute sein Akademikerbedarf nicht selbst befriedigen, sondern muss in erheblichem Umfang aus Nordrhein-Westfalen Hochschulabsolventen importieren. Wir wollen unseren Kinder und Jugendlichen ausgezeichnete Berufs- und Lebenschancen in der Wissensgesellschaft sichern.