Pressemitteilung:

  • 12. September 2006

Ute Schäfer: SPD-Fraktion fordert Blick über den schulpolitischen Tellerrand

"Einen konsequenten Blick über den schulpolitischen Tellerrand von Nordrhein-Westfalen" hat heute die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Ute Schäfer, beim Landtags-Talk ihrer Fraktion mit Dr. Rudolf Meraner, Direktor des Pädagogischen Instituts Bozen, gefordert. Meraner stellte unter dem Titel 'Der Weg zur Spitze' die Schulreform in der italienischen Provinz Südtirol vor. Relativ unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich die italienische Provinz Südtirol mit ihrer Schulreform an die Spitze der PISA-Rangliste gearbeitet. Bei der Lesekompetenz, die gesondert ausgewertet wurde, führt Südtirol sogar die 'Weltrangliste' knapp vor Finnland an. "Die deutsche Schule in Südtirol ist in den letzten zehn bis 15 Jahren zielstrebig und Schritt für Schritt einen Weg der Entwicklung gegangen und vom europäischen Mittelmaß zu einem der am besten entwickelten Bildungssysteme aufgestiegen", erklärte Meraner.

"Wenn die deutsche Schule in Südtirol nun etwa ein Schuljahr vor Deutschland und vor der italienischen Schule in Südtirol liegt, muss das Gründe haben", erläuterte Meraner und nannte unter anderem die Einführung der Autonomie der Schulen, die durch Schulentwicklungsberater intensiv begleitet wurde, einen ständigen Ausbau der Lehrerfortbildung und die Weiterentwicklung des Unterrichts. "Ich habe den Eindruck, die Lehrerfortbildung ist in Deutschland massiv gekürzt und unter die Schmerzgrenze gefahren worden. Wenn man aber einen Aufschwung will, muss man bei der Lehrerfortbildung ansetzen", sagte der Südtiroler Schulexperte.

Darüber hinaus sei das Schulsystem der deutschen Schule in Südtirol verändert worden, berichtete Meraner. Erst nach achtjähriger gemeinsamer Lernzeit aller Schülerinnen und Schüler - fünf Jahre Grundschule und drei Jahre Mittelschule - finde eine Verteilung in unterschiedliche Schulformen statt. Meraner: "Bei uns wird kein Schüler mehr abgeschoben. Die Schülerinnen und Schüler, die nach acht Jahren ihre Schulform wählen, entscheiden sich für die richtige." Fraktionsvize Schäfer kündigte weitere Veranstaltungen der SPD-Fraktion mit anerkannten Schulexperten europäischer Nachbarländer an und fordete: "Wir müssen von den Besten lernen."