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  • 20. Oktober 2015

vorwärtsEXTRA-Interview: Zwei Neue mit Verantwortung für NRW

Flüchtlinge, Integration, Digitaler Wandel, Familiengipfel, die beiden neuen Minister im NRW-Kabinett sind direkt gefordert und stehen im Fokus. Im großen Doppel-Interview mit Christina Kampmann und Rainer Schmeltzer fragen wir nach den ersten Eindrücken
Kampmann, Christina, 2015

Christina Kampmann, NRW-Familienministerin
Schmeltzer, Rainer, 2015

Rainer Schmeltzer, NRW-Arbeitsminister (Land NRW / Mark Hermenau)

Liebe Christina, lieber Rainer, Ihr seid jetzt beide seit gut zwei Wochen im Amt. Wie sind Eure ersten Eindrücke in der neuen Funktion? Schon angekommen?

Christina Kampmann:

Vieles ist neu und spannend, aber ich habe ein tolles Team, tolle Kolleginnen und Kollegen, die die ersten Tage trotz der vielen neuen Eindrücken so gestaltet haben, dass ich mich wirklich willkommen fühle.

Rainer Schmeltzer:

Angekommen! Mich hat ein freundliches und hoch engagiertes Team im Ministerium bei der Staffelübergabe empfangen. Die ersten zwei Wochen galten dem Kennenlernen, den vielen persönlichen Gesprächen im Haus, die ich kontinuierlich weiter führen werde.

 

Mehrere zehntausend unbegleitete Minderjährige kommen im Moment aus den Kriegsgebieten zu uns, um hier Schutz zu suchen. Welche Herausforderungen kommen da auf Euer jeweiliges Ministerium zu?

Kampmann:

… womit wir bei einem der zurzeit wichtigsten Themen sind. Die jungen Flüchtlinge haben oft eine wochenlange Reise ohne ihre Familie hinter sich. Ich war in diesem Jahr selbst im Libanon, in Afghanistan und Pakistan und kann gut verstehen, dass gerade junge Menschen auf der Suche nach einer Perspektive zu uns kommen. Diese jungen Menschen sollten wir hier willkommen heißen und ihnen die sprachliche, schulische und berufliche Qualifikation vermitteln, die sie für eine gelungene Integration brauchen. Das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport hat frühzeitig eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Vorschläge erarbeiten wird, wie wir genau diese Ziele erreichen können. Ich möchte, dass aus Flüchtlingen von heute Klassenkameraden, Freunde, Nachbarn und Kollegen von morgen werden.

Schmeltzer:

Für das Integrationsministerium muss es grundsätzlich darum gehen, allen jungen Flüchtlingen – unabhängig davon, ob sie mit oder ohne Familie kommen – einen raschen und ihren Voraussetzungen angemessenen Zugang zu Bildung, Ausbildung und Beschäftigung zu erleichtern. Minderjährige Flüchtlinge stellen ein wichtiges Potential für unseren Fachkräftenachwuchs dar. Hier wird das Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales im Rahmen seiner Möglichkeiten konkrete Unterstützung leisten.

 

Eine große Überschrift in diesem Jahr lautet Digitalisierung der Produktion und Arbeitswelt. Wie werden sich die Berufe in den nächsten 20 Jahren verändern?

Kampmann:

Lebenslanges Lernen wird an Bedeutung zunehmen. Arbeitsplätze werden wegfallen, neue dazukommen. In meinem Ministerium bieten sich durch die Digitalisierung auch Möglichkeiten zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Schon jetzt ist es möglich, zeitunabhängig von zu Hause aus zu arbeiten. Ich sehe hier ein großes Potenzial, das von vielen Unternehmen noch nicht ausreichend genutzt wird, obwohl auf Seiten der Beschäftigten oft der Wunsch danach besteht. Es ist an uns, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass die Digitalisierung der Arbeitswelt zu einer Chance wird, die unsere Gesellschaft bereichert.

Schmeltzer:

Präzise Prognosen wären zum heutigen Zeitpunkt sicher unseriös. Was sich aber als Trend bereits deutlich abzeichnet, ist eine stärkere Verknüpfung von IT-, Kommunikations- und Fachkompetenzen sowie die Fähigkeit, komplexe Abläufe und Problemstellungen zu beherrschen. Außerdem die Zunahme von Überblicks- und Vernetzungswissen wie auch Kreativität, Flexibilität und psychische Belastbarkeit.

Dies alles hat konkrete Auswirkungen sowohl auf die Erst- als auch auf die Weiterbildung sowie auf die Umstrukturierung von Arbeitsplätzen.

 

Welchen Bereich werdet Ihr für Euch in den kommenden Jahren darüber hinaus in den Fokus nehmen?

Kampmann:

Mir geht es um eine moderne Familienpolitik, die den Bedürfnissen der Familien von heute und unserer Gesellschaft gerecht wird. Der vor kurzem von meinem Ministerium vorgestellte Familienbericht zeigt, was sich junge Familien wünschen. Partnerschaftliche Beziehungen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vor allem: mehr Zeit für die Kinder, für das Familienleben. Wir werden vor diesem Hintergrund schon bald zu einem Familiengipfel einladen. Aber auch das Thema der Flüchtlinge liegt mir sehr am Herzen. Für die Kinder unter ihnen bieten wir Brückenprojekte. Das sind oftmals mobile, an Kitas angelehnte Angebote, mit denen wir die Kinder direkt in den Flüchtlingseinrichtungen erreichen. Das soll ihnen den Start in das Leben in unserem Land erleichtern, das ist Integration vom ersten Tag an.

Schmeltzer:

Die aktuelle Flüchtlingssituation ist eine große Herausforderung für unsere gesellschaftliche Weiterentwicklung. Wir sind ein Einwanderungsland und werden es bleiben. Aber wir müssen besser darin werden, Einwanderer, ob Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten, so früh und umfassend wie möglich an unserer Gesellschaft aktiv teilhaben zu lassen – mit Rechten und Pflichten. Dafür sind wir in NRW mit der bundesweit einzigartigen Struktur der kommunalen Integrationszentren und der Integrationskurse der Freien Wohlfahrtspflege gut aufgestellt. Aber die Zusammenarbeit zwischen den Ausländerbehörden, den Agenturen für Arbeit bzw. den Jobcentern und der integrationspolitischen Infrastruktur kann und muss optimiert werden. Dem will ich mich nachweislich widmen.

 

Christina, was hast Du für einen Eindruck von Deinem neuen Ministerkollegen? Und was kann Du uns über Christina sagen, Rainer?

Kampmann:

Rainer ist eigentlich genau so, wie ich mir einen guten Arbeits- und Sozialminister vorstelle. Er hat viel Erfahrung, die nötige Coolness und macht auf mich den Eindruck, dass er genau weiß, was er tut.

Schmeltzer:

Christina startet als engagierte, junge Politikerin mit Berliner Erfahrung. Ich schätze sie als hoch motiviert, geradlinig und als eine sehr freundliche Person. Wir werden im Rahmen der Integration sicher Berührungspunkte haben. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit und bin mir sicher, dass diese hervorragend funktionieren wird.

 

Ministerin oder Minister sein, das heißt viel Arbeit, viele Termine und wenig Zeit für Privates. Welches Hobby wollt Ihr Euch jeweils auf jeden Fall erhalten?

Kampmann:

Als Sportministerin werde ich in jedem Fall auch weiterhin aktiv Sport treiben. Laufen. Yoga. Auf keinen Fall aufgeben möchte ich aber auch das Kochen. Kochen entspannt mich und wenn ich meine Freunde bekochen kann und es ihnen schmeckt, macht mich das jedes Mal glücklich!

Schmeltzer:

Definitiv werde ich natürlich die Nähe der Familie wann immer suchen – und finden. Daneben schätze ich schon jetzt die Möglichkeiten der Spaziergänge mit den Hunden durch die heimischen Felder. Und wenn dann noch mal Zeit bleibt, nutze ich diese in meinem Chor – melodisch laut.