Moderne Kohletechnologie – unverzichtbar für unsere Energieversorgung

Bergmann (unter Tage Gesicht schwarz)

Wenn in diesen Tagen in Berlin die Weltmesse "Solar Energy" eröffnet wird, ist dies ein gutes Symbol: Es zeigt die Richtung auf, in der sich die globale Energieversorgung langfristig entwickeln wird, um den Anforderungen der Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Fakt ist aber auch: Trotz eines exponentiellen Wachstums etwa der Photovoltaik macht die solare Stromerzeugung weniger als ein Promille unserer Stromerzeugung aus; eine Photovoltaik-Anlage benötigt bis zu acht Jahren, um den Energieaufwand wieder zu erwirtschaften, den ihre Herstellung verbraucht. Zum Vergleich: Rund die Hälfte unseres Stroms stammt aus Kohle, eine Windkraftanlage hat ihren "Energierucksack" in wenigen Monaten abgearbeitet. Die Photovoltaik ist langfristig perspektivisch unverzichtbar, aber für die drängenden Energie- und Klimaschutzfragen müssen wir auch andere Optionen wahrnehmen.
Es kann dabei nicht um die Kultivierung fruchtloser Konfrontationen zwischen Kohle und Klimaschutz gehen.

Angesichts der Strukturen der Energieversorgung liegt kurz- und mittelfristig der wichtigste Ansatz zu einer umwelt- und klimaverträglicheren Energieversorgung in der Steigerung der Effizienz. Für die Stromerzeugung wird es von entscheidender Bedeutung sein, die beträchtlichen Effizienzreserven in den Kraftwerken nutzbar zu machen. Der Kohletechnologie kommt dabei eine zentrale Rolle zu, denn der nationale und weltweite Modernisierungs- und Investitionsbedarf bietet große Chancen zur Einsparung wertvoller Primärenergie, zur Reduzierung klimaschädlicher Emissionen und zur Entwicklung hochwertiger Exportgüter. Nur mit einem entschlossenen Engagement bei der fossilen Kraftwerkstechnologie werden wir die Übergänge vernünftig gestalten können, um eine nachhaltige Energieversorgung zu etablieren – die Brücke in die Nachhaltigkeit wird auch auf dem starken Pfeiler einer modernen Kohletechnologie gebaut werden.

Dies ist der Hintergrund, vor dem wir das Memorandum "Für eine moderne Kohletechnologie" vorlegen. Wir verstehen dies als ein Plädoyer für eine engagierte Forschungs- und aktive Industriepolitik am High-Tech-Standort Deutschland.

Memorandum
Für eine moderne Kohletechnologie

Braun- und Steinkohle sind sowohl für die deutsche als auch für die globale Energie- und Elektrizitätswirtschaft von erheblicher Bedeutung. Die Hälfte der deutschen Stromerzeugung basiert auf Kohle, ihr Anteil am Primärenergieverbrauch beträgt knapp 25 Prozent. Weltweit deckt Kohle 38 Prozent der Stromerzeugung und rund ein Viertel des Primärenergieträgerverbrauches ab.

Kohle besitzt unter den fossilen Energieträgern die größten nachgewiesenen Reserven und eine Nutzungsreichweite von mindestens 200 Jahren. 60 Prozent der weltweiten Kohleförderung wird in Kraftwerken eingesetzt. Dort wird sie auch langfristig eine wesentliche Rolle für die globale Energieversorgung spielen.

Der Schlüssel für die Zukunft der Kohlenutzung liegt in der Steige-rung der Effizienz und Umweltverträglichkeit. Der durchschnittliche Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken liegt in Deutschland heute bei rund 38 Prozent, weltweit bei rund 30 Prozent, in Schwellenländern unter 25 Prozent. Die modernsten Kohlekraftwerke weisen Wirkungsgrade bis zu 47 Prozent auf. Mittelfristig sind Steigerungen auf 55 Prozent und mehr machbar. Langfristig ist auch die Entwicklung eines CO2-freien Kohlekraftwerks möglich.

Für den Industrie- und Hochtechnologiestandort Deutschland eröffnet die moderne Kraftwerkstechnologie, die Steigerung der Wirkungsgrade und der Entwicklungspfad "Clean Coal" wichtige Marktchancen insbesondere für den Export.

Technische Innovationen brauchen Kontinuität der Forschung. Der Rückgang der Ausgaben für Forschung und Entwicklung gefährdet jedoch die notwendige Investitionen und verzögert die Markteinführung effizienterer Kraftwerkslinien. Gerade in den liberalisierten Energiemärkten sind koordinierte und intensivere Anstrengungen auf den Gebiet der Kohletechnologie dringend erforderlich, um die Effizienz der Kohleverstromung zu steigern.

Dazu brauchen wir eine Technologieoffensive. Ihr Schwerpunkt sollte auf der Errichtung von Pilot- und Demonstrationsvorhaben zur Wirkungsgradsteigerung und zur Emissionsreduktion liegen. Erfolgversprechende Ansätze bieten Kombikraftwerke mit Druckkohlenstaubfeuerung oder integrierter Vergasung, CO2-Abtrennung sowie die Integration der Brennstoffzellen-Technologie.

Es geht darum, bereits heute die Weichen für die Entwicklung der nächsten beiden Kraftwerksgenerationen zu stellen, um die Chancen für den kommenden Reinvestitionszyklus in der deutschen und europäischen Elektrizitätswirtschaft nutzen zu können. Es geht weiter darum, innovative und hochwertige Produkte und Technologien für den Export in Schwellen- und Entwicklungsländer zu entwickeln. Es geht schließlich darum, Ressourcenschonung, Klimaschutz und die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Industrie- und Technologiestandortes Deutschland produktiv zu verknüpfen.

Berlin, 14. Juni 2002